Diskussion gehört vor den Abriss

Abriss der Eisenbahnbrücke in Freudenberg. Im Zuge der Leitbilddiskussion müssen wir uns unbedingt darüber im Klaren sein, wie wir mit der Geschichte der Stadt und vor allem miteinander umgehen wollen, statt weiterhin Brücken einzureißen und Bäume zu fällen, bevor jemand die Chance erhält, zu widersprechen.


Nicht der Abriss der alten Eisenbahnbrücke an sich ist das Schlimme, denn er lässt sich womöglich begründen. Nur weil ein Bauwerk über hundert Jahre alt ist, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass es erhaltenswert ist. Darüber lässt sich streiten. Dies gilt auch für die Verhältnismäßigkeit der Erhaltungskosten. Aber die Debatte muss in einer demokratisch regierten Stadt vor dem Abriss möglich sein! Dass dieser still und heimlich geschah, ist inakzeptabel und widerspricht meinem Demokratieverständnis. Unser Rat besteht aus 34 Mitgliedern und nicht nur aus fünf Fraktionsvorsitzenden.


Der in dieser Sache ebenfalls zuständige Bau- und Verkehrsausschuss besteht aus 13 Mitgliedern, die das Kräfteverhältnis der Fraktionen im Rat und somit den bei der letzten Wahl bekundeten Wählerwillen widerspiegeln. Zumindest der Ausschuss hätte über das Schicksal der Brücke in - wohlgemerkt öffentlicher - Sitzung am 16. April beraten und beschließen können. Zuvor wäre eine Ankündigung möglich gewesen, um die Bürger zu informieren und somit Stellungnahmen zu ermöglichen. Eine Notwendigkeit, die gewählten Vertreter und die Bürger zu übergehen, besteht nur dann, wenn ein dringendes Handeln notwendig ist, um Schaden zu vermeiden. War das hier etwa der Fall?


Der heimliche Abriss der ehemaligen Eisenbahnbrücke am Gambachstal macht wieder einmal deutlich: Bis zu einer Bürgerbeteiligung, die in den Köpfen der Verwaltung und der Fraktionsvorsitzenden gelebt wird, ist es noch ein weiter Weg. Nicht nur, dass die Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt werden, auch die meisten Rats- und Ausschussmitglieder erfuhren hiervon erst aus der Presse. Ein solches Obrigkeitsdenken darf in Freudenberg keinen Platz mehr haben.
Christian Hombach, Freudenberg