Drogensüchtige bedrohen Siegener Dealer mit Fleischklopfer

Zwei Männer aus Siegen müssen ins Gefängnis.
Zwei Männer aus Siegen müssen ins Gefängnis.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Ein Gerichtsprozess offenbart den Blick in das Siegerländer Drogenmilieu: Zwei junge Männer rächten sich an ihrem Dealer – mit einem Fleischklopfer.

Siegen.. Tim G. (28) und Björn S. (24) möchten sich aus dem Siegerländer Drogensumpf verabschieden. Endgültig. Hier gebe es „zu viele Protagonisten, die sich außerhalb der bürgerlichen Pfade bewegen“, fasst es Björn S.’ Strafverteidiger Christoph Rühlmann zusammen. Die jahrelange Sucht nach Amphetaminen und Cannabis hat die Freunde schon viele Male auf die Anklagebank gebracht. Auch diesmal.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, ihrem Dealer ein iPad gestohlen und ihm mit einem Fleischklopfer gedroht zu haben. Das geben beide Männer zu. Björn S., elf Vorstrafen und auf Bewährung draußen, sei sauer gewesen, weil der Dealer ihm schlechten Stoff verkauft hatte: „Ich habe das Pep zu Hause aufgestrichen und gemerkt, dass da Splitter drin waren“, erklärt der junge Mann im blauen Baumwoll-Jogginganzug. Auch Tim G., 16 Vorstrafen, hegte Groll: „Der verkauft Drogen an Minderjährige. Auch in der Straße, wo mein Neffe aufwächst.“

Deshalb beschlossen die Freunde, ihrem Dealer einen kleinen Besuch abzustatten. Da der nicht zu Hause war und die Gäste in der Wohnung nicht öffneten, trat das Duo die Tür ein und nahm das iPad mit. Später kam es dann noch zum handfesten Streit mit dem Besitzer des iPads – hier soll dann auch der Fleischklopfer zum Einsatz gekommen sein. „Warum hatten Sie den dabei? Sie wollten sich doch kein Steak zubereiten?“, fragt Richter Uwe Stark. „Es gibt eine Menge Menschen, die aus mir ein Steak machen möchten“, antwortet Björn S.

Verliebte Blicke im Saal

Auch das Opfer, übrigens der einzige Zeuge, der zur Verhandlung erschienen ist, legt einen denkwürdigen Auftritt hin. Eher teilnahmslos schilderte der Mann den Ablauf des Tattags. Warum die beiden Männer sauer waren, wisse er nicht. Der Streit sei nicht so schlimm gewesen. Mehr so eine Rangelei. Ja gut, das iPad sei weg gewesen. „Mehr war da eigentlich nicht.“ Richter Uwe Stark bohrt nach. Doch eine stärkere Emotion gibt es nicht. Dafür jede Menge Körpersprache. Immer wenn die Fragen unangenehm werden, sich zum Beispiel darauf beziehen, dass der 28-Jährige eventuell sein Hartz-IV-Einkommen durch illegale Tätigkeiten aufstocke, das gleiche Prozedere: Er stützt sich kurz auf die Armlehnen, greift nach seiner Wasserflasche, schraubt am Deckel, und stellt die Flasche wieder zurück.

Nach dem Verstoß gegen die Bewährungsauflagen sitzt Björn S. seit März seine Haftstrafe ab. Er bereitet sich auf eine Drogentherapie vor. Das wolle er auch für seine Verlobte. Sie sitzt mit im Saal, er sucht immer wieder ihren Blick. Sie grinst verlegen. „Ich fühle mich wohl“, sagt er. Das Gericht verurteilt ihn wegen räuberischen Diebstahls zu einer Haftstrafe von zwei Jahren.

Diagnose Psychose

Tim G. sitzt seit März in U-Haft, zum ersten Mal für eine längere Zeit. Er ruht weniger in sich als sein Freund. Ärzte diagnostizierten eine Psychose. Immer wieder kämpft er mit den Tränen, das Kinn zittert, er zappelt auf seinem Stuhl. Immer wieder schaut er traurig zu seiner Mutter, die hinten an der Wand sitzt. Das Urteil nimmt ihn mit. Er muss für ein Jahr und neun Monate ins Gefängnis.

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