Die Stadt zeigt sich großzügig

Schulausschuss in der Florenburgschule
Schulausschuss in der Florenburgschule
Foto: WP

Hilchenbach..  Anja Koch, die Rektorin der Florenburgschule, und Hannah Weissinger, Konrektorin der Stahlberg-Grundschule, verlassen den Ratssaal mit einem Lächeln. „Wir wollen als Schulträger ein Zeichen setzen“, hatte Kämmerer Udo Hoffmann eben beim Ortstermin in der Florenburgschule gesagt, „indem wir unsere Schulen attraktiv gestalten.“ Die Entscheidung, seine Haushaltssperre aufzuheben und die 21 000 Euro für die neue Küche der offenen Ganztagsgrundschule freizugeben, konnte gar nicht schnell genug fallen. „Wir wollen unsere beiden Grundschulen unterstützen, wo wir können“, versprach Sven Wengenroth (SPD).

Als ob man etwas gutzumachen hätte. Ja, gab Helmut Kaufmann (SPD) zu, das sei „alles sehr traurig“ — der abrupte Wechsel in der Schulleitung in Müsen ausgerechnet jetzt, wo die letzten zwei Klassen der im Sommer schließenden Allenbacher Grundschule integriert werden sollen. „Aber im Grunde war das vorprogrammiert.“

„Gewisse Doppelbödigkeit“

Das sah auch Dr. Peter Neuhaus (Grüne) so. Rektor Thomas Bosch, inzwischen Schulleiter in der Nachbarstadt Kreuztal, habe schließlich schon vor fast zwei Jahren festgestellt, dass er für sich keine Zukunft in Müsen mehr sehe. Da hatte der Rat, gegen den Willen der verbliebenen städtischen Grundschulen, grünes Licht für die private, bilinguale b school gegeben, die im Sommer ihren Betrieb im Allenbacher Schulgebäude aufnehmen will. Jetzt die Konsequenzen zu bedauern, so Dr. Neuhaus, zeuge von einer „gewissen Doppelbödigkeit in der Diskussion“.

Olaf Kemper (CDU) hatte sich über das „Lehrer-Bashing“ in der letzten Ratssitzung und die Bemerkung des Bürgermeisters über die Reisenden, die man nicht aufhalten solle, geärgert. Was wäre, wenn jemand das Hans-Peter Hasenstab nachrufen würde, wenn der seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur als Bürgermeister erklären würde, fragte Kemper: „Wie käme das an?“

Die Florenburgschule, sagt Rektorin Koch, „platzt aus den Nähten“. Die Ganztagsbetreuung mus sich einen der drei Räume mit den Sonderpädagogen teilen, die dort Kinder individuell fördern. „Eng und mitunter chaotisch“ gehe es in der beengten „Mensa“ zu, berichtet Melanie Müller, Leiterin der offenen Ganztagsgrundschule (OGS). Auch Tanja Schneider von der städtischen Schulverwaltung richtet sich darauf ein, dass die Betreuungsnachfrage wächst: Jetzt wachsen die Ganztags-Kita-Kinder nach. „Die Eltern wollen auch eine entsprechende Betreuung in der Schule haben. Insgesamt rund 55 000 Euro stellt die Stadt für die Verlagerung von Küche und Mensa bereit. Auch die Erweiterung um zwei Klassenräume in einem zunächst für fünf Jahre angemieteten Container ist ein klarer Fall. Jährliche Mietkosten 28 000, einmalige Anschlusskosten 53 000 Euro: „Modulbauweise ist nichts Minderwertiges“, betont Hochbau-Sachgebietsleiter Rolf Schmitt.

Andrang zu Betreuungsangeboten

Und Müsen? Da sei „ein starkes Team“, das die Schule bis zur Entscheidung über eine neue Schulleitung führt, beruhigt Schulrätin Ute Roth. Die dienstälteste Lehrerin wird nach der — von ihr selbst gewünschten – „Entpflichtung“ der Konrektorin die Schule vorübergehend leiten. Der Schulausschuss hat seinen Besuch auch schon angekündigt. Eine gute Zeit, Wünsche zu äußern.

222 Schüler hat die Florenburgschule. Die Zahl der Kinder, die Betreuungsangebote nutzen, wächst. 52 sind im kommenden Schuljahr für den Ganztag angemeldet, darunter 22 Lernanfänger, weitere 26 für den verlässlichen Halbtag. Weitere Anmeldungen werden noch erwartet. Hinzu kommen täglich bis zu zehn Kinder mit „Tagestickets“, die flexibel eingesetzt werden können.