Die eigene Idee macht Karriere

Die beiden Macher der Examio GmbH: Sven Hoberock (links) und Simon Julius Dücker. Das Startup verkauft interaktive Online-Kurse.
Die beiden Macher der Examio GmbH: Sven Hoberock (links) und Simon Julius Dücker. Das Startup verkauft interaktive Online-Kurse.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Junge Unternehmer gesucht: Wer sein eigener Chef sein will, hat einiges zu beachten. Was genau, das erläutert das Gründerbüro der Uni Siegen.

Weidenau..  Wir stellen sieben Firmen aus der Gründerschmiede im ehemaligen Sparkassen-Gebäude an der Weidenauer Straße vor.

App

Schnitzeltag, Happy Hour, Welt-Astra-Tag – wer in Siegens Gastrowelt sparen will, hat Gelegenheiten. Man muss es eben nur rechtzeitig wissen, denn was bringt der Burger-Montag am Dienstag? So denken auch die Studenten Christian Heinemann und Maximilian Schmidt. Die Freunde, beide 21, beide BWL-Studenten, kennen sich schon seit der Schulzeit auf der Bertha. Beim Bier (zum Aktionspreis) kommen die Jungs auf die Idee: „Lass uns eine App entwickeln, die alle Angebote in Siegen bündelt.“

Abrufbar in Echtzeit. Was ist heute los? Wo gibt es ein Angebot? Bestückt werden die Inhalte von den Gastronomen, die für die Nutzung in einer Art Abo bezahlen. Für den Nutzer bleibt der Service kostenlos. Gastronomen können so auch schnell reagieren, wenn der Laden mal nicht brummt und zum Beispiel mit wenigen Klicks die App mit einem Angebot füttern: „Achtung Leute, in den nächsten zwei Stunden gibt es die Cocktails zum Spezialpreis.“ Die Nutzer erhalten dann direkt eine Push-Nachricht (ähnlich einer SMS) aufs Handy. Heute laufe zwar viel über Facebook, aber das Unternehmen zeige nicht jedem alles an, erklärt Christian Heinemann.

Die Angebote bleiben in den mysteriösen Algorithmen der Social-Media-Riesens stecken. „Wir möchten so vor allem die Vielfalt in der Stadt unterstützen“, sagt Marcel Bender. Der 27-Jährige studiert Medieninformatik an der Uni Siegen und bringt die technischen Skills mit. Er programmiert und baut die App. „Ich bin zuständig für das Klicki-Bunti“, sagt er. Alle drei lachen. Die drei verstehen sich sehr gut und lernen voneinander. Bender meldete sich über einen Aufruf an seinem Lehrstuhl.

Die Idee ist so simpel und so genial – gibt es das nicht schon längst? „Hast Du so eine App?“, fragt Marcel Bender dann immer in seinem Freundeskreis, wenn diese Frage kommt. „Nee“, lautet die Antwort. „Siehste“, sagt ein grinsender Bender. Ziel ist es, dass die App irgendwann in allen deutschen Städten und vielleicht auch im Ausland funktioniert. „Wir müssen jetzt einfach schneller sein als alle anderen“, erklärt Maximilian Schmidt. Der Prototyp steht.

Die Schwierigkeit wird jetzt darin bestehen, die Gastronomen von der Idee zu überzeugen. Und quasi gleichzeitig auch die Nutzer zu überzeugen. Für den Verkauf sind dann wieder Heinemann und Schmidt zuständig. Sie verfügen nämlich über die Verkaufsskills: Der eine jobbt an der Tanke am Lindenberg, der andere im Turnschuhladen in der City Galerie.

Gutes Image steigert Absatz

Schulungs- und Trainingsvideos sowie Imagefilme sind das Geschäft von Benjamin Ryan Schwartz und Smooth Motion. Aussagekräftige Filme sollen Absatz steigern, Kunden binden und das Ansehen der eigenen Firma verbessern, heißt es von Seiten des Unternehmens. www.smoothmotion.de

Lernen

Buchführung, erstes Semester Wirtschaftsrecht. Bei einer besonders langweiligen Vorlesung im Jahr 2004 kamen Sven Hoberock und Julius Dücker, heute beide 30, auf die Idee für ihr Geschäft: Online-Kurse zur Prüfungsvorbereitung. Die Geschäftsidee baute das Duo immer weiter aus. Unter der Dachmarke Examio werden heute mehr als 280 Online-Kurse gebündelt – von der Abivorbereitung (abiweb.de) bis zu Kursen für Bilanzbuchhalter. Mehr als 3000 Besucher hat allein die BWL-Plattform Wiwiweb. Die Examio-Geschäftsführer gehören im Gründerbüro zu den alten Hasen. Ein Vorbild dafür, wie es laufen kann. Sie gründeten 2012 eine GmbH, leben heute davon, haben vier Festangestellte und ein großes Netzwerk an Autoren, die den Lehrstoff liefern und jeweils finanziell beteiligt werden.

Je häufiger ein Online-Kurs gebucht wird, desto mehr verdient auch der Autor. Den Examio-Erfolg begründen die beiden Unternehmensgründer mit dem Wort „interaktiv“. Die Kurse bestehen aus einem Mix: Texten, Videos, Grafiken und Web-Seminaren in denen sich der Kursleiter mit der Lerngruppe per Web-Cam verabredet. Alle Inhalte sind optimiert für den Rechner zu Hause, Tablet und Smartphone. Derzeit wird an einem neuen Tool gearbeitet, das altbacken klingt, aber zum Lernen weiterhin sehr beliebt ist: Karteikarten. www.wiwiweb.de

Risiko

Nicht alle Schwierigkeiten lassen sich aus dem Weg räumen. Nicht zuletzt deshalb ist es für Unternehmen wichtig, mit Unbill richtig umzugehen. Mojtaba Ghadiri kennt Wege, wie das funktionieren kann. Sein Büro hat sich auf Risikomanagement spezialisiert. So seltsam es klingt, aber Risikomanagement spielt in vielen Firmen kaum eine Rolle, sagt Mojtaba Ghadiri: „Risikomanagement kostet Geld und bringt nichts“, würden viele glauben.

Wenn allerdings ein Problem auftritt, das zu einer ausgewachsenen Krise werden kann, sei diese Sichtweise schnell über den sprichwörtlichen Haufen geworfen. Kann etwa der Lieferant seinen Verpflichtungen nicht nachkommen oder es drohen Zahlungsausfälle, hat Mojtaba Ghadiri einen Plan B in der Schublade. Project Experts Solution bietet projektspezifische Betreuung. Schulungen sollen Mitarbeiter, die gemeinsam an einem Auftrag in einem Unternehmen arbeiten – zum Beispiel einer Maschine für den chinesischen Markt – auf den Fall der Fälle vorbereiten. www.proex-solution.com

Biometrisches

Christian Kettner und Persofoto sind so etwas wie Examio alte Hasen im Gründerbüro. Er hatte – damals noch mit einem Kompagnon – bereits vor dem Umzug in das alte Sparkassen-Gebäude sein Büro im Artur-Woll-Haus. Mit Persofoto kann jeder mit seiner eigenen Kamera biometrische Fotos schießen. Im Netz werden die Aufnahmen an die Vorgaben angepasst, die Bilder für einen Personalausweis oder Reisepass erfüllen müssen. www.persofoto.de

YouTube

Werbefilme? Locken niemand mehr vor den Rechner, betont Daniel Brosowski. Zumindest nicht, wenn er wissen will, warum sein Ofen so furchtbar qualmt. „Der Endkunde ist auf der Suche nach Information“, sagt der 30-jährige Diplom-Kaufmann und umreißt die Zielgruppe seines Unternehmens Fiumu: Mittelständler, die mit Max Mustermann kommunizieren. Im Fachjargon heißt das Business-to-Consumer, B2C. Fiumu kümmert sich um die YouTube-Kanäle seiner Kunden.

Der Ofenbauer etwa erläutert im Video, warum das Holz nicht sauber verbrennt. Der Bauunternehmer, der auf der Suche nach Fachkräfte-Nachwuchs ist, zeigt im Video, was er zu bieten hat – und schickt Interessenten per Link auf seine Azubi-Seite.

50 bis 60 Stunden Arbeit in der Woche steckt Daniel Brosowski in seine Videoproduktionen.

Das Ziel: „Wir möchten ein kleines, aber feines Team aufbauen.“ www.fiumu.de

Online

Wer etwas anzubieten hat, will, muss auch gefunden werden. Ist es zum Beispiel ein regionaler Handwerker, der seine Diente anbietet, wissen Steffen Zimprich und Steffen Wildner von On Media, was online zu tun ist. „Die Website muss ordentlich sein“, betont Steffen Zimprich. Und darf nicht nur mit klassischen Visitenkarten-Inhalten aufwarten. „Die Leute wollen mehr sehen.“ Die Zielgruppe: Betriebe mit bis zu 20 Mitarbeitern. www.onmedia-marketing.de