Das Potential dieser Menschen wird oft gehemmt
03.03.2009 | 17:51 Uhr 2009-03-03T17:51:00+0100Siegen. Der Umgang mit geistig behinderten Menschen, psychisch erkrankten Personen und Suchtkranken ist oft nicht zeitgemäß. Das ist ein Ergebnis der Fachtagung an der Universität Siegen mit dem Titel „Wie betreut man Wohnen — Perspektiven der Unterstützung von Menschen mit Behinderungen im Alltag".
Am Dienstag waren 500 Experten aus Wissenschaft und kommunaler Verwaltung an der Uni Siegen zusammen gekommen. Sie waren auf Einladung des Zentrums für Planung und Evaluation Sozialer Dienste (ZPE) nach Siegen gekommen, um die Zukunft des Ausbaus ambulanter Wohnformen als Alternative zu stationären Aufenthalten zu diskutieren.
Ambulantes betreutes Wohnen gilt Erfolgsmodell der Integrationshilfe für Menschen mit Behinderungen. Betreutes Wohnen kann mehr Selbstbestimmung ermöglichen und Sozialhilfeträger von höheren Ausgaben für stationäre Hilfen entlasten. Solche Wohnformen gibt es in Deutschland nach Meinung der Experten aber viel zu selten. Die stationäre Unterbringung in zentralen Einrichtungen „hemmt die Entwicklungspotentiale dieser Menschen ganz entscheidend”, sagt Prof. Albrecht Rohrmann vom Siegener ZPE. Es sei „unsinnig” daran festzuhalten.
Die Annahme, dass Menschen mit einem hohen Hilfebedarf besser stationär aufgehoben seien und allein Menschen mit einem geringen Unterstützungsbedarf ambulant, z.B. in betreuten Wohngemeinschaften leben könnten, sei überholt. Die Arbeit für Menschen mit Behinderung solle sich vielmehr vor Ort darauf konzentrieren Bedingungen für die Teilhabe am sozialen Leben herzustellen. Dazu gehört nach Meinung der Experten auch eine Beteiligung der behinderten Personen an Konzeption und Planung ambulanter Wohnformen.
Vielfach, kritisieren Teilnehmer an der Veranstaltung, scheitere die Umstellung auf ambulante Wohnformen daran, dass große stationäre Einrichtungen einfach vorhanden seien und mit viel Aufwand betrieben würden. Sich davon zu lösen falle den großen Organisationen schwer.
Ein Beispiel liefert ein Tagungsteilnehmer aus der Arbeit mit Suchterkrankten: Im stationären Bereich sei oft jede Handbewegung geregelt. Der Patient wisse dann zwar während des Aufenthalts, was er zu tun habe. Mit der Wirklichkeit draußen habe das freilich nichts zu tun. Oft sei eine lange Leine, also eine ambulante Betreuung, oft nachhaltig erfolgreicher als Therapie.
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