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Kabarett

Das Leben als einzige Midlife-Crisis

12.02.2012 | 14:30 Uhr
Das Leben als einzige Midlife-Crisis
Kabarettist Thomas Reis am Freitag im Heimhoftheater in Burbach.

Burbach.„Gibt es ein Leben über 40?“ Der Freiburger Kabarettist Thomas Reis kennt sich in Sachen Vergänglichkeit bestens aus. Im Heimhoftheater ließ er am Samstagabend allerdings keine Ermüdungs- und Verschleißerscheinungen erkennen, sondern zeigte sich seinen mehrheitlich ebenfalls jenseits der 40 befindlichen Zuhörern als geistreicher und schlagfertiger Altenpfleger.

Subversiv das Vorurteil widerlegt

„Wie geht das Leben?“ Thomas Reis gab Auskunft über den Witz des Lebens, dessen Pointe die Vergänglichkeit ist. „Besser ihr schlagt die Zeit tot, als umgekehrt“, verkündete der Freiburger, bei dem keine Minute seiner zweistündigen Nabelschau wider die ertastbare Würde des Menschen vergeudet war. Bevor er sich über das Leben als einzige Midlife-Crisis hermachte, lehrte der Kabarettist abgehalfterten und noch im Amt befindlichen Politikern Mores, sparte aber auch nicht mit Lob.

Angela Merkel würdigte er für ihre „Anmut am Arbeitsplatz“ und ihre, „für eine Frau erfrischende“ Wortkargheit, während Christian Wulff eine „restlos überforderte Pappnase“ sei. Da sei ein Berlusconi von einem ganz anderen Kaliber, befand Reis. „Der war 17 Jahre im Amt und als er antrat, waren vieler seiner Nutten noch gar nicht geboren.“ Und auch für das „hässliche, ironiefreie Deutschland“, brach er eine Lanze: „Ich halte das Vorurteil für überholt, auch politisch. Ein konservativ regiertes Deutschland, das von einer moppeligen Ost-Frau, einem schwulen Streber mit Hautirritationen und einem sprechenden Schnarchsack mit First Tatussi repräsentiert wird, kann so hässlich nicht sein.“

Alles nur eine Frage des richtigen Timings

Wild gestikulierend, mit hochgezogenen Augenbrauen und kräftiger, in sämtlichen deutschen Dialekten bewanderter Stimme beschäftigte sich der Wortakrobat sodann mit Lebensstilfragen im Alter und dem Überleben überhaupt. „Mit dem Alter ist nicht zu spaßen“, verkündete Reis, „japsen die Synapsen mit fortschreitenden Jahren doch immer heftiger. Wer sich mit 70 immer noch fragt, was will ich später eigentlich mal machen, wer sich mit 80 von seiner Freundin trennt, weil er das Bedürfnis hat, sich erst mal richtig auszuleben, bevor er sich bindet, der hat doch irgendwie auch Recht.“

Wer zu alt geworden sei, um jung zu sterben, der habe immerhin die Gelegenheit alles zu verzehren, was er hat – bis zum Ende. Aber auch hier ist alles eine Frage des richtigen Timings, „damit man nicht zu früh mit nichts dasteht.“ Thomas Reis ließ bei seinen Betrachtungen über die Macken der Zeit, inklusive Menschen, die sich solange fortbilden, bis sie weg sind, sowie Lebensstilfragen wie Sex im Alter nichts aus, um ein kabarettistisches Feuerwerk zu entzünden.

Helmut Blecher

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