Deutsche Oberärztin auf den Philippinen

Dr. Miriam  Münch hält ein Baby auf dem Arm, das sie kurz vorher auf der Station in den Bergen von Mindanao entbunden hat. Dort fehlt es oft an der nötigen Aufklärung und Ausstattung.
Dr. Miriam Münch hält ein Baby auf dem Arm, das sie kurz vorher auf der Station in den Bergen von Mindanao entbunden hat. Dort fehlt es oft an der nötigen Aufklärung und Ausstattung.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Miriam Münch ist Ärztin und hilft philippinischen Kindern auf die Welt. Mit uns sprach sie über ihren außergewöhnlichen Dienst.

Weidenau/Buda..  Hochschwanger hat die junge Frau auf dem Motorrad gesessen, das sie in die ärztliche Station in den Bergen von Mindanao auf den Philippinen brachte. Sie erwartet Zwillinge.

Die Babys können über die Nabelschnur nur noch eingeschränkt versorgt werden. Ein medizinischer Notfall. „Mit vielen, vielen Schutzengeln haben wir die Kinder auf die Welt geholt“, sagt Miriam Münch und beschreibt ihren ersten Einsatz für die Organisation German Doctors, für die sie ehrenamtlich eine Zeit lang auf der Station in Buda arbeitet. In Deutschland ist sie als Oberärztin in einer gynäkologischen Schwerpunktklinik bei Stuttgart angestellt.

Am Wochenende wird sie im Gemeindezentrum Heilig Kreuz in Weidenau von ihrem Einsatz auf den Philippinen erzählen. Darüber, wie sie im Jahr 2013 zum ersten Mal für die Ärzte nach Südostasien aufgebrochen ist, mit welchen Bedingungen sie dort konfrontiert wurde und wie viel Glück sie und ihre Kollegen manchmal hatten. Glück, das sei entscheidend bei der Arbeit auf den Philippinen.

Alte Geräte erschweren Einsatz

Überall fehlen Ressourcen, die Ausstattung ist sehr alt. Manche Liegen sind mit Klebeband geflickt, das Ultraschallgerät vorsintflutlich, beschreibt Miriam Münch die Schwierigkeiten, mit denen die deutschen Ärzte zu kämpfen haben. Alle Geräte sind gespendet, teils aus Deutschland mitgebracht.

Die Organisation lebt zu 100 Prozent von Spenden. Die Ärzte die mitmachen, zahlen ihre Reise selbst. Ziel der internationalen Organisation ist Hilfe für die Ärmsten der Armen zu leisten. Bei der stationären und ambulanten Patientenversorgung in den Bergen von Mindanao arbeiten zwei philippinische Ärzte, ein Gynäkologe, ein Kinder- und ein Allgemeinmediziner.

„Man kann nicht jeden retten.“

Zusammen möchten sie die Sterblichkeitsrate von Müttern und Kindern sinken. „Das gelingt gut, die Geburtenzahl steigt konsequent. Das liegt daran, dass immer mehr Frauen bei uns entbinden, anstatt zu Hause ohne ärztliche Versorgung“, erklärt Miriam Münch. Zweimal war sie schon auf den Philippinen im Einsatz. Sie erzählt von schönen, aber auch dramatischen Erlebnissen. „Oftmals kommt man in sehr belastende Situationen. Man muss sich vorher klar machen, dass man wegen fehlender Ausstattung nicht jeden retten kann“, sagt sie.

In Deutschland auf Durchhalten getrimmt

Die einheimischen Ärzte würden eine viel zurückhaltendere Medizin anwenden, als deutsche Kollegen. So wäre ein Kaiserschnitt auf der Station nicht denkbar, da es keine Anästhesie gibt. „Die philippinischen Ärzte sind nicht so risikofreudig, lassen den Vorgängen einen natürlichen Verlauf. Manchmal ist man überrascht, dass Krankheiten dadurch anders oder besser verlaufen, als es in Deutschland der Fall wäre, wo wir schon Medikamente eingesetzt hätten“, erzählt Miriam Münch.

Doch die Philippinos würden durch diese Arbeitsweise auch natürliche Grenzen der Medizin eher akzeptieren, als die Deutschen. „Das gelingt uns nur mit schwerem Herzen, während die Einheimischen dies eben als eine unüberwindbare Grenze ansehen.“

Ihr gehe die Arbeit oft sehr nah, doch der Austausch mit den Kollegen helfe ihr dabei, die Situation zu bewältigen. Miriam Münch betont, dass die Teamarbeit besonders sei: „Jeder hilft jedem, jeder packt an.“ Man lebe zusammen, tausche sich aus und könne zugeben, das einen etwas berührt. „In Deutschland geht jeder allein nach Hause und bei der Arbeit wird man auf Leistung und Durchhalten getrimmt. Da kann man oftmals nicht so leicht zugeben, das man traurig ist.“

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