Den Punker ins Museum kriegen

Vom Grafitti-Sprühen in die Kunstschule: Wie das geht, besprachen Kulturschaffende und Jugendarbeiter in der Siegener Bluebox.
Vom Grafitti-Sprühen in die Kunstschule: Wie das geht, besprachen Kulturschaffende und Jugendarbeiter in der Siegener Bluebox.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Hip Hop, Graffiti, Breakdance oder – ganz anders – Spielen in einer Punkrockband, Jugendliche schaffen sich ihre eigene Kultur. Wie aber ist es möglich, ihr Interesse an anderen Formen von Kultur zu wecken?

Siegen..  Wie schafft man es, dass sie freiwillig ins Theater oder Museum gehen?Wie können sie an klassische Musik herangeführt werden?Mit diesen Fragen beschäftigten sich gestern Kulturschaffende und Jugendarbeiter verschiedenster Einrichtungen bei „Tür auf für Kultur!“ in der Bluebox.

An kulturellen Angeboten für Jugendliche mangelt es eigentlich nicht. Die Bluebox bietet zum Beispiel Räume für Konzerte und Bands an. Außerdem gibt es Tanz- und Theaterprojekte, in denen sie kreativ sein können. „Wir fragen unsere Jugendlichen, was sie gerne machen wollen, und gucken, wie wir es dann umsetzen können“, sagt Kimpel. Die Angebote seien sehr beliebt. „Wir wollen aber versuchen, den Punker ins Museum zu bekommen.“

Wichtig: Er muss sich von selbst dafür interessieren. „Da ist die Zusammenarbeit mit den Kulturschaffenden wichtig“, so Kimpel. „Die wollen wir mit denen zusammenbringen, die in der Jugendarbeit tätig sind.“ Gemeinsam gelte es, sich zu überlegen, was Jugendliche für Wünsche, Ideen und Interessen haben und wie es möglich ist, diese aufzugreifen.

„Sie müssen Spaß daran haben, sich mit Kultureinrichtungen jeder Art zu beschäftigen“, erklärt der Sozialpädagoge. „Viele wollen kreativ sein, aber ihnen fehlen die Möglichkeiten dazu.“

Umsetzung

„Einige Jugendliche mögen zum Beispiel Mangas“, sagt Kimpel. „Ich kann die nicht zeichnen, aber die Jugendkunstschule Siegen-Wittgenstein hat Lehrer.“ Das sei eine Chance, die jungen Leute an die Kunstschule zu bringen.

Konkrete Ansätze gebe es heute aber noch nicht. „Das ist erstmal nur der Anstoß zur Zusammenarbeit.“ Eine mögliche Finanzierung von Projekten sei demnach auch noch nicht geklärt. Da gebe es später viele Möglichkeiten. „Die Projekte, die hier entstehen, sollen sich auch nicht nur auf die Bluebox beschränken“, betont Frank Kimpel.

Paradebeispiel

Wie so eine Zusammenarbeit funktionieren kann, zeigt das Projekt „Classic meets Hip Hop meets Rock“, eine Kooperation von Bluebox und der Fritz-Busch-Musikschule. Hier spielen Rockmusiker zusammen mit Rappern und Streichern. Das Ziel: Stücke aus allen drei Stilen neu zu interpretieren und jeden davon mit einfließen zu lassen. Die Musiker spielen also beispielsweise ein klassisches Stück mit harten Gitarrenklängen und Raptexten dazu.

Später präsentieren sie ihre Ideen vor Publikum. So setzen sich die, die sich sonst nicht dafür interessieren, plötzlich mit klassischer Musik auseinander. Umgekehrt wecke „Classic meets Hip Hop meets Rock“ aber auch das Interesse der Musikschüler an den sonstigen Aktivitäten der Bluebox. „Die sind plötzlich auch mal so vorbeigekommen“, freut sich Kimpel.

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