Der Hauberg ist Zugpferd für moderne Forstwirtschaft

Forstamt in Hilchenbach
Forstamt in Hilchenbach
Foto: WP

Hilchenbach..  „Alle wollen was vom Wald“, weiß Forstamtsleiter Diethard Altrogge. Ihn sich selbst überlassen, um Arten zu schützen, Windräder hineinsetzen, ihn beim Wandern erleben. Und Geld damit verdienen. Was davon wie im vorigen Jahr gelungen ist, haben Altrogge und sein Führungsteam im Regionalforstamt für Deutschlands waldreichsten Kreis am Donnerstag berichtet.

G wie Gewinn: Eine Million Euro hat der Staatswald durch den Holzverkauf erwirtschaftet. „Holz erfährt eine unglaubliche Renaissance“, sagt Diethard Altrogge. „Das wichtigste Holz ist die Fichte“, sagt Manfred Gertz, der den landeseigenen Forstbetrieb vertritt und auch die Ernte jener 70 Prozent Privatwaldbesitzer verkauft, die dem Forstamt die Vermarktung anvertrauen. Reif werden gerade die Nachkriegsaufforstungen. „Das lässt die Kassen der Waldgenossen klingeln.“ 15 Millionen Euro Umsatz wurden beim Holzverkauf gemacht. 280 000 Festmeter, so viel wie noch nie, wurden auf den Markt gebracht. Das meiste Holz findet seine Abnehmer im Umkreis von 50 Kilometern. Nur die Buchenstämme reisen weiter, zu den Möbelfabriken nach Ostwestfalen zum Beispiel.

H wie Hauberg: „Ein richtiges Zugpferd für moderne Forstwirtschaft“, sagt Diethard Altrogge. Die Waldgenossenschaften als Exportschlager für andere Landesteile — aber durchaus auch noch mit Reserven in Siegen-Wittgenstein, sagt Helmut Ahlborn, der bereits rund 200 Zusammenschlüsse von Waldbesitzern betreut: Es gibt immer noch kleine und kleinste „reale Privatwälder“, gelegentlich erst durch Aufforstung von Wiesen neu entstanden, manchmal nur drei Meter lang und 1,50 Meter breit. „Dorthin gelangt man nur über den Weg des Nachbarn.“ Wenn überhaupt — nicht zuletzt das ist ein Schreckensszenario für Rettungsdienste, wenn sie denn dort einmal gebraucht werden.

J wie Jugend: Das Jugendwaldheim auf dem Giller ist für die nächsten drei Jahre ausgebucht – ausschließlich für Schulklassen aus den (waldarmen) Ballungsräumen. Umweltbildung vermittelt auch der Waldland-Verein auf Hohenroth. Mit offenen Ganztagsschulen in Kreuztal, Netphen und Hilchenbach bestehen Kooperationsvereinbarungen.

K wie Kyrill: „Kyrill 2 wird kommen“, sagt Forstamtsleiter Diethard Altrogge beiläufig, als er den erfolgreichen Wiederaufbau nach dem ersten Super-Sturm vor acht Jahren erwähnt. 50 Prozent der ehemaligen Nadelwälder wurden umgewandelt, mittlerweile hat Siegen-Wittgenstein den höchsten Misch- und Laubwaldanteil in NRW. Das Klima ändert sich: Die Südhänge, an denen in 30 Jahren keine Fichten mehr wachsen, haben die Förster jetzt schon in Blick. In den Höhenlagen sterben derweil die Buchen: „Das geht sehr rasant.“

M wie Motocross: Das ist im Wald verboten, weil es Wildtieren und besonders geschützten Arten wie Schwarzstörchen oder Wildkatzen Stress macht. „Es ist unheimlich schwer, die Leute zu kriegen“, sagt Klaus Münker, der das Forstamt als Behörde mit Hoheitsbefugnissen vertritt. Zusammen mit der Polizei wollen die Förster die Cross-Fahrer zur Strecke bringen — wie auch die Raser mit Mountain-Bikes abseits der befestigten Wege.

N wie Nachhaltigkeit: Holz bindet Kohlendioxid, solange es lebt. Und es ersetzt Öl und Gas als Brennstoff, wenn es geerntet ist. Das Biomasse-Heizkraftwerk in Erndtebrück ist bedeutsamer Kunde, das Pelletwerk holt auf. „Da ist noch Potenzial“, sagt Manfred Gertz. „Es wächst immer noch mehr nach“, beruhigt Diethard Altrogge.

W wie Wild und Wildnis: Unerwünscht: Die Wildbestände besonders in Wittgenstein, Netpherland und südlichem Siegerland sind den Förstern zu hoch. „Da kommen wir nicht weiter“, klagt Forstamtsleiter Altrogge. Die Hilchenbacher haben für ganz NRW zwei Pilotprojekte entwickelt, wie Schälschäden erhoben und Verbisse begutachtet werden. Erwünscht: Waldgebiete, die sich selbst überlassen werden. 500 Hektar, über das ganze Kreisgebiet verteilt, sind Wildnis. Angeboten werden sollen, zum Beispiel über das Jugendwaldheim, Führungen in solche Gebiete.

Forst in Zahlen

1,2 Millionen Euro hat das Land 2014 an Fördermitteln für kleineren Privatwald und für Waldgenossenschaften ausgezahlt, davon allein 656 000 Euro für die Kalkung von 3,1 Hektar Wald.


11,6 Hektar kleiner ist die rund 80 000 Hektar große Waldfläche in Siegen-Wittgenstein geworden. Der überwiegende Teil des „Verlusts“ geht auf das Konto der Landwirtschaft, die für ihre Milchviehbetriebe mehr Grünland braucht.


17 000 Waldbesitzer gibt es in Siegen-Wittgenstein, wobei sich der Großteil als Anteilseigner in den Waldgenossenschaften findet.


45 000 Hektar groß ist die Waldfläche im Siegerland, davon sind 30 000 in genossenschaftlichem Besitz. Von den 35 000 Hektar Wald in Wittgenstein gehören 26 500 zum Groß-Privatwald, der vor allem von den Rentkammern in Bad Berleburg und Bad Laasphe verwaltet wird.

63 Prozent des Waldes im Forstamtsbezirk sind Nadel-, 37 Prozent Laubholz.

4000 Hektar Staatswald (von 6000) haben einen Schutzstatus als Naturschutz-, FFH- oder Wildnisgebiet.