Die heimischen Buchen
02.09.2011 | 18:18 Uhr 2011-09-02T18:18:00+0200
Kreuztal-Fellinghausen.Auch in den Wäldern des Siegerlands wird die Buche unter „Vollschutz“ gestellt. Das Regionalforstamt in Hilchenbach hat im Staatswald – verstreut über das ganze Kreisgebiet – bereits 500 Hektar der teilweise über 100 Jahre alten Bestände erfasst, die künftig als „Weltkulturerbe“ gelten.
Das geschieht auf Initiative der nordrhein-westfälischen Landesregierung, berichteten Forstdirektor Diethard Altrogge und sein Stellvertreter Manfred Gertz jetzt bei einer Exkursion von Landrat Paul Breuer und Mitgliedern des Kreisausschusses in den Wald bei Fellinghausen.
Europaweit immer
noch stark vertreten
Laut Altrogge ist die Buche der Baum, mit dem die heutige Bundesrepublik zu zwei Dritteln bestockt wäre, gäbe es nicht die seit Jahrhunderten praktizierten Eingriffe in seine Ausbreitung durch Land- und Forstwirtschaft. Wäre die Buche nicht daran gehindert worden, so Altrogge, befänden sich heute 25 Prozent aller Buchenwälder der Welt in Deutschland.
Europaweit ist dieser langlebige und wertvolle Baum immer noch stark vertreten und soll nun endlich den Stellenwert bekommen, der ihm zusteht. Denn diese Baumart hat einen positiven Einfluss auf ihr Umfeld: Eine Vielzahl von Insekten und Pflanzen siedelt sich in ihrer Nähe an.
Neben der Sicherung der staatlichen Buchenflächen strebt das Forstamt auch an, Privateigentümer vertraglich zu einer Bewahrung des Baumes zu bewegen. Dafür sollen pro Hektar Entschädigungen um die 100 Euro fließen. Verhandlungen sind vom Forstamt schon begonnen worden, zumal es kreisweit noch riesige Buchenbestände gibt – so auch gerade im Bereich des Rothaarkamms, wie Manfred Gertz präzisierte. Weitere bedeutende Vorkommen sind aus Freudenberg (um das Krankenhaus herum) und aus Burbach-Holzhausen bekannt.
Den Vortrag über die Buche hielten die Forstbeamten den Ausschussmitgliedern in einem acht Hektar großen Mischbestand aus Buchen und Eichen oberhalb von Fellinghausen, wo das eigentliche Ziel eine Kyrill-Fläche war. Mit dem „Vollschutz“ für die Buche soll erreicht werden, dass in den nächsten 20 Jahren die Bestände nicht mehr entfernt, sondern sich selbst überlassen werden.
Das Land will speziell zu den Buchen schwerpunktmäßige Infozentren einrichten und gegebenenfalls dieses Projekt auch wissenschaftlich begleiten lassen. „Europaweit“, so Manfred Gertz, sei der Schutz der Buche ein „neuer Gedanke“. Und wirtschaftlich sei dies machbar, da der Verzicht auf den Bucheneinschlag „keine finanziellen Verluste“ nach sich ziehe.
Schutzröhre wie
ein „kleines Treibhaus“
Wichtiges Thema der Begehung war für Politiker und Vertreter der Kreisverwaltung aber auch die Wiederbewaldung nach dem Orkan Kyrill im Januar 2007. Diethard Altrogge und Manfred Gertz führten eine naturverjüngte Fläche im Fellinghausener Forst vor, auf der neue Laubbäume in Schutzröhren zusätzlich gepflanzt wurden. Diese „Tubes“ befinden sich im ganzen Kreisgebiet: 100 000 im Staatswald, weitere 50 000 im Privatwald. Viele Bäume haben dadurch bereits ein Wachstum erreicht, das ohne Hülse nicht möglich gewesen wäre. Gertz: „Die Wirkung ist wie in einem kleinen Treibhaus.“
Wie Sturmflächen 20 Jahre später aussehen könnten, führten Altrogge und Gertz mit Revierförster Martin Sorg den Politikern am Hellberg in Netphen-Unglinghausen vor. Dort hatten Anfang der 1990er Jahre die Orkane „Wiebke“ und „Vivien“ in einem Fichtenbestand gewütet. Auf dreieinhalb Hektar Wald, der der Naturverjüngung überlassen wurde, haben sich inzwischen zwölf Baumarten angesiedelt.
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