Die Trinkflasche ist schnell geleert

22 000 sind in diesem Jahr beim - verkürzten - Siegtal Pur dabei, sonst kommen über 100 000.
22 000 sind in diesem Jahr beim - verkürzten - Siegtal Pur dabei, sonst kommen über 100 000.
Foto: Thorsten Wroben

Siegen.  Schon die Vorbereitungen für die Fahrradtour treiben dem Reporter den Schweiß auf die Stirn. Bevor es los geht, werden noch schnell die Reifen aufgepumpt und der Lenker gerichtet. Kaum ist der Sattel erklommen, fühlt man sich, als habe man schon einige Kilometer zurückgelegt. Ausgerechnet an diesem Sonntag, an dem zum 20. Mal „Siegtal Pur“, die größte Radtour des Siegerlandes, stattfindet, erreichen die Temperaturen rekordverdächtige Höhen. Rund 35 Grad lassen auch hartgesottene Radfahrer öfter als gewohnt zur Trinkflasche greifen.

Alle Generationen auf der Piste

Der Blick auf die abgesperrten, Kfz-befreiten Straßen offenbart, dass nicht nur Biker den Weg auf die Strecke gewagt haben. Tatsächlich finden sich Personen aller Altersklassen wieder, viele Familien lassen sich den Spaß auch von der Hitze nicht nehmen. Doch im Vergleich zu den vergangenen Jahren scheint die Teilnehmerzahl heute etwas zurückgegangen zu sein. Egal, jetzt geht es auf die HTS und durch den Ziegenbergtunnel. Üblicherweise verbotenes Territorium für Radfahrer und daher umso reizvoller zu befahren. Das Wetter scheint nun doch ein Einsehen mit der beschränkten Leidensfähigkeit zu haben. Wolken schieben sich vor die Sonne und ein leichter Wind sorgt für Erfrischung. Was freilich nichts daran ändert, dass sich die Trinkflasche nun schon zum zweiten Mal wie von selbst geleert zu haben scheint. Einen Ausweg bieten dabei die zahlreichen Stände am Wegesrand, an denen nicht nur Essen und Getränke angeboten werden, sondern auch diverse Fahrrad-Utensilien und Aktionen für Kinder und Erwachsene.

Die anderen Fahrer auf der Strecke wissen Ähnliches zu berichten. „Ich finde das mit den Ständen optimal“ freut sich zum Beispiel Thomas, 45, aus Dreis-Tiefenbach. Er fährt heute zum ersten Mal bei „Siegtal Pur“ mit und freut sich auch über die kompetente Hilfe, die er bekommt. „An einem Stand haben sie mir eben den Lenker richtig eingestellt, weil mir die Hände ständig weh taten.“ Einzig die Temperaturen seien zum Fahren „grenzwertig“.

„Trotz Hitze gut zu schaffen“

Viel vorgenommen hat sich heute Steven. Der 25-jährige Lehramtsstudent aus Brachbach fährt die ganze Strecke von Kirchen bis zur Siegquelle hin und zurück. Für ihn ist das gleichwohl keine große Herausforderung, schließlich fährt er regelmäßig Rennen für seinen Verein TV Jahn Siegen. „Ich hätte heute auch ein Rennen fahren können, aber ich finde es schön, mit meinen Kumpels mal ein bisschen ohne Leistungsdruck zu fahren.“ Die Witterungsbedingungen findet er nicht so schlimm: „Es ist schon sehr warm, aber auf jeden Fall noch fahrbar.“

Auch Verena, 25, findet, die Tour sei „trotz der Hitze noch gut zu schaffen“. Sie fährt heute auch zum ersten Mal mit und zeigt sich ebenfalls begeistert von der Strecke und den zahlreichen Verpflegungsstationen. Einziger Kritikpunkt: Als sie mit ihren Begleitern am Endpunkt in Kirchen angekommen sei, habe sie dort die erhoffte Verpflegung vermisst. „Wir mussten erst in das Dorf davor zurückradeln“.

Die Tour des Reporters neigt sich nun dem Ende. Eine abgesprungene Kette droht auf den letzten Metern noch einen Strich durch die Rechnung zu machen. Die Aussicht auf eine lange Reparatur unter der nun wieder brennenden Sonne ist wenig reizvoll. Glücklicherweise ist das Problem, auch dank der helfenden Hand eines anderen Fahrers, schnell behoben. Wie sich zeigt, nicht zu früh. Denn wenig später öffnet der Himmel seine Schleusen und sorgt für eine mehr oder weniger willkommene Erfrischung. Auf der Straße jedoch dürfte es jetzt ungemütlich werden.

Hitze lähmt auch Fahrradfreunde

Die angekündigte Hitzewelle hat am Sonntag wohl viele Fahrer vom Start beim Fahrrad-Aktionstag „Siegtal Pur“ abgehalten. Statt 100 000 wie im Vorjahr zog es diesmal nur rund 22 000 Rad- und Inlinefahrer auf die Straßen. „Ich glaube, dass die Hitze der Hauptgrund war, warum weniger Leute mitgemachthaben“, sagt Roswitha Still, Geschäftsführerin des Touristikverbandes.

Sanitäter haben wenig zu tun

Ein weiterer Grund dürfte die verkürzte Strecke gewesen sein. Die Route, die normalerweise von der Siegquelle bis nach Siegburg führt, endete in diesem Jahr bereits in Kirchen. Aufgrund von Gleisbauarbeiten konnten die Straßen, die nun vom Schienenersatzverkehr genutzt werden, nicht für die Radfahrer abgesperrt werden. Unter diesen Umständen sei die erreichte Teilnehmerzahl noch durchaus erfreulich, so Still. „Wir wollen aber nächstes Jahr wieder die gesamte Strecke bis Siegburg nutzen.“ Wegen der verkürzten Strecke gab es auch wenig Nachfrage nach dem Shuttle zur Siegquelle: Nur rund 350 Fahrgäste ließen ihre Räder auf die Lkw hieven.

Den hohen Temperaturen von teils über 35 Grad begegneten die Veranstalter mit zahlreichen Getränkeständen und einem verstärkten Aufgebot an Einsatzkräften. Fünf Mal war das DRK aufgrund von Kreislaufproblemen bei Fahrern im Einsatz. Roswitha Still lobte das gelungene Zusammenspiel von Rettungskräften, Polizei und den beteiligten Gemeinden: „Das hat wirklich sehr gut funktioniert.“ Am Nachmittag hätte eine aufkommende Gewitterfront beinahe noch für einen Abbruch der Veranstaltung gesorgt. Schwere Unwetter blieben aber aus, sodass die Strecken wie geplant bis zum Veranstaltungsende um 17 Uhr befahren werden konnten.