Dem Landrat ist Siegen zu unsicher

18. März: Bombenangriff auf Buschhütten, Ferndorf und Kreuztal. 58 Menschen sterben. Von Deuz aus werden 300 Zwangsarbeiter über die Siegquelle Richtung Osten geschickt, dem Beschuss der Tiefflieger ausgeliefert. Abends kehren sie entkräftet zurück.
27. März: Hauptabschnittsleiter Neuser ordnet vom Siegener Kaisergartenbunker aus an, das Siegerland „von allen lebenden Wesen“ zu evakuieren.
29. März: Amerikanische Truppen treffen im südlichen und östlichen Siegerland ein, deutsche Truppen ziehen durch Deuz in Richtung Lützel, vom Netpherland aus beginnt der mehr als einwöchige US-Artilleriebeschuss auf Hilchenbach.
31. März: Landrat Justus Weihe teilt dem Regierungspräsidenten den eigenen Rückzug mit: „Nachdem der Feind bis in die nächste Nähe von Siegen vorgedrungen ist, habe ich die Verwaltung des Landratsamtes nach Hilchenbach verlegt und die Befehlsstelle in Siegen aufgelöst, da sonst die Gefahr bestanden hätte, daß die Verbindung zwischen ihr und dem unbesetzten Teil des Landkreises abgerissen wäre.“
5. April: Wilhelm Münker, der Mitbegründer des SGV und spätere Hilchenbacher Ehrenbürger, wandert nach Burgholdinghausen, wohin sich NSDAP-Kreisleiter Neuser verzogen hat. Ob „der Krieg für das Siegerland noch Zweck hat“, fragt er den Nazi-Funktionär und notiert sich dessen Antwort: „Wir werden den Krieg gewinnen.“
7. April: Der Hilchenbacher Amtsbürgermeister Franz Pränger soll Musterungsbefehle zustellen. Er kommt nur bis Allenbach, die Straße wird beschossen. „Meine letzte Amtshandlung im Dritten Reich“, schreibt er auf Papier dem „Divisionsgefechtsstand“. Und gibt es zu den Akten. „Zu den vorgesehenen Musterungen ist es nicht mehr gekommen.“
8. April: Deutsche Soldaten führen einen alten Mann durch die Hilchenbacher Bruchstraße: Wilhelm Münker, weil er die weiße Fahne am Rathaus hissen ließ. Er soll erschossen werden. Dazu kommt es nicht. Bevor sie abziehen, zünden die Deutschen die Lederwerke an.
9. April: Der Tag, an dem der Krieg im Siegerland zu Ende ist. Britisches Militär übernimmt das Kommando von den Amerikanern.