Der Weg aus Siegen in die weite Welt

Wer ins Ausland will, sollte sich mit den nationalen Gepflogenheiten auskennen. Ansonsten kann es zu peinlichen Situationen wie dieser hier kommen.
Wer ins Ausland will, sollte sich mit den nationalen Gepflogenheiten auskennen. Ansonsten kann es zu peinlichen Situationen wie dieser hier kommen.
Foto: Hendrik Noack
Was wir bereits wissen
Ein Auslandssemester kann sehr bereichernd für den Lebenslauf und das weitere Leben sein. Welche Hürden bei der Planung auf euch zukommen und wie ihr damit umgeht, lest ihr hier.

Siegen.  Studieren im Ausland gehört mittlerweile für so gut wie jeden Studi dazu. Zumindest theoretisch. Man wird schon in der Ersti-Woche darauf gedrillt, dass man ein Semester im Ausland gar nicht vermeiden kann – oder es zugunsten des Lebenslaufs zumindest nicht sollte. Besonders für diejenigen, die die Bereicherung eines fremdsprachigen Studiengangs vorgezogen haben, ist es tatsächlich irgendwie Pflicht, die Strapazen auf sich zu nehmen, die allein die Planung des Studiums außerhalb von Deutschland mit sich bringt. Denn es macht sich zweifellos gut im Lebenslauf, einen Aufenthalt vorzuweisen. Für wen die ganze Auslandsgeschichte absolut nichts ist, der darf diesen Artikel ab jetzt ignorieren und stattdessen weiter unten den Bericht über die Ersti-Woche lesen. Alle anderen sehen hier, was auf sie zukommt und wer ihnen weiterhelfen kann.

Die Zeitplanung

Die Zeitplanung besteht aus einer goldenen Regel: Fang bloß nicht zu spät an! Jeder, der das Auslandssemester zu lange vor sich her schiebt, wird sich spätestens im fünften Semester beim Durchrechnen der Punkte und dem Durchforsten der Studienordnung dafür hassen, nicht früher diese Dinge bedacht zu haben. Denn auch wenn man genug Punkte für die BA-Arbeit beisammen und vielleicht sogar schon das Pflichtpraktikum absolviert hat – um ein Auslandssemester kommt ein Fremdsprachenstudi meistens nicht herum, auch wenn er dafür zwangsweise noch ein Semester dranhängen muss. Generell solltet ihr also die Fristen im Auge behalten: Bis Januar für das folgende Jahr müsst ihr euch gekümmert und sogar schon beworben haben. Aber worum eigentlich?

Die Finanzierung

Das Ausland ist teuer. Besonders die von vielen Anglistikstudis angestrebte Insel im Westen ist alles andere als ein Schnäppchen. Für die Anreise stehen euch Flug, Bus oder Zug sowie Fähre zur Verfügung. Ihr könnt natürlich auch eure eigenes Auto nehmen, wenn ihr das finanziell verkraftet. In dem erwählten Land muss dann noch eine Unterkunft für die Dauer eures Aufenthaltes her, auch das kann – je nachdem – sehr teuer werden. Am günstigsten sind meistens Gastfamilien oder Wohnungen in ungünstigen Lagen. Wenn ihr nicht dafür gespart, sondern lieber in ein explodierendes Smartphone investiert habt, müsst ihr jedoch nicht verzweifeln, denn es gibt Hilfe: Ihr könnt beim Studierendenwerk ein Auslands-BaFög beantragen oder euch um ein Auslandsstipendium bewerben – hört sich erstmal kompliziert und unerreichbar an, ist es aber wegen der geringen Anzahl an Bewerbern meist gar nicht.

Die Partneruni

Die Uni Siegen hat da schon eine kleine Vorauswahl für euch getroffen, natürlich könnt ihr euch trotzdem dagegen entscheiden und hoffen, dass eure Bewerbung bei Stanford oder Yale durchgeht, aber wenn ihr euch an die Empfehlungen haltet, wird es wesentlich unkomplizierter. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten auf (fast) allen Kontinenten. Wer allerdings gern zwischen Eisbären in der Arktis studieren will, muss sich mit der kleineren, weniger kalten Schwester Finnland zufrieden geben, denn eine Uni am Nordpol gibt es leider noch nicht – eigentlich eine Marktlücke...

Die Sprache

Leon steht in London an einem Imbiss, schaut sich die Auswahl an und sagt dann voller Überzeugung zum Verkäufer: „I become a bratwurst, please.“ Bevor euch solch ein Fauxpas im Ausland passiert, ist es ratsam, sich mindestens ein halbes Jahr vorher mit der Landessprache zu befassen (und vielleicht an der Uni den ein oder anderen Sprachkurs zu belegen). Außer, ihr gehört zu den Glücklichen, die zweisprachig aufgewachsen sind, dann sollte dieser Punkt kein Problem darstellen. „Englisch is’ doch easy!“ meint ihr? Wenn ihr mir auf Anhieb sagen könnt, wie man „Worcestersauce“ richtig ausspricht, stimme ich euch zu. Aber es soll schon Studis gegeben haben, die selbst am Schweizerdeutsch verzweifelt sind, also schnappt euch in der Bib ein Buch oder eignet euch auf diversen kostenlosen Websites (zum Beispiel mesmerize.com) schnell die Grundlagen an. Dann könnt ihr in Spanien zumindest einen Kaffee bestellen oder nach dem nächsten Krankenhaus fragen.

Die Anrechnung

Bevor ihr eure Siebensachen packt und euch mit leuchtenden Augen in das Abenteuer aufmacht, solltet ihr nicht vergessen, was ihr eigentlich bezwecken wollt: Nämlich eine Anrechnung für eurer Studium. Also kümmert euch rechtzeitig darum, einen begleitenden Dozenten aus eurer Fachrichtung anzusprechen und bei der Studienberatung Hilfe zu suchen. Dort erfahrt ihr, was ihr überhaupt im Ausland zu tun habt. Je nach Land sind die Unis sehr verschieden und ihr müsst euch, genau wie in Deutschland auch, einen Stundenplan machen. Wenn ihr all diese Punkte beachtet und euch an die Regel Nummer eins haltet, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Landesspezifische Dinge wie Impfungen oder Gepäckvorschriften findet ihr auf der Seite des Auswärtigen Amts. Also, keine Ausreden mehr und auf geht’s!