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Projektwoche

Diskussionen über Walter Krämer

28.09.2011 | 21:00 Uhr
Diskussionen über Walter Krämer
Innerhalb einer Projektwoche beschäftigen sich die Schüler mit Geschichte zukunft und aktuellen Themen - die Ergebnisse werden auf dem Schulfest präsentiert.

Siegen.Die Schüler des Gymnasiums am Löhrtor machen derzeit vieles: Sie basteln, sie backen, sie stellen Fremdsprachen vor. Alle Projektergebnisse werden am Freitag beim Schulfest zu sehen sein.

Neben viel Buntem geht es dann in Raum 205 um ein in Siegen seit langem umstrittenes Thema: Schüler der Jahrgangsstufe 12 beschäftigen sich mit Walter Krämer – dem Arzt von Buchenwald. In einer Ausstellung wollen sie sein Leben beleuchten.

Neutrale Ausstellung über Leben und Wirken

„Es geht uns um die aktuelle Debatte und gleichzeitig um seine Biografie“, sagt Robert. Erstmals befasst haben sich die Schüler mit dem Thema bei der Kursfahrt nach Weimar und Buchenwald in der Stufe 11. Dort erfuhren sie, dass der 1941 in Buchenwald ermordete Siegener Humanist bereits von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem den Titel „Gerechter unter den Völkern“ erhalten hat. In Weimar trug zu DDR-Zeiten eine medizinische Fachschule seinen Namen.

„Warum sollte jemand, der so viel geleistet hat, in seiner Heimatstadt also nicht geehrt werden?“, formuliert Jamina die Frage, die sich die Jugendlichen seit Montag erneut stellen. Die Antwort für die Bedenken einiger Politiker im Stadtrat sieht der Kurs in Krämers „politisch kritischer Vergangenheit“ als Mitglied der KPD. Dem steht sein Einsatz für Mithäftlinge im Konzentrationslager Buchenwald gegenüber. „Er hat sich im KZ sehr verändert“, sagt Jamina. Er habe zum Beispiel bei den Patienten keine politischen Unterschiede gemacht. „Wir sind in einen Zwiespalt geraten“, gegeben die Schüler offen zu. Wenn man über eine Ehrung spreche, müsse man auch Krämers Taten außerhalb des KZ berücksichtigen. Deswegen gab es im Kurs mehrere Diskussionen, und die Schüler wurden sich nicht einig. Wichtig ist ihnen: „Keiner von uns hat je so viel über dieses Thema gewusst, wie jetzt.“ Sie hätten nicht gedacht, dass ihre Arbeit so intensiv wird.

Stündliche Führungen

INFO
„Leben im Widerstand“-Symposium

Das „Leben im Widerstand“-Symposium ist am 22. Oktober im Krönchencenter.

Zur Eröffnung spricht ab 10 Uhr Günter Pappenheim, Häftling im KZ Buchenwald und Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos und Vorsitzender der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora.

Anmeldungen zum Symposium bis zum 12.Oktober an vvn-bda@gh-siegen.de

Ihre Ausstellung soll den Besuchern des Schulfestes die Chance geben, sich ein eigenes Bild über Walter Krämer zu machen. Die Schüler haben sich für eine neutrale Darstellung seines politischen Lebens in Siegen und seines humanitären Wirkens im KZ-Buchenwald entschieden. Stündlich wollen sie durch die Ausstellung führen. „Auch unsere Nachfolger sollen darauf zurückgreifen können“, sagt Irina. Die Ausstellung bleibt erhalten, so dass spätere Kurse sich vor dem Buchenwald-Besuch informieren können.

Mehrere Schüler wollen am „Leben im Widerstand-Symposium“ teilnehmen. Das wird am 22. Oktober anlässlich des 70. Jahrestages der Ermordung Krämers veranstaltet. „Er wird in seiner Heimatstadt als Politikum gesehen, und das sollte aufhören“, so Jamina. Sie hält die Benennung einer medizinischen Einrichtung in Siegen nach dem Arzt von Buchenwald für angemessen – eine Ehrung, die den Humanisten Walter Krämer hervorhebt und nicht den Politiker.

Irmine Skelnik

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