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Der Wolf kommt zurück

10.02.2016 | 19:56 Uhr
Der Wolf kommt zurück
Dr. Frank G. Wörner ist entwaffnend pragmatisch: „Ich sage gar nicht, dass wir Wölfe brauchen. Wir brauchen sie nicht. Aber wir brauchen auch den Kölner Dom nicht.“Foto: Michael Kunz

Siegen.   Dr. Frank G. Wörner ist Experte für Wölfe. In der Siegerlandhalle gewährt ein Einblick in das Leben der Tiere – und stellt dabei sogar Bezüge zum Kölner Dom her.

Im Atriumsaal der Siegerlandhalle geht es am Dienstagabend zwei Stunden lang um den Wolf. Auf Einladung des heimischen Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gibt Dr. Frank G. Wörner, Mitglied der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe, einen ausführlichen Überblick über die Geschichte der Tiere, die nach dem 30-jährigen Krieg in Europa und Deutschland nahezu ausgerottet wurden. Inzwischen leben aber wieder rund 300 Tiere in der Republik, und „wirklich ausgerottet war der Wolf bei uns nie“, sagt Dr. Wörner.

Eigentlich habe er noch mehr Interessierte erwartet, sagt der Zoologe nach prüfendem Blick in den gut gefüllten Raum. „Karneval“, fügt der Mann schulterzuckend hinzu, der an Konrad Lorenz oder „Grizzly“ Adams erinnert, der seinem Publikum viele „nüchterne Zahlen und Fakten“ vermitteln will – und gleich zu Beginn warnt, „bei mir gibt es weder süße Welpen noch blutige Schafe“.

Mit Mythen aufräumen

Unterstützt von köstlich altmodischen Folien und einem Tageslichtprojektor spricht Dr. Wörner über die Tiere; über die Mischung aus Angst und Faszination, die den Menschen angesichts der vierbeinigen Raubtiere durch die Jahrhunderte begleitet habe. Er räumt mit Mythen auf und warnt zugleich vor zu viel Romantik. Wenn ein Wolf etwa mit scheinbar gierig-bösem Blick die Zähne fletsche, dann sehe das sicher gefährlich aus. „Es ist aber keine Drohung, es ist lediglich Kommunikation“, verweist der Redner auf das Fleisch, das im Hintergrund des Fotos zu sehen ist. Das Tier verteidige nur sein Fressen.

Dr. Wörner sieht den Wolf nicht als Konkurrenten der heimischen Jäger, denen er selbst angehört. Alles in allem fräßen die 36 in Deutschland beheimateten Rudel gerade einmal gut ein Prozent jenes Wildes, das jährlich durch Jagd und Unfälle zu Tode komme. Das sei ein vertretbarer Wert. Die Wölfe rissen Jungtiere, „die ohnehin eine große Sterblichkeit haben, alte und kranke Tiere“ – damit hielten sie die Population gesund. Ohnehin sei der Wildbestand in den deutschen Wäldern ungemein gestiegen.

Auch im Siegerland angekommen

„Wir sind doch gut ohne Wölfe ausgekommen, warum brauchen wir sie jetzt?“, will ein Zuhörer mit verärgerter Stimme wissen. „Ich sage gar nicht, dass wir Wölfe brauchen. Wir brauchen sie nicht“, antwortet Dr. Frank G. Wörner und schüttelt lächelnd den Kopf. „Aber wir brauchen auch den Kölner Dom nicht“, schiebt er nach. „Ein gewagter Vergleich“, wird in den Reihen gemurmelt. Es gehe auch gar nicht darum, „ob wir den Wolf wollen, oder nicht. Er kommt sowieso“.

Die Tiere ließen sich nieder, wo sie Nahrung fänden und ihre Jungen in Ruhe aufziehen könnten. Seines Erachtens sei der Wolf auch im Siegerland längst angekommen. Zumindest ein Tier ist in jüngerer Zeit mittels einer Fotofalle identifiziert worden.

Ein Anwesender bestätigt ebenfalls eine Begegnung. Ein Schäfer im Publikum verweist auf die großen Gefahren für seine Tiere. Da könne er nicht widersprechen, entgegnet der Referent. Leider könne der Wolf nicht zwischen Reh und Schaf unterscheiden und nutze gern die bequeme Art, an Futter zu kommen. Trotzdem seien auch hier die Zahlen aus der Lausitz, wo die meisten Wölfe in Deutschland leben, erträglich.

Die Schäfer müssten sich mit Zäunen und Schutzhunden helfen. Dafür gebe es auch Zuschüsse der öffentlichen Hand. Auch für gerissene Tiere werde Ersatz geleistet. Genau da ist Dr. Wörner auch misstrauisch. Erwiesen sei nämlich, dass nur 48 Prozent der angeblich von Wölfen gerissenen Haustiere tatsächlich auf diese Weise zu Tode gekommen seien.

Letztlich hielten sich Wölfe nach Möglichkeit von Menschen fern. Er sehe eine gute Möglichkeit für eine Koexistenz, unterstreicht der Redner. Trotzdem bleibt er immer auch Realist: „Wenn Sie heute nur eine Information mitnehmen, dann die: Wölfe sind keine Bestien. Aber sie haben Zähne.“

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Michael Kunz

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2016-02-10 19:56
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