Ehrenamtskarte ist kein Renner

Hilchenbach..  Die Ehrenamtskarte wurde landesweit erfunden, um bürgerschaftliches Engagement zu würdigen und den freiwillig Aktiven darüber hinaus auch eine Gegenleistung zu bieten. Doch zumindest in Hilchenbach droht das Projekt zu versanden. 56 Bürgerinnen und Bürger haben die Karte — doch gültig sind nur noch 25. Die Mehrzahl der Besitzer hat die Ehrenamtskarte nach drei Jahren ablaufen lassen, ohne eine Verlängerung zu beantragen.

Verfahren wohl zu bürokratisch

„Trotz Erinnerungsschreiben“, betont Gudrun Roth, Beauftragte der Stadt für bürgerschaftliches Engagement, im Sozialausschuss. Und sie ahnt auch warum: Einfach ist das Verlängern nicht — alle Antragsschritte müssen wiederholt, alle Nachweise der Vereine neu eingeholt werden, also die Bestätigungen über mindestens fünf Stunden ehrenamtlicher Arbeit in der Woche oder 250 Stunden im Jahr kontinuierlich über drei Jahre hinweg. Bemühungen, dieses Reglement zu vereinfachen, liefen bisher ins Leere. Weil die mit der Ehrenamtskarte verbundenen Vergünstigungen auch landesweit gewährt werden, brachte Carsten Irle (CDU) eine „Ehrenamtskarte Light“ ins Gespräch, die — mit geringeren Anforderungen verbunden — nur in Hilchenbach gilt.

Die Ehrenamtskarte bietet in Hilchenbach 21 Vorteile — verglichen mit anderen Kommunen eine stattliche Zahl, findet Gudrun Roth: Die Palette reicht vom freien Eintritt ins Hallenbad (einmal im Vierteljahr) über Blumen zum Geburtstag bis zu 20 Prozent Rabatt auf die neue Brille. Hinzu kommen 3430 Vergünstigungen in ganz NRW, die auch die Hilchenbacher nutzen können.

Veränderungen müssen sein, sagt Gudrun Roth, denn „ohne Ehrenamt geht gar nichts.“ Was möglich ist, soll dem Ausschuss nun in seiner nächsten Sitzung vorgelegt werden. Denkbar sei auch eine „angemessene Form der Übergabe“: die Feierstunde eben statt dem bloßen Postversand. Auf die Überlegung, dass vor allem Jugendliche durch den geforderten langen Zeitraum des Engagements ausgeschlossen würden, antwortet Heike Kühn vom städtischen Kinder- und Jugendbüro: Für dieses Gruppe gebe es die Juleica, die Jugendleitercard. „Die kann man hier leider nicht einlösen.“

Beliebter ist die Familienkarte

Komplett wird das Hilchenbacher Kartensortiment mit der Familienkarte, die sich wohl als der eigentliche Renner entwickelt hat: 44,7 Prozent der 1600 Haushalte mit Kindern haben die Karte, für die es Vergünstigungen bei fast 60 Einrichtungen, Händlern, Dienstleistern und Gastronomen gibt. 13,15 Prozent der Familienkartenbesitzer haben, weil sie ein sehr geringes Einkommen haben, die „Plus“-Version mit zusätzlichen Befreiungen und Ermäßigungen.