Denkmalschutz für Henrichs Haus abgelehnt

Krombach..  Der Kulturausschuss der Stadt Kreuztal hat in seiner Sitzung am Dienstagabend im Café Basico die Eintragung des Hauses Pastor-Stein-Straße 18 in Krombach – das Haus ist unter Henrichs Haus bekannt – in die Denkmalliste der Stadt abgelehnt.

Das Abstimmungsergebnis war an Deutlichkeit kaum zu überbieten. Zehn Ausschussmitglieder aller Fraktionen votierten gegen die Unterschutzstellung. Nur der Ausschussvorsitzender Jochen Schreiber (SPD) stimmte für die Aufnahme des Hauses in die Denkmalliste. Die Konsequenz aus diesem Votum: Der Vorgang geht in die Landeshauptstadt. Nun könnte es zu einem Ministerentscheid kommen.

Eigentümer Krombacher Brauerei

Allerdings soll vor einer abschließenden Entscheidung im Rat der Stadt erneut ein Konsensgespräch zwischen Eigentümer und Denkmalbehörde stattfinden. Denn Eigentümer ist die Krombacher Brauerei, und die ist gegen die Unterschutzstellung. Dagegen fand das Landesamt für Denkmalpflege einige Gründe, das von seinen früheren Besitzern noch bewohnte Gebäude aus dem Jahre 1898 eintragen zu lassen – unter anderem als Beleg dafür, dass Lehrer in früheren Zeiten neben der Schule zu wohnen pflegten.

Die Gründe für die Ablehnung durch den Kulturausschuss waren durchaus verschieden. So verwies Elfrun Bernshausen (SPD) darauf, dass ihr „nicht klar“ sei, was an dem durch zahlreiche bauliche Veränderungen umgestalteten Haus erhaltenswert sei. Martin Schmidt (Grüne) erinnerte daran, dass der Erbauer, der frühere Krombacher Lehrer Jakob Henrich, in der Zeitschrift „Das Volk“ Texte mit antisemitischem Inhalt veröffentlicht habe und damit als „namhafter Pädagoge“ Einfluss auf die Weltanschauung einiger seiner Schüler genommen habe. Zudem stießen Schmidt Details wie ein Plastikgeländer und diverse Anbauten negativ auf.

Henrichs Haus ein Grenzfall

Der CDU waren, wie ihr Sprecher Volker Hopfner darlegte, die Ablehnungsgründe der Eigentümerin wichtig. Überdies rechtfertigten weder Architektur noch der Zustand des Hauses die Unterschutzstellung. Denn Kunststofffenster habe es schwerlich im vorletzten Jahrhundert gegeben. Zudem stellte Hopfner fest, dass erst nach dem Verkauf des Hauses an die Brauerei, die es einer „wirtschaftlichen Verwertung“ zuführen wolle, an den Denkmalschutz gedacht worden sei. Daher sei auch damit zu rechnen, dass das Unternehmen gegen eine Unterschutzstellung klagen werde.

Der Ausschussvorsitzende Jochen Schreiber wusste aus langjähriger Beschäftigung mit dem Denkmalschutz, dass Eintragungen in die Denkmalliste nicht immer im Einverständnis mit den Eigentümern geschehen und wies auf ein bekanntes Beispiel in Kredenbach hin. Denkmalschutzbeauftragte Ingrid Benner nannte Henrichs Haus einen Grenzfall. Es sei ein Ort, von dem „viel ausgegangen“ sei.

Rechtlich sei es so, wie die für den Denkmalschutz in der Stadtverwaltung zuständige Sachbearbeiterin Verena Gräbener ausführte, dass bei fehlender Zustimmung durch die Stadt ein Ministerentscheid herbeigeführt werden könnte. Darauf will es die Stadt nun ankommen lassen, zumal – wie Vorsitzender Schreiber feststellte – „viel Unbehagen“ über Henrichs Haus in den Reihen der Politiker vorhanden sei.