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Die Dinge der Eltern auf dem Weg in den Abfallcontainer

24.01.2015 | 00:11 Uhr

Dahlbruch. „Halten Sie sich aus dem Leben ihrer Eltern raus“, sagt Gilla Cremer kurz vor Ende der rund 90 Minuten, die ihr Solo-Stück „Die Dinge meiner Eltern“ dauert. Es ist ein frommer und gut gemeinter Wunsch. Doch der Abwicklung des Nachlasses, wenn Vater und Mutter gestorben sind, dieser Aufgabe kann sich kaum einer entziehen.

Vielleicht ist das Gebrüder-Busch-Theater auch deshalb nicht ausverkauft, weil viele die Erinnerungen scheuen oder nicht mit diesem Thema konfrontiert werden möchten. Gekommen sind trotzdem viele, und die sind auch begeistert. Szenenapplaus gibt es kaum, ein paar mal verhaltenes Lachen. Aber hinterher wird zwei Mal Bravo gerufen. Und dann ist es spürbar, dass die Menschen die Schauspielerin am liebsten gar nicht von der Bühne lassen wollen. Die Begeisterung ist groß und vor allem verdient. Gilla Cremer ist dankbar und teilt sie, mit ihren Technikern und mit „dem feschen Kerl, der mir die Blumen gebracht hat“. Veranstalter Hartmut Kriems ist gemeint, „unterstützen Sie ihn, kommen Sie immer wieder!“

Worum geht es: Die Mutter ist schon vor ein paar Jahren gestorben, jetzt ist auch der Vater nicht mehr da. Die drei erfolgreichen Schwestern, über die Welt verstreut und unglaublich beschäftigt, haben Agnes beauftragt, das Haus „am Fuß des Drachenfels“ auszuräumen. Eine tragikomische Achterbahnfahrt, der Versuch, ganz rational und mit vielen Ratschlägen der Schwestern versehen an die Aufarbeitung des Nachlasses heranzugehen.

Auf einmal kommen die Stimmen

„Das ist doch mein Leben“, sagt sie irgendwann in einem Patchwork-Kostüm aus Schrott und Memorabilien. „So still war es in diesem Haus noch nie.“ Aber still ist es eigentlich gar nicht. Weil die Stimmen und Gerüche der Eltern in Agnes lebendig werden. Verstörende Wutanfälle über den ganzen Kram, den die Eltern in einem Leben so angesammelt haben, wechseln sich ab mit berührenden Momenten, in denen die Protagonistin fühlbar wieder zum kleinen Mädchen wird. Jeder kann wohl ebenso nachempfinden, wie sich Agnes von der Bemutterung genervt gefühlt hat. „Zieh Dich warm an“, ruft sie den Sachen im Abfallcontainer nach, „ruf an, wenn Du angekommen bist.“ Wenn dann das Namensschild abgeknibbelt und der Schlüssel übergeben ist, dann ist es, „als hätte es unsere Familie nie gegeben“.

Michael Kunz

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Die Dinge der Eltern auf dem Weg in den Abfallcontainer
Die Dinge der Eltern auf dem Weg in den Abfallcontainer
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2015-01-24 00:11
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