Dorf mit Anspruch sucht Aktive

1054 Einwohner leben im Ober- und Niederdorf von Unglinghausen, dem fünftgrößten von 21 Netphener Ortsteilen.
1054 Einwohner leben im Ober- und Niederdorf von Unglinghausen, dem fünftgrößten von 21 Netphener Ortsteilen.
Foto: Manfred Oerte
Was wir bereits wissen
Alles ist gut in Unglinghausen. „Wenn wir ein strittiges Thema hätten, wäre der Saal voll“, fasst Bürgermeister Paul Wagener den Abend in der Bürgerbegegnungsstätte zusammen.

Unglinghausen..  Bürgermeister Wagener nennt das Häuserbuch, die breite Unterstützung für die geplante Wohnstätte des Autismus-Verein, den Themenrundweg, das Duffelnsfest: „Unglinghausen ist ausgezeichnet aufgestellt.“ Wer da heraushört, dass der Bürgermeister die „Onkelküser“ bei ihrer jährlichen Bürgerversammlung ein wenig aufrichten will, liegt wohl nicht falsch. Ein bisschen Krise ist nämlich doch. Von wegen „immer guter Dinge“.

Worüber freut sich Unglinghausen?

Über Geld aus der mit Sparkassenüberschüssen gefüllten Stiftung „Gut für Netphen“. Mit 70 Prozent ist die Stiftung dabei, wenn eine örtliche Initiative den Rest übernimmt. In diesem Fall der Bürgerverein, der den Zugang zur Bürgerbegegnungsstätte, die bis 1999 noch Sonderschule war, barrierefrei gestalten wird. „Die Zusage steht, der Verein kann loslegen“, sagt Wagener. „Ein guter Tag für Unglinghausen“, sagt Ortsbürgermeisterin Elke Bruch. Es geht darum, dass Menschen mit Handicap nicht vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden — keine Kleinigkeit. „Niemand wird mehr gezwungen, Briefwahl zu machen, nur weil er die Treppenstufen nicht bewältigen kann.“

Sie hat auch die anderen guten Nachrichten. Die Grundschule im Nachbarort Eckmannshausen hat 25 Anmeldungen, darunter sechs aus ­Unglinghausen — das reicht für eine volle Klasse. Und für Nachwuchs ist gesorgt: 12 Kinder sind im vorigen Jahr im Dorf zur Welt gekommen, doppelt so viele wie in den Vorjahren. „Wieder eine halbe Klasse“, rechnet der Bürgermeister für die Grundschulzukunft.

Was fehlt den Unglinghausenern?

Aktive Menschen — finden zumindest die, die an diesem Abend da sind. Ein „Riesenproblem“ werde es zum Beispiel sein, die 120 Helfer für das Duffelnsfest zusammenzubekommen, sagt Manfred Oerter voraus. „Wir können nicht mehr, die Jugend muss rauskommen“, fordert ein anderer. „Die wollen doch nur Spaß haben“, meint ein dritter. Auf einmal geht es hin und her: Sind die Vereine untereinander zerstritten, oder arbeiten sie nicht längst zusammen, beim regelmäßigen Vereinstreff zum Beispiel? Läuft im Ort nicht mehr, oder ist es vielleicht einfach zu viel, was wenige stemmen – die sich sogar auch noch in einem „Arbeitskreis Zukunft“ engagieren?

Welche Lösung gibt es?

Stadtplanerin Marlene Krippendorf stellt das Angebot vor, Dorfentwicklungskonzepte zu erarbeiten. „Wir möchten Orte motivieren, sich auf den Weg zu machen.“ Ein Team müsste sich finden, dass eine Umfrage im Dorf organisiert, auf diese Weise Themen für eine Dorfwerkstatt findet, in der dann Handlungsfelder festgelegt werden. „Dabei geht es nicht um Millionen-Projekte, sondern auch um kleine Maßnahmen.“

Der Einwand kommt prompt. Nach Wünschen seien die Bürger schon oft gefragt worden. Eine Kita oder einen Laden habe Unglinghausen aber trotzdem nicht. „Da ist dann das Ende der Fahnenstange erreicht“, erinnert Manfred Oerter, „eigentlich hängt uns das zum Hals heraus.“ Ortsbürgermeisterin Elke Bruch denkt, dass auch der Weg das Ziel ist, und plädiert für die Dorfbefragung. Wer Menschen zum Mitmachen gewinnen will, müsse auch zeigen, „dass man hier teilhaben und mitgestalten kann.“

Und sonst?

Gibt es das Prinzip Hoffnung, gerichtet auf die gerade geborenen zwölf Neubürger, die im Dorf aktiv werden? „Wenn die in 16 Jahren hier sitzen, gehe ich in Rente“, rechnet einer. „Dann hast du doch Zeit“, antwortet jemand. Vermisst werden die Tafeln der stehenden Stadtführung, die auch in den Themenweg integriert werden sollen. „Sonst machen wir uns selbstständig und schneiden den Fürsten da raus.“ Den Johann nämlich, der eigentlich den Weg durch ganz Netphen weisen soll. Da sei der Heimatverein Netpherland wohl in Verzug, muss der Bürgermeister zugeben.

„Ich bin erstaunt, dass hier nur geklagt wird“, protestiert ein Bürger und wirbt für die von Jörg Roth organisierte Dorfolympiade, die am 9. August den ganzen Ort zusammenbringen soll. „Man wird sehen“, kommt es vom anderen Ende des Tischs zurück. „1:0 für Bayern“, meldet jemand etwas noch Wichtigeres. Dabei bleibt es bekanntlich nicht.

Was noch?

Auf einer „Dorfhomepage“ www.unglinghausen.de steht unter dem Dorfmotto „Immer guter Dinge“ alles, was neue und alte Unglinghausener interessieren könnte: Nützliches, Historisches und Aktuelles.

Neuestes Medium des Orts ist die „Dorfzeitung“, die seit 2014 regelmäßig erscheint.


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