Das Ende einer Freundschaft

Siegen..  Früher waren sie Freunde. 20 Jahre lang. Der Angeklagte Michael M. und der Zeuge Günter G. Aber das war einmal, am Freitag sahen sich beide vor Gericht wieder. Geblieben ist eine eisige Stimmung, die vor Wut zitternde Stimme des Zeugen und das spöttische Lachen des Angeklagten. In der Verhandlung, die Richter Stark am Freitag führt, geht es jedoch nicht, um die Probleme in der gemeinsamen Vermietungsgesellschaft, die schließlich zum Bruch in der Freundschaft geführt haben. Nein, der Verhandlungsgrund ist eine Fahrerflucht. An der der Zeuge Günter G. nicht beteiligt war und die der Angeklagte M. nicht begangen haben will.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, am 31. August 2012 gegen 21.15 Uhr auf der Tiefenbacher Straße in Netphen in einer unübersichtlichen Rechtskurve und mit überhöhter Geschwindigkeit überholt zu haben. Der Autofahrer, der entgegen kam, musste eine Vollbremsung hinlegen. Dadurch kamen ein BMW und ein Toyota von der Straße ab. Schaden an diesen beiden Autos: 35 000 Euro. Michael M. soll am Steuer des schwarzen Mercedes-Geländewagens gesessen haben und nach dem Unfall einfach weitergefahren sein. Zeugen merkten sich das Kennzeichen.

Zu dem Vorwurf der Fahrerflucht will sich der Angeklagte nicht äußern. Stattdessen stellt sein Verteidiger drei Beweisanträge. Unter anderem sollen die Polizistinnen aussagen, die Michael M. an jenem Freitagabend zu Hause antrafen. Sie sollen vor Gericht aussagen, dass der Fahrersitz des Geländewagens nicht auf die gespeicherte Position für Michael M. eingestellt war. Zudem sollen seine Angestellten aussagen, dass der Geländewagen ein Poolfahrzeug war und von allen gefahren wurde.

Richter Uwe Stark wird schriftlich über die Anträge entscheiden. Erst danach geht die Verhandlung weiter.

Doch was hat nun der Zeuge G. mit der Sache zu tun? Ein anonymes Schreiben an die Polizei hatte ihn ins Spiel gebracht. G. könne etwas über den Unfallfahrer aussagen. Er wurde vorgeladen. Michael M. habe ihm ein paar Wochen nach dem Unfall von der Unfallflucht erzählt. Er sei nur seiner Bürgerpflicht nachgekommen, sagt er vor Gericht. Mit dem Streit, in dem sich die beiden seit Herbst 2013 befinden, habe die Aussage nichts zu tun. Der Angeklagte lacht spöttisch. „Dass mir gedroht wird, lasse ich mir nicht gefallen“, sagt der Zeuge wütend und erzählt, dass er über einen Dritten Drohungen erhalten habe.

Das Ende einer Freundschaft.