Dorfentwicklung: Politik ist am Zug

Dorfplatz Grund
Dorfplatz Grund
Foto: WP

Hilchenbach..  Der Runde Tisch zum Kulturellen Marktplatz Dahlbruch ist für Donnerstag, 28. Mai, 18 Uhr in den Ratssaal eingeladen. Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab will dort „ein möglichst weitgehendes Einvernehmen über die weitere Vorgehensweise für die Umsetzung des Gesamtkonzepts erzielen“.

An 17. Juni soll der Rat dann den Grundsatzbeschluss fassen, der den von den „Botschaftern“ vorgeschlagenen Kurs bestätigt: Hasenstab will zusammen mit dem früheren Landrat Paul Breuer und dem ehemaligen SMS-Personalvorstand Andreas Weber nicht nur Sponsoren gewinnen, sondern auch einen Bürgerverein initiieren, der symbolische Bausteine an weitere Förderer verkauft.

Zweiter Saal, Foyer, Gastronomie

Am Runden Tisch will die Verwaltung ein weiteres Mal das Konzept vorstellen, das in einem ersten Bauabschnitt die Erweiterung des Theaters um einen zweiten Veranstaltungssaal, ein Foyer zur barrierefreie Erschließung des Gesamtkomplexes und einer neuen Gastronomie vorsieht. In weiteren Abschnitten folgen die Erneuerung der übrigen Einrichtungen und die Zusammenfassung von Jugendzentrum, Café International und Vereinsräumen in einem „Haus der Alltagskultur“.

Geld für eine Machbarkeitsstudie steht im Haushalt bereit; beauftragt würde damit einer der Preisträger des Architektenwettbewerbs. 2,7 Millionen Euro kostet der erste Bauabschnitt. 1,5 Millionen werden an Landesmitteln erwartet. 600 000 Euro — das ist die Marke, die die Stadt für ihren Eigenanteil gesetzt hat. Den Rest sollen Sponsoren und Mäzene bringen. Insgesamt ist die Planung des Kulturellen Marktplatzes 2013 mit 5,7 Millionen Euro kalkuliert worden. Ein noch größeres Paket mit neuer Sauna am Bernhard-Weiss-Platz und einem „Haus der Musik“, unter anderem als neuer Philharmonie-Standort, in der ehemaligen Hauptschule wurde 2012 mit über 15 Millionen Euro beziffert. Eingeladen an den Runden Tisch sind Vertreter der Ratsfraktionen, der verschiedenen Einrichtungen von Theater über Kino bis zu Jugendzentrum und Hallenbad, der Vereine und Nutzergruppen. In den letzten Monaten waren aus der Politik Einwände der Vereine transportiert worden, die ihre Interessen zu wenig berücksichtigt sahen. Der zweite Veranstaltungssaal ist allerdings ein Vorhaben, das deutlich älter ist als das Regionale-Projekt: Es soll den parallelen Betrieb von Konzert- und Theaterveranstaltungen und Kinovorführungen ermöglichen. Das Viktoria-Kino muss pausieren, wenn der Saal von Busch-Kreis oder Vereinen belegt ist — mit der Konsequenz, dass Verleiher Filme nicht zur Verfügung stellen, weil die geforderte Mindestzahl von Vorstellungen in einem vorgegebenen Zeitraum nicht gewährleistet ist.

„Andere Prioritäten gesetzt“

In einer Vorlage an den Stadtentwicklungsausschuss erinnert Bürgermeister Hasenstab daran, dass die Planung für den Kulturellen Marktplatz Auslöser für die Erarbeitung des Dorfentwicklungskonzepts war, nach dessen Umsetzung sich jetzt die UWG-Fraktion erkundigt hat. 25 Maßnahmen sind herausgearbeitet worden, insgesamt rund 150 Vorschläge wurden von den Bürgern in mehreren Veranstaltungen eingebracht. Sache des Stadtentwicklungsausschusses werde es sein, Prioritäten festzulegen, die sich dann auch im Etat 2016 niederschlagen sollen. In diesem Zusammenhang schreibt Hasenstab der Politik deutliche Worte ins Stammbuch: „Der Bevölkerung ist nur schwierig zu vermitteln, dass mit intensiver Bürgerbeteiligung Planungen erarbeitet werden und eine Verwirklichung dann doch nicht erfolgt.“

Das gelte nicht nur für den Kulturellen Marktplatz („Ein eindeutiges Bekenntnis des Rates der Stadt Hilchenbach zur Umsetzung fehlt“), sondern auch schon für den wesentlich billigeren Dorfplatz in Grund. „Hierfür liegt ein unter großer Bürgerbeteiligung erstelltes fertiges Konzept vor, und für die Umsetzung bestehen gute Förderaussichten.“ Der Stadtentwicklungsausschuss habe sich einstimmig für das Vorhaben ausgesprochen, der Bauausschuss bei der Haushaltsberatung dann aber „andere Prioritäten gesetzt“.

25 Maßnahmen zur Dorfentwicklung

Der Umbau des Bürgerhauses Helberhausen, der Bürgerbegegnungspark für Müsen, die Entwicklung des Tourismusstandorts Lützel und die Gründung einer kommunalen Entwicklungsgesellschaft sind weitere Themen des Dorfentwicklungskonzepts.

Unter den 25 Maßnahmen finden sich auch ein Radwegekonzept und ein Förderprogramm für von Leerstand bedrohten Wohnhäusern: „Jung kauft alt“.