Das Böse im Inneren in Schwarz, Weiß und Rot

Netphen..  Das muss man den Verantwortlichen des Kunstforums Netphen lassen: Sie haben ein Gespür, junge Künstler zu finden, die Ungewöhnliches schaffen. Nach den großformatigen Papiercollagen von Stephanie Neuhaus, Nathalie Vanmeerens Fotos und Drucken nun Marius Kleins Arbeiten mit dem zunächst etwas rätselhaften Titel „Das Böse im Inneren muss raus“.

Ausstellung im Netphener Rathaus

Es sind vorwiegend Fotos, im Lithographie-Verfahren überarbeitet, die Marius Klein im kleinen Sitzungssaal des Rathauses ausstellt: Kriegsbilder des 1. und 2. Weltkriegs zeigen verletzte oder tote, aufgehängte oder geschändete Menschen, Opfer von Giftgasangriffen oder Bomben. Ein Soldat tritt auf eine Frau, Schienen führen ins Nichts, verheißen aber nichts Gutes. Vieles bleibt nebulös und wirkt gerade dadurch bedrohlich.

Der 28-jährige Marius Klein wohnt in Hilchenbach, hat Kunst und Lehramt studiert und steht kurz vor dem Ende seines Referendariats an der Gesamtschule Eiserfeld. Kriegsschrecken, ob vor 100 Jahren geschehen oder aktuell, beschäftigen ihn intensiv, in seinen Gedanken und in seiner Kunst. Vieles ist inspiriert von Otto Dix und Käthe Kollwitz, deren Kriegsmotive auch heute noch nichts von ihren zerstörerischen Grausamkeiten verloren haben, oder von Goyas Werken, die auch nach 200 Jahren den Betrachter mit ihrem Realismus erschrecken. Marius Klein geht in einigen seiner Bilder noch einen Schritt weiter: Er inszeniert sich selbst. So vor dem Dahlbrucher Bahnhof mit Maske und Helm, als müsste er gerade an die Front, ebenso wie vor einer Bunkeranlage in Belgien. Nur drei Arbeiten der Ausstellung haben neben Schwarz und Weiß noch eine dritte Farbe: rot, die Farbe des Blutes. Einige Installationen, maskenhafte, aufgehängt an der Wand, und aus massiven Eisenrohren auf dem Parkettboden des Raums assoziieren Waffen und die massive Bedrohung, die von ihnen ausgeht. Titel unter den Werken sucht man vergebens. Marius Klein: „ Alle Bilder sind aussagekräftig genug, sprechen für sich und brauchen daher keinen Titel.“