Das war’s auf dem Kreuzberg

Die Schulband ist aus der Musik AG von Musiklehrer Christof Mann hervorgegangen. Alle 14 Tage trifft sich die Gruppe, die heute in der Mensa auftritt.
Die Schulband ist aus der Musik AG von Musiklehrer Christof Mann hervorgegangen. Alle 14 Tage trifft sich die Gruppe, die heute in der Mensa auftritt.
Foto: WP

Netphen..  „Das war’s.“ Der Titel für das kleine Fest, zu dem die Realschule am heutigen Vormittag von 10 bis 14 Uhr feiert, irritiert. Trifft aber zu. Die „Realschule Am Kreuzberg“ gibt es schon nach den Sommerferien nicht mehr. Die letzten sechs Klassen ziehen für zwei Jahre beim Gymnasium ein; das für sie freigeräumte Gebäude auf der Haardt wurde einst für die Hauptschule gebaut.

Eine Galerie der Schulaktivitäten auf dem Flur, Präsentationen, ein kleines Schulmuseum. „Wir wollen zeigen, was wir geleistet haben“, sagt Lehrerin Andrea Frevel, die selbst seit über vier Jahrzehnten zu dem mittlerweile auf 16 Lehrkräfte geschrumpften Kollegium gehört. 220 Schüler hat die Schule noch, unter ihnen 90 Zehntklässler, die nicht mehr mit umziehen. Noch im Schuljahr 2001/02 wurden hier über 700 Kinder und Jugendliche unterrichtet, in einzelnen Jahrgängen wurden fünf Parallelklassen gebildet. „Schülermangel hatte diese Schule nie“, sagt Silvia Glomski, die sechste und letzte Leiterin der Schule. Wäre die Hauptschule nicht in die Knie gezwungen worden, hätte die Stadt das alte Schulsystem noch eine Weile halten können. Hätte...

Nadelarbeit und Poesiealbum

Schachteln mit Wolle und Garn stehen am Eingang des improvisierten kleinen Museums: Handarbeitsunterricht ist längst abgeschafft, „Nadelarbeit“ hieß das Fach auch einmal. Entsprechend vom Stundenplan verschwunden ist das „Werken“ für die Jungen. Solche praxisorientierten Fächer waren es, die früher die Realschule ausmachten und vom Gymnasium unterschieden. „Lebensnahe Erziehung“ eben, wie es zu Beginn er 1950er Jahre hießt. 1952 hatte die Amtsrealschule ihren Betrieb im Deuzer Jugendheim aufgenommen. 70 von 85 Bewerbern bestanden die Aufnahmeprüfung. 18 Mark betrug das Schulgeld. 1954 kam die Schule am Kreuzberg an, vier Mal wurde sie erweitert.

Technik, Informatik, Sozialwissenschaften und Französisch kommen neu auf den Lehrplan. „Alles, was die gute Hausfrau wissen muss“, wie Silvia Glomski das Programm der 1950er Jahre umschreibt, ist längst nicht mehr genug. Auch die Poesiealben sind nur noch museumsreif: „Hab Sonne im Herzen, ob’s stürmt oder schneit...“ — das schrieben Mädchen ihren Freundinnen 1981 noch mit Hilfe von Linienblättern auf die Seiten. Heute nicht mehr. Es wird zusammengepackt. Jahrgangsweise Klassenbücher, Schülerakten, die noch über Jahrzehnte aufbewahrt werden müssen, künftig im Archiv des Gymnasiums. Mitgenommen wird auch dieses Schild: „Schule der Zukunft. Bildung für Nachhaltigkeit.“ Verliehen 2015. „Das ist schon witzig“, findet Silvia Glomski.

Heute können sie noch einmal in Erinnerungen schwelgen auf dem Kreuzberg — bewirtet von engagierten Eltern und der 10 b, die Fruchtcocktails mixt. Eine Reihe ihrer Kollegen verlieren die schulische Heimat, weiß Silvia Glomski, einige sind sogar selbst hier zur Schule gegangen. In die Wehmut mischt sich allerdings auch Erwartung: Am Gymnasium werden nicht nur die Kollegien eng zusammenrücken, sondern auch die Schüler. Die „Leben.Lernen“-AGen werden beide Schulen gemeinsam gestalten, mancher Kreuzberger wird hier sein Abi machen. „Das wäre dann auch für uns ein schöner Erfolg.“ Das war’s.