Drogen im Park verkauft

Kreuztal..  65 Fälle von Drogenverkauf an Jugendliche werden Mohammed O. (25) vorgeworfen. Dazu kommt der Besitz von Drogen, bei dem Kreuztaler wurde einiges an Cannabis beschlagnahmt. Richter Uwe Stark und seine Schöffen hoffen sichtlich auf ein schnelles Geständnis. Sie bekommen es aber nicht.

„Ich sage nichts. Was soll ich sagen“, grummelt der Angeklagte vor sich hin. Es geht um den Zeitraum von Juli bis Dezember 2013. In dieser Zeit soll der 25-Jährige drei- bis vier Mal die Woche ein bis zwei Gramm „Gras“ an einen heute 17-Jährigen und dessen Freundin (16) verkauft haben. Schon mehrfach wurde verhandelt, aber es fehlten immer Zeugen.

Mutter sitzt im Gerichtssaal

Mohammed O. beteuert, ihnen selbst nie Drogen verkauft zu haben. „Das ist doch Scheiße. Ich verkaufe doch nicht an Kinder. Die haben aber von anderen bekommen. Die lügen doch. Das Mädchen kifft immer noch jeden Tag“, brummelt der Angeklagte kopfschüttelnd. „Sie machen mich noch wahnsinnig“, entgegnet Stark und will wissen, wer denn der andere Dealer sei. „Ich kenne den Namen nicht. Ein Italiener oder ein Marokkaner“, sagt der Angeklagte.

Ob er denn wisse, dass der 17-Jährige von anderen Leuten kaufe, ist die nächste Frage. „Ich vermute das, hundertprozentig, kann sein, auf jeden Fall“, sorgt Mohammed O. für weiteres Kopfschütteln. Er habe gesehen, wie der Junge umsonst etwas bekommen habe, sonst nichts.

Die beiden jungen Zeugen indes nehmen die Angaben des Angeklagten schnell auseinander. Beide beschreiben die „Geschäftsbeziehung“ über fast ein halbes Jahr, wissen, wo der Kreuztaler wohnt und waren sogar in seiner Wohnung. In Dreslers Park sei sie aber noch nie gewesen, sagt die 16-Jährige und gibt gleichzeitig zu, bei der ersten Aussage vor der Polizei alles auf ihren Freund geschoben zu haben, „weil meine Mutter dabei war“. Die ist in den Zuschauerreihen im Gerichtssaal und lächelt verständnisvoll.

Mohamed O. hingegen schüttelt genervt den Kopf und muss dann noch den schriftlichen Bericht seiner Bewährungshelferin über sich ergehen lassen. Darin wird ihm ein schlechtes Kontaktverhalten bescheinigt, zudem wenig Bemühen um Arbeit und darum, eine Drogentherapie zu machen.

Seit Jahren nehme er täglich Cannabis, bestätigt der Angeklagte, will aber kein „Problem“ haben. Das Zeug sei ja auch billig, „ich bekomme 590 Euro von der Arbeitsagentur“. Eigentlich fühle er sich immer komisch, „wenn ich es nicht nehme“. Trotzdem: Er will dann doch eine Therapie machen. Seine Bewährungshelferin habe aber keinen Termin für ihn gemacht und ihn auch nicht ins Krankenhaus gefahren. Und es wäre toll, wenn er die beschlagnahmten zehn Gramm Cannabis zurückbekommen könnte.

Zwei Jahre Haft

Am Ende wird das Verfahren auf sieben Verkäufe an die 16-Jährige beschränkt. Sie sehe deutlich jünger aus und der Angeklagte habe das nicht übersehen können. Bei ihrem Freund sei das Schätzen schwieriger. Staatsanwältin Bettina Dickel beantragt zwei Jahre ohne Bewährung, weil der Angeklagte erst ein paar Wochen vor der ersten Tat neun Monate auf Bewährung bekommen hat – wegen Drogenhandels. Die müsste er dann auch noch absitzen.

Verteidiger Wilhelm Weinknecht hält eine Haftstrafe für wenig sinnvoll, sein Mandant müsse eine Therapie machen. Dem schließt sich das Schöffengericht an. Zwei Jahre ohne Bewährung, aber mit der Möglichkeit, sich selbst eine Therapiestelle zu suchen und damit die Haft zu vermeiden. „Sie müssen, das zeigt Ihr ganzes Auftreten hier, von den Drogen weg“, sagt Stark fast beschwörend. Die Frage, wie lange denn so eine Therapie dauere, bestätigt ihn umgehend.