Der Kunsttag im Kunstsommer

Siegen..  Sekt um Elf im Haus Seel, Stimmengewirr, Küsschen. Es ist „Kunst – Zeit“ in Siegen. Gleichzeitig beginnt auch der 17. Kunst-Sommer des Kunstvereins. Bürgermeister Steffen Mues betont den Stellenwert von Kunst und Kultur in der Stadt und freut sich über die deutlich vergrößerte Ausstellungsfläche im Haus Seel. Und Steffen Mues ist sich sicher: „Die Zeit, die Sie sich heute für die Kunst nehmen, ist gut investiert.“

Dann hört man über Lautsprecher Nachrichten aus vielen Bereichen der Welt, meist keine guten: Von Gorleben über den Arabischen Frühling bis hin zu Stuttgart 21. Parallel dazu ertönen Namen deutscher Künstler in einer Endlosschleife, Bertolt Brecht, Emil Nolde, O.W.Fischer… Zunächst scheu und sich zeitlupenhaft bewegend tritt die Performance-Künstlerin Renate Hahn aus Bad Laasphe auf. Sie tanzt, trägt Gesichter auf Stangen herein und malt. Es entsteht, so ganz nebenbei, ein Kunstwerk, begleitet vom alten Kinderlied „Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg…“ Ihr einziger gesprochener Satz klingt eher resignierend: „Aber uns geht’s doch gut.“

Elf Stationen quer durch die Stadt

Doch das ist nicht alles. Elf Stationen quer durch die Stadt sind es, die – neben den blinkenden Oldtimern auf dem Marktplatz – die Besucher zum Bummeln und Staunen reizen. Etwa am Obergraben, wo aus einer ehemaligen Bedürfnisanstalt ein Veranstaltungsraum wird. Dass auch Schweigen Kunst sein kann, zeigt der Kunstverein in seinen Räumen in der Kölner Straße 40. Von 12 bis 18 Uhr wird nicht gesprochen; außer dem Wort „Stop“. Und weil Schweigen so anstrengend ist, wechselt die Mannschaft nach jeder Stunde.

Im Zentrum des Kunstsommers stehen Ausstellungen, Offene Ateliers und Aktionen, die dem Kunstpublikum bis Ende September präsentiert werden. Da soll mal jemand sagen, Siegen sei langweilig.