Die ersten Schüler sind schon da
06.02.2012 | 18:38 Uhr 2012-02-06T18:38:00+0100
Netphen.Kilian ist der Erste. Punkt 15 Uhr hat Jens Dittmer seinen Sohn für die Sekundarschule angemeldet. Und der schließt schnell Bekanntschaft mit Julia Cruz Fernandez, die als kommissarische Leiterin der noch gar nicht bestehenden Schule Anmeldungen entgegennimmt: „Ich habe schon im Kindergarten das Seepferdchen in Bronze gemacht“, sagt der angehende Fünftklässler. „Schwimmen und Skifahren mache ich auch gern“, erzählt die Lehrerin.
„Das hier ist total spannend“, sagt Julia Cruz Fernandez, die die Geschichte mit der Schule, die es noch nicht gibt, nicht auf sich sitzen lässt: Lehrer und Schüler der Hauptschule Deuz, wo Julia Cruz Fernandez Rektorin ist, haben lauter kleine Sekundarschulen ausgesägt und angemalt – und jedes neu angemeldete Kind darf eines der Holzhäuschen mitnehmen.
Karin Stahl, die früher Sekretärin an der Grundschule Niedernetphen war, assistiert der Schulleiterin: Anmeldebögen, Zeugnisse und Geburtsurkunden müssen kopiert, gestempelt und abgeheftet werden. Draußen im Flur wächst, erst kurz nach 15 Uhr, die Warteschlange, auf die auch Bürgermeister Paul Wagener gewartet hat: „Viel Erfolg“ wünscht der dem improvisierten Schulsekretariat. „Es wird Zeit, dass neue Schulformen kommen“, sagt Jens Dittmer, bei dessen Sohn weder Realschule noch Gymnasium eine Chance haben. Kommt die Sekundarschule in Netphen nicht zustande, weil nicht mindestens 75 Kinder angemeldet werden, dann geht es nach Rudersdorf. Denn dass die Sekundarschulgründung zumindest in der Nachbargemeinde auf jeden Fall klappt, darin hat hier kaum einer einen Zweifel.
An Alternativen magniemand denken
„Das Konzept gefällt uns“, sagt die Mutter von Leon, der wie Kilian noch die vierte Klasse der Johannlandschule besucht. „Für uns passt das genau“, sagt die Mutter von Tim, der gerade sein Halbjahreszeugnis an der Niedernetpher Grundschule bekommen hat: „An der Sekundarschule hat er alle Möglichkeiten offen“ – dank der Kooperation mit dem Gymnasium bis zum Abitur. Luca wäre sonst ein „typischer Hauptschulkandidat“, räumt dessen Mutter ein, „hier hat er die Möglichkeit, weiter gefördert zu werden.“
Nicht besonders gut kommen bei den Wartenden Einwände gegen den Ganztagsbetrieb an: „In welcher Familie können denn Vater, Mutter und Kind mittags um Zwei zusammen essen?“, fragt eine Mutter – einmal ganz abgesehen von den Hausaufgaben, die dann doch noch den halben Nachmittag kosten. Wo sie ihre Kinder anmelden, wenn es mit der Sekundarschule in Netphen nichts wird? Einige werden es dann in Gymnasium und Realschule versuchen, andere werden auspendeln. Aber so recht denken möchte an diese Alternative niemand.
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