„Das Hakenkreuz ist Deutschlands Untergang“

Siegen..  Die regionale Geschichte der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG) beleuchtete Traute Fries in der Lesung „Nie wieder Krieg – das Hakenkreuz ist Deutschlands Untergang“. Eingeladen hatte der DGB-Kreisverband Siegen-Wittgenstein, um an den Beginn des Ersten Weltkriegs zu erinnern.

Fries las aus ihrem Buch „Die Deutsche Friedensgesellschaft im Bezirk Sieg-Lahn-Dill in der Weimarer Republik“. Ihr Vater Wilhelm Fries, der drei Brüder im Ersten Weltkrieg verloren hatte, war Pazifist und Aktivist der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG) in Siegen. Die Autorin skizzierte die Gründung und Entwicklung der DFG in Deutschland und der Region. Gewerkschaften seien immer maßgeblich an der Friedensbewegung beteiligt gewesen, betonte Fries.

Zeitweise reger Zulauf

Die Ortsgruppe Siegen wurde 1894, zwei Jahre nach Gründung der Deutschen Friedensgesellschaft, vom Fabrikanten Karl Ley ins Leben gerufen, der 1908 die Aufführung des Stücks „Die Waffen nieder!“ nach dem Roman der DFG-Gründerin Bertha von Suttner im Kaisergarten-Theater finanzierte. Der Pazifist erhielt im Ersten Weltkrieg keine öffentlichen Aufträge mehr – das bedeutete den Niedergang seiner Fabrik für Handfuhrgeräte. 1922 erfuhr die Ortsgruppe Siegen nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs eine Wiederbelebung. Viele Soldaten schworen dem Militarismus ab, etwa Heinrich Otto aus Siegen, Gewerkschafter und später erster Arbeitsdirektor der Geisweider Eisenwerke. Gemeinsam mit Wilhelm Fries und Verleger Josef Balogh von der DDP gründete er die Ortsgruppen Siegen und Weidenau neu.

1924 war ein sehr bedeutendes Jahr für die DFG, auch im Siegerland. Darauf konzentrierte sich Traute Fries in ihrer Lesung: „1924 hatte die Deutsche Friedensgesellschaft ein beachtliches Ausmaß im Siegerland, Westerwald und Dillkreis.“ Damals gab es 14 Ortsgruppen zwischen Sieg, Heller und Lahn. In diesem Jahr hielten die Friedensaktivisten viele Kundgebungen gegen nationalistische Veranstaltungen ab, etwa gegen den „Deutschen Tag“ in Siegen. In der „Bürgergesellschaft“ in Siegen sprach Heinrich Vierbücher aus Berlin, ebenfalls Gewerkschafter, unter dem Titel „Das Hakenkreuz ist Deutschlands Untergang“. Im August fanden „Nie wieder Krieg“-Kundgebungen in Eiserfeld, Kreuztal, Olpe und Siegen zum Gedenken an den zehn Jahre zurückliegenden Beginn des Ersten Weltkriegs regen Zulauf.

Zerschlagung im Jahr 1933

Aller Bemühungen der Nationalisten zum Trotz fand die Friedensbewegung im Siegerland vorübergehend großen Zulauf. Vor der Reichstagswahl im Herbst 1924 traten im Bezirk Sieg-Lahn-Dill die bekanntesten Redner der DFG auf. Gegen Ende der 20er Jahre wurde die Bewegung schwächer. Ihre Anhänger hatten in der Weimarer Republik einen schweren Stand – die „Deutsch-Völkischen“ gaben den Ton an. 1933 wurde die DFG zerschlagen.