Dritte Gesamtschule in Siegen rückt immer näher

Demnächst gehen Kinder auch in Geisweid auf eine Gesamtschule.
Demnächst gehen Kinder auch in Geisweid auf eine Gesamtschule.
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Was wir bereits wissen
Die dritte Gesamtschule in Siegen kommt: Die Jamaika-Koalition und die SPD bilden einen breiten politischen Konsens in dieser Frage.

Siegen..  Eltern der einzigen städtischen Kindertagesstätte in Siegen in der Gläserstraße können nicht auf eine Erstattung der Elternbeiträge wegen des Kita-Streiks hoffen. Der Haupt- und Finanzausschuss lehnte einen entsprechenden Antrag der Linken am Mittwoch ab. Fraktionschef Martin Gräbener hatte argumentiert, die Stadt habe in den vier Wochen des Streiks bisher 12 000 Euro Gehalt gespart. Dem gegenüber stünden 1000 Euro, die Eltern auf Antrag erstattet werden müssten.

Linksfraktion ohne Unterstützer

Die anderen Fraktionen und die Verwaltung sahen das anders. Wegen der Beitragsstaffelung in Siegen müssen nur für 15 der 55 Kinder in der Kita Gebühren gezahlt werden. „Es wurde eine Notgruppe eingerichtet“, sagte der Beigeordnete André Schmidt. In der sei ein Teil dieser beitragspflichtigen Kinder betreut worden. Die Politik im Kreis Siegen-Wittgenstein habe einen entsprechendes Anliegen für die kommunalen Kitas der anderen Kommunen auch abgelehnt. Am Ende konnte sich keine der politischen Fraktionen für den Vorstoß der Linken erwärmen.

Dagegen rückt die dritte Gesamtschule immer näher. Das bedeutet, dass die Realschule am Schießberg und die Geschwister-Scholl-Hauptschule 2020/2021 geschlossen werden. Zum Schuljahr 2016/2017 wird an dem Standort eine vierzügige Gesamtschule eingerichtet. Für diese Schule soll die Verwaltung prüfen, ob bei der Vergabe von Plätzen Kinder aus Siegen bevorzugt werden können. So sieht es der gemeinsame Antrag der Jamaika-Koalition und der SPD vor, der mit den Stimmen dieser Fraktionen verabschiedet wurde.

Missstimmung gab es vor allem bei der Linksfraktion, die eine dritte Gesamtschule zwar seit Jahren fordert, der SPD aber vorwarf, einen „faulen Schulkompromiss“ einzugehen. Hintergrund ist, dass der Antrag auch Bezug nimmt auf die von Jamaika angestoßene und auch von der SPD stets kritisch beäugten Veränderungen im Siegener Süden. Die Koalition hatte beschlossen, die Realschule am Hengsberg und das Gymnasium an der Morgenröthe im „Schulzentrum an der Morgenröthe“ räumlich zusammen zu legen. Das soll mit der Erweiterung der Gesamtschule Eiserfeld um einen Zug der Sicherung der weiterführenden Schulen im Siegener Süden dienen. „Was hat Sie geritten da mitzumachen?“, fragte Gräbener Richtung SPD. Dass bei der Gründung einer Gesamtschule in Geisweid die Zukunft der Gymnasiumslandschaft nicht mit einbezogen werden, sei zudem realitätsfern.

„Schulhistorischen Schritt“

SPD-Schulexperte Joachim Pfeifer konterte die Kritik. Seiner Fraktion sei es wichtig bei diesem „schulhistorischen Schritt“ eine breite politische Basis zu schaffen. Dazu gehöre Kompromissbereitschaft. Im Siegener Süden sei eine politische Entscheidung getroffen worden, die man demokratisch akzeptieren müsse. „Ja, die neue Gesamtschule wird Schülerströme verändern“, so Pfeifer. Nach einem Jahr könne man aber erst sehen, wie sich das auf die gesamte Schullandschaft auswirke. CDU-Fraktionschef Rüdiger Heupel stimmte Pfeifer zu: „Das Gesamtkonzept war uns wichtig. Dem muss man jetzt auch eine Chance geben.“