Neuorgananisation
DGB zieht sich aus der Fläche zurück
06.01.2010 | 17:55 Uhr 2010-01-06T17:55:00+0100Siegen-Wittgenstein/Olpe. Die DGB-Region ist erst im Oktober 2009 größer geworden: Nicht nur die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe, sondern auch den Hochsauerlandkreis umfasst die neu firmierte „DGB-Region Südwestfalen”.
Doch schon im Mai könnte sie wieder Geschichte sein: Der Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes soll die Abschaffung der bisherigen hauptamtlichen Stukturen vor Ort beschließen.
Gewerkschaften finden immer seltener Aktive
An ihre Stelle sollen aus Spargründen ehrenamtliche Kreisvorstände treten, denen dann hauptamtliche Geschäftsführer auf Bezirksebene zur Seite gestellt werden. Das klingt auf den ersten Blick nicht nach sonderlich gravierenden Änderungen. Allerdings bedeutet das deutliche Einschnitte in die Arbeit vor Ort. Denn die neuen Geschäftsführer sollen – anders als die bisherigen Regionsvorsitzenden – nicht vor Ort gewählt werden. Sie werden auf Landesebene bestimmt und sind auch dort „angedockt”.
Das zweite Problem: Die ehrenamtlichen Kreisvorstände seien kaum zu stellen, fürchtet der heimische DGB-Chef Willi Brase. Denn sie müssten aus den Reihen der acht Einzelgewerkschaften kommen. Doch die Gewerkschaftssekretäre von IG Metall und Verdi haben schon jetzt alle Hände voll zu tun. Und die anderen Gewerkschaften – Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Erziehung und Wissenschaft (GEW), Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) Polizei (GdP) und die der Eisenbahner (Transnet) – haben ohne hin schon keine Vollzeit-Sekretäre mehr vor Ort. Ihre Arbeit wird ehrenamtlich gemacht, wobei es für sie ohnehin schon immer schwieriger wird, Aktive zu finden.
Betriebsräte können Aufgabe nicht schultern
Alternativ könnten Betriebsräte den Kreisvorstand stellen. „Aber ein Betriebsrat ohne Freistellung kann das gar nicht leisten”, betont Brase. Ganz abgesehen davon, dass die Wirtschaftskrise die Arbeitnehmervertreter vollauf beschäftige. Es ist also nicht mit der Rückkehr der so genannten „Ortskartelle” zu rechnen, wie die örtlichen Zusammenschlüsse einst hießen.
Von einem Bedeutungsverlust will Brase dennoch nicht reden. Der DGB habe nach wie vor wichtige Aufgaben: Den Einsatz für Gewerbeflächen und dafür, Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen sowie das Streiten für Arbeitnehmerrechte. „Denn die Interessen der Unternehmen und ihrer Beschäftigten sind nicht immer deckungsgleich”, warnt Brase. Gerade in Zeiten der Krise müssten sich abhängig Beschäftigte ihrer Stellung bewusst werden.
18:03
Hallo,
unser Kollege Willi Brase beschreibt die Situation recht zutreffend. Ehrenamtliche Kolleginnen und Kollegen können die Arbeit der Gewerkschaftssektretäre wohl unterstützen, aber nicht vollständig übernehmen. Unsere Mitglieder wollen Vor-Ort ihre Probleme mit hauptamtlichen Gewerkschaftern besprechen.
Ziehen die Gewerkschaften sich aus der Fläche zurück, dann überlassen Sie die Freiräume obskuren Vereinigungen und Pseudo-Gewerkschaften und auf dem übernächsten Kongress beschließen dann die letzten Mitglieder die Selbstauflösung.