Dreck, Platzmangel, Verspätungen – Hessenbahn mit Problemen

Einfahrt in Hilchenbach:  Hier werden die Züge der Rothaarbahn ein paar Minuten wettmachen können, sobald ein Signal und der Überweg zum Bahnsteig verlegt sind
Einfahrt in Hilchenbach: Hier werden die Züge der Rothaarbahn ein paar Minuten wettmachen können, sobald ein Signal und der Überweg zum Bahnsteig verlegt sind
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Züge sind schmutzig, kommen oft zu spät und sind gelegentlich zu kurz. Keine Fahrkarten zwingen Gäste teils zum Schwarzfahren - es läuft nicht rund auf der Dreiländerbahn

Siegen-Wittgenstein.. Den „kunterbunten Mix“, als den André Jung (CDU) den zusammengewürfelten Wagenpark der neuen Dreiländerbahn kritisiert, sieht Olpes Landrat Frank Beckehoff nicht: „Einheitsgrau“ sei wohl eher die angemessene Bezeichnung, sagt der Olper Landrat und Vorsitzende der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Personennahverkehr (ZWS). „Dreckschleudern“ seien auf den Schienen unterwegs, kritisiert Beckehoff die ungewaschenen Triebwagen. „Leider Gottes haben wir auch noch andere Probleme“, räumt Markus Stirnberg, stellvertretender Geschäftsführer des ZWS, ein. Es läuft nicht rund auf der Dreiländerbahn, die seit Dezember in der Regie der Hessischen Landesbahn ist.

1. Sauberkeit

Die Hessenbahn verhandelt mit der DB über den Kauf der Waschanlage am Siegener Bahnhof, die bis dahin auch nicht angemietet werden kann und „eingemottet“ sei, berichtet Stirnberg der ZWS-Versammlung: „Warum auch immer.“ Der Plan, die Bahnen stattdessen zum Waschen nach Gießen, Limburg oder Bindweide (Westerwaldbahn) zu fahren, sei auch „nicht wirklich gelungen“.

2. Fahrplan

Weil die Hessenbahn den Betrieb sieben Monate früher als geplant von der DB übernehmen musste, hat sie Fahrzeuge aus ganz Deutschland gemietet. Die passen nicht zueinander, sodass oft nur ein Waggon statt zwei auf die Reise gehen. Dass am Anfang mehr Züge als sonst zu spät kamen, habe, so Stirnberg, auch an der „Streckenunkunde der Triebfahrzeugführer“ gelegen.

Bahn 3. Fahrscheine

In den gemieteten Fahrzeugen gibt es keine Automaten — und wenn, dann haben sie nicht die in der Verkehrsgemeinschaft Westfalen-Süd (VGWS) benötigten Programme. „Darauf hätte man sich vorbereiten können“, sagt Markus Stirnberg. Zugbegleiter, die Fahrscheine verkaufen sollen, fahren inzwischen immerhin in etwa drei Vierteln aller Züge mit. Entwerter für Mehrfach-Fahrkarten gibt es auch nicht. Der ZWS, dem die Einnahmen fehlen, hält sich an der Hessenbahn mit Strafgeldern schadlos: „Da ist gewissen Herrschaften die Kinnlade runtergefallen“, berichtet ZWS-Geschäftsführer Günter Padt. Michael Sittler (SPD) mag sich nicht damit abfinden, dass Fahrgäste zum Schwarzfahren gezwungen werden: „Wir stoßen die Kunden vor den Kopf — das können wir uns nicht leisten.“

4. Baumaßnahmen

Bis Dezember 2015 sollen alle Stellwerke, Weichen und Gleise so umgerüstet sein, dass der Fahrplan auf dem neu konzipierten Liniennetz funktioniert. Im Westerwald klappt das erst 2018, auf der Hellertalbahn, wo allein acht Millionen Euro investiert werden, 2017. „Wir sind erheblich in Verzug“, berichtet Padt über die vom Eisenbahnbundesamt aufgehaltenen Planverfahren. Gelingen wird der Umbau in Hilchenbach: Dort können die sich kreuzenden Züge nun gleichzeitig einfahren, was drei Minuten Wartezeit einspart. Wohl erst 2016 wird das neue Gleis im Betzdorfer Bahnhof fertig, wo bereits ab Dezember die Rothaarbahn startet und endet.

Neues Linienkonzept ab Dezember

38 Fahrzeuge wird die Hessenbahn bis Dezember für ihr neues Netz beschaffen. „Wir hoffen, dass das eingehalten wird“, sagt Günter Padt. Planmäßig sollen dann die neue Sieg-Dill-Bahn von Siegen nach Dillenburg, immer eine halbe Stunde versetzt zum Regionalexpress nach Gießen und Frankfurt, und die Rothaarbahn von Betzdorf nach Bad Berleburg ihren Betrieb aufnehmen.

Zwischen Limburg und Siegen, in den Hauptverkehrszeiten zwischen Limburg und Kreuztal, soll die neue Oberwesterwaldbahn fahren. Auf der Siegstrecke gebe es dann einen 30-Minuten-Takt, sagt Padt: „Ein Top-Angebot, das der Stärkung des Oberzentrums dient.“ Wegen der Bauarbeiten im Westerwald werde die neue Linie allerdings zunächst nur zwischen Siegen und Au, allenfalls ab und bis Westerburg geführt und dort unterbrochen.

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