Deutsches Tierschutzbüro protestiert vor Siegener Lidl

Jennifer Schöpf und Lucas Christoffer machen auf das Tierleid in der Fleischindustrie aufmerksam.
Jennifer Schöpf und Lucas Christoffer machen auf das Tierleid in der Fleischindustrie aufmerksam.
Foto: Laura Baer
Was wir bereits wissen
Der Verein will auf Massentierhaltung und tierproduktfreie Alternativen aufmerksam machen. Mit einem Plakat-Wagen tourt er dafür durch Deutschland

Siegen..  Ein tierproduktfreies Abendessen in Deutschlands Haushalten pro Woche könnte 175 Millionen Tieren den Weg zur Schlachtbank ersparen – mit dieser Rechnung und unter dem Claim „Lidl verschont nicht“, macht das Deutsche Tierschutzbüro seit Anfang März auf das Thema Massentierhaltung aufmerksam. Einen Plakatwagen, einen Infostand und vegane Kekse im Gepäck, tourt der Verein durch 77 Großstädte in Deutschland und macht Halt vor 100 Lidl-Filialen; eine davon an der Hagener Straße in Siegen.

Die Aktion

Auf dem 2x4 Meter großen Plakat des Wagens prangt in großen Lettern der Claim, daneben eine Einkaufstüte, aus der blutige Kadaver von Schweinen, Gänsen und Hühnern herausquellen. „Viele Menschen finden die Bilder der Massentierhaltung zwar schlimm, wenn sie beispielsweise im Fernsehen sehen, allerdings kaufen sie im Discounter letztendlich trotzdem das Produkt, weil die Verbindung fehlt“, sagt Jennifer Schöpf, die gemeinsam mit einem Kollegen den Plakat-Wagen durch Deutschland fährt. Weil dieser direkt vor den Filialen steht, werde die Kaufentscheidung der Kunden und Passanten eher beeinflusst, so Schöpf. In einem Infoheft gibt es außerdem ein „tierleidfreies Rezept“: Spaghetti mit Soja-Bolognese – aus dem „my best veggie“-Sortiment von Lidl. Kunden, die am Aktionstag beim Einkauf zur pflanzlichen Fleischalternative greifen, bekommen vom Deutschen Tierschutzbüro den Nachtisch gratis dazu: vegane Kekse.

Das Ziel

Mit dem kostenlosen Nachtisch, den Informationen und den Bildern sollen Kunden und Passanten dazu animiert werden, Lebensmittel für ein Abendessen ohne Tierprodukte einzukaufen.

„Es geht nicht darum zu missionieren, sondern einen Anreiz zum Ausprobieren zu geben“, erklärt Schöpf, „denn es gibt immer noch das Vorurteil, dass vegane Küche nicht schmeckt“.

Aufklärungsarbeit leisten und Lidl auffordern, mehr vegane Produkte anzubieten – das seien ebenfalls Ziele der Aktion, so Lucas Christoffer, der hauptberuflich für den Verein arbeitet. „In der ,my best veggie’-Reihe gibt es bislang nur zwei vegane Produkte“, erklärt er.

Der Hintergrund

Die Preispolitik der Discounter führe zu mehr Massentierhaltung, erklärt Schöpf. „Jeder Discounter will der günstigste sein – um im Wettbewerb zu bleiben wird Massentierhaltung in Kauf genommen.“ Auch die Landwirte gerieten aufgrund der enormen Mengen billigen Fleisches unter Druck und müssten auf Kosten des Tierwohls produzieren. „98 Prozent des Discounterfleisches stammen aus der Massentierhaltung“, betont die Biologin und Veganerin. Doch das sei für den Verbraucher schwer nachzuvollziehen; die Konditionen kaum nachprüfbar.

„Man könnte sich eigentlich vor jeden Discounter stellen und die Vorwürfe gegen jede Kette erheben. Lidl ist eher eine symbolische Wahl, weil er im letzten Jahr der umsatzstärkste Discounter in Europa war und das vegane Sortiment weit hinter dem anderer Unternehmen herhinkt“, erklärt Schöpf.

Die Reaktionen

„Das ist definitiv etwas, das ich unterstützen würde“, sagt Valentin Lindstedt, der in Siegen plurale Ökonomik studiert. „Der Markt entwickelt sich mehr und mehr in die Richtung und die Produkte werden auch erschwinglicher.“ Er esse zwar Fleisch, kaufe es aber nie selbst.

Auch Elisa Osoria isst Fleisch „nur bei Freunden, wenn es angeboten wird“. „Ich könnte nicht auf Käse und Eier verzichten, aber ich wohne mit einer Veganerin zusammen und wir kochen ganz oft gemeinsam. Das glaubt man nicht, wie leicht es doch ist, vegan zu kochen“, sagt die Studentin.

Das Statement von Lidl: Generell begrüße man den Einsatz für das Tierwohl, allerdings könne man sich zu einzelnen Aktionen nicht äußern.

Mit Rezepten gegen Massentierhaltung

Das Deutsche Tierschutzbüro setzt sich für Tiere in Not ein und kämpft gegen das Tierleid in der industriellen Massentierhaltung und auf Pelzfarmen.

Es ist eine gemeinnützige, eingetragene Tierschutz-Organisation, die sich ausschließlich mit Spenden finanziert.

Auf www.tierschutzbuero.de gibt es weitere Informationen zum Verein und Rezepte, die ohne Tierprodukte zubereitet werden können.

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