Das Lachen bleibt oft im Hals stecken

Siegen..  Mit dem „Besuch der alten Dame“ hat der Literatur- und Theaterkurs des 12. Jahrgangs der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule ein ebenso anspruchsvolles wie zeitloses Thema gewählt. „Geld regiert die Welt“ – auch wenn man dafür über Leichen gehen muss.

Die Tragikkomödie, 1955 von Friedrich Dürrenmatt geschrieben, ist heute noch aktuell. Es geht um die Verführbarkeit der Menschen durch Geld, aber auch den Versuch, der drückenden Armut zu entfliehen, um Gerechtigkeit und Zivilcourage.

Armut, Gier, Mangel an Zivilcourage

Claire Zachanassian (gespielt von Kaya Hano und Anne Schröder), ehemals Klara Wäscher, kehrt nach vielen Jahren als extravagante, reiche Dame in ihre verarmte und verwahrloste Heimatstadt Güllen zurück. Sie sucht ihren ehemaligen Geliebten Alfred Ill (Mohamed Houta), um sich an ihm und der ganzen Stadt zu rächen. Klara und Alfred waren ein jugendliches Liebespaar, doch als sie von Alfred ein Kind erwartet, leugnet dieser die Vaterschaft und heiratet eine reiche, aber ungeliebte Frau (Lisa Thomas). Klara muss die Stadt, in der kein Mensch zu ihr hält, allein und verarmt verlassen. Enttäuscht entwickelt sie eine eher zynische Haltung, ohne wirklich glücklich zu sein.

Dank mehrerer Ehen wird sie Milliardärin. 45 Jahre später kommt sie gemeinsam mit ihrem Gefolge, ihrem aktuellen Ehemann und einem leeren Sarg in dem mittlerweile verkommenen Güllen an.

Mit der eng am Text angelegten Aufführung gelang den engagiert spielenden 27 Schülern des Literaturkurses unter Leitung von Lars Dettmer, Najib El Chartouni und den Lehrkräften Frank Neumann und Heike Siebel, eine aktuelle Inszenierung, die von den Zuschauern mit langem Applaus bedacht wurde. Trotz oder gerade wegen der komödiantischen Elemente konnten die Akteure vermitteln, wo Probleme in der Gesellschaft liegen: drückende Armut, fehlende Zivilcourage.

Moralische Werte auf tönernen Füßen

Da wird der Zynismus entlarvt, sich mit Geld alles kaufen zu können, sogar das Leben eines Menschen. Da werden die Güllner gezeigt, die zum zweiten Mal zum Verrat bereit sind und ihre moralischen Vorstellungen der Gier nach Geld unterordnen. Da ist eine Boulevardpresse, die nur Sensationen sucht – aber nicht die Wahrheit.

Mit dem gewählten Thema und der Art ihres Spiels haben die Schüler ein unterhaltsames Programm geliefert, bei dem das Lachen durchaus im Halse stecken bleiben konnte.