Der Mann für den Konsens

CDU-Vorsitzender Benedikt Büdenbende, Kandidat  Bruno Glomski
CDU-Vorsitzender Benedikt Büdenbende, Kandidat Bruno Glomski
Foto: WP

Netphen..  Die Hallorenkugeln. Bruno Glomski hat die leckere Spezialität aus Deutschlands ältester Schokoladenfabrik an seinem Arbeitsplatz kennengelernt. Der ist in Halle an der Saale, wo er Jugendrichter am Amtsgericht ist. Nicht mehr lange, wenn es nach ihm und der Netphener CDU geht: Der 61-jährige Familienvater, geboren in Oberhausen-Sterkrade, was er in Mundart und Tonfall auch durchklingen lässt, seit 1989 in Netphen zu Hause, soll am 13. September zum Bürgermeister gewählt werden.

Sein Weg in die Politik? Der CDU trat er 1982 bei, als Helmut Kohl Kanzler wurde. Erste kommunalpolitische Erfahrungen sammelt er in Windeck als sachkundiger Bürger. Netphen hat er in den letzten fünf Jahren besonders hautnah mitbekommen: Ehefrau Silvia, Leiterin der Realschule, war Stadtverordnete der Grünen. „Der Wähler soll eine Alternative haben“, erklärt er, warum er sich zur Kandidatur entschlossen hat.

Offen sagt Glomski auch, dass ihm die in der CDU zunächst erwogene Nominierung von Guido Müller, Chef der FDP-Kreistagsfraktion, quer gegangen ist. Und, dass seine Kandidatur „kein Qualitätsurteil“ über Amtsinhaber Paul Wagener sei. „Auch in schwierigen Situationen auf einen Konsens kommen“: So beschreibt er seinen Wunsch nach Harmonie, der sich wohl nicht nur im Gerichtssaal, sondern auch zu Hause befriedend auswirken dürfte. Eine der beiden erwachsenen Söhne ist nämlich in der SPD. „Stilwechsel“, übersetzt die CDU diese Haltung für den Bürgermeisterwahlkampf.

Ein Gespräch.......über Menschen am Rand

Das ist das erste Themenfeld, auf das Bruno Glomski, der engagierte Katholik, von sich aus zu sprechen kommt: Zuwendung zu „Gruppen, die am Rand stehen“. Willkommenskultur für die Flüchtlinge, die Netphen sowieso gut tun werden, damit die Stadt nicht weiter schrumpft und den Unternehmen die Fachkräfte nicht ausgehen. „Ich will die Leute ermuntern, auf die Zugereisten zuzugehen.“ Glomski wünscht sich, dass noch mehr Netphener sich ehrenamtlich den Benachteiligten zuwenden, die Einrichtungen der AWO und der Lebenshilfe in den Blick nehmen. Er möchte, sagt er, „die Leute sensibler machen“.
Das sagen die anderen: Hier widerspricht niemand – zumindest gemessen an dem, was SPD und UWG bisher zum Wahlkampfstart geäußert haben. Das gilt übrigens auch für die meisten anderen Themen wie Wirtschaftsförderung, Entwicklung der Dörfer und den Umgang mit demografischem Wandel. Die UWG setzt einen Akzent beim Ausbau der Straßen (K 11 zur Autobahn, L 719 nach Wittgenstein), die CDU bei der Sicherheit — Glomski verlangt mehr Präsenz der Polizei.

...über heiße Eisen

Den Sportpark zum Beispiel. „Ein Alleinstellungsmerkmal“, weiß Bruno Glomski, der sich zur aktuellen Auseinandersetzung zwischen Noch-Gesellschaftern und Stadt („ein schwebendes Verfahren“) nicht äußert. Der amtierende Bürgermeister versucht, Zeit zu gewinnen, um den Übergang der Einrichtung in städtische Regie ohne vorheriges Insolvenzverfahren zu ermöglichen. „Ich könnte im Augenblick auch nichts anderes machen.“ Und die Zukunftsperspektive, wenn eines Tages die Erneuerung von Stadiondach und Eisanlage ansteht? Die Stadt werde investieren, wenn der Rat das wünsche. „Aber wenn nicht genug Geld da ist, müssen wir uns von Aufgaben trennen, die wir nicht finanzieren können.“

Deutlich bekennt sich Glomski zur damals von der CDU kritisch beäugten Modernisierung des Freizeitbades: „Eine gelungene Sache.“ Geschäftsführer Bernd Wiezorek habe „gute Arbeit geleistet.“
Das sagen die anderen: Auf heiße Eisen hat — noch — niemand Lust. Zum Sportpark gibt es auch von der SPD nur eine Andeutung, über die Windkraftplanung freut sich allein die UWG. Die Rekommunalisierung des Stromnetzes, immerhin Begründung für den Rücktritt ihrer Fraktionsvorsitzenden Iris Cremer, erwähnt die CDU überhaupt nicht.

... über schöne Dinge

Bruno und Silvia Glomski tanzen Tango, neuerdings gern im Café Basico im Kreuztaler Lokschuppen, und singen im Gospelchor Reach Out. „Spitzenmäßig“, lobt er das Netphener Kulturforum und seinen Manager Lothar Groos. CDU-Stadtverbandsvorsitzender Benedikt Büdenbender ergänzt: Das Angebot sei „wirklich sehr gut“. Wichtig sei auch der Blick in die Dörfer und deren Aktivitäten: „Wir brauchen die Vereine vor Ort.“ Für den Tourismus wünscht sich Glomski einen weiteren Schub: „Da müssen wir aktiv werden. Hilchenbach macht uns einiges vor.“ Und dann doch noch ein Lob: für das Radwegenetz. „Ich fahre öfter nach Hohenroth hoch.“
Das sagen die anderen: In den Worten sind sich alle einig. Unterschiede werden bei den Taten offenkundig, zum Beispiel der Förderung des Kulturforums durch die Stadt.

... über das Rathaus

Wenn er da Chef wird, wünscht er sich einen starken Beigeordneten, sagt Bruno Glomski und grenzt sich damit zum Amtsinhaber ab. „Da sollte schon noch jemand in herausgehobener Stellung sein.“ Nein, sagt er auf Nachfrage, er müsse nicht allein auf der Bühne stehen: „Eitelkeit geht mir ab.“


Das sagen die anderen: Die SPD will keinen neuen Beigeordneten, bei der UWG zeichnet sich ein Umschwenken vom Ja zum Nein ab.

... über Jamaika

Im Rat arbeitet die CDU seit 2009 mit den Grünen und der FDP zusammen, die damals noch für Paul Wagener Bürgermeisterwahlkampf gemacht hatten. Für den jetzt beginnenden Wahlkampf wünscht Glomski sich die Unterstützung durch diese beiden Fraktionen: „Ich stelle mich dort vor, die Gespräche sind im Gang.“ Lust hätte Glomski auch auf den Wortwechsel mit dem Amtsinhaber. „Wir würden uns freuen, wenn es zu einem Duell kommt“, sagt Parteivorsitzender Benedikt Büdenbender.


Das sagen die anderen: „Eine unsägliche Koalition“, findet die SPD.

Zur Urlaubsvertretung nach Netphen

Bruno Glomski, geboren in Oberhausen-Sterkrade, lernte Netphen 1986 über eine Urlaubsvertretung kennen. Er blieb in der Kanzlei von Heinz Stötzel, zog nach Netphen und wurde Sozius des Steuer- und Rechtsberaters. 1991 wurde der Jurist, der in Bonn und Marburg studiert hat, Richter in Halle.

Bruno Glomski ist in Halle Vorsitzender der Bistums-Schlichtungsstelle für arbeitsrechtliche Konflikte in kirchlichen Einrichtungen. Er engagiert sich in der Notfallseelsorge, in seiner Netphener Gemeinde auch als Lektor und Kommunionhelfer.

Bruno und Silvia Glomski haben zwei 26 und 31 Jahre alte Söhne.