Damit Kinder keine Opfer werden

Siegen-Wittgenstein..  Zu einem Elternabend mit dem Thema „Kinder stärken, damit sie weder Täter noch Opfer werden“ haben vor kurzem die DRK-Kindergärten Ober- und Niederdielfen die Eltern aus ihren Kindergärten und den Grundschulen vor Ort eingeladen. Insgesamt kamen 51 Teilnehmer zum Vortrag von Peter Ginsberg, der vor seiner Rente als Kriminalkommissar gearbeitet hat und so auf jahrzehntelange Erfahrung im Kommissariat Prävention/Opferschutz bei der Kreispolizeibehörde Siegen zurückblicken kann.

Gefahren früh erkennen

Peter Ginsberg bot den Eltern Erziehungshilfen, wie sie selbst auf ihre Kinder achten und sie unterstützen können. Ziel und Zweck der Infoveranstaltungen ist laut Peter Ginsberg, dass Kinder sich nicht leichtsinnig Gefahren aussetzen, diese früh erkennen und sich wehren können, ohne Schaden davon zu tragen. Im Detail thematisierte Peter Ginsberg in seinem Vortrag folgende Themenschwerpunkte: sexueller Missbrauch, Kindesmisshandlung, Gewalt und Mobbing, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Cliquendruck und Ausweichverhalten, Leistungsdruck sowie Persönlichkeitsentwicklung. Ginsberg hob hervor, dass nicht die Quantität, sondern die Qualität der Zeit die mit dem Kind verbracht wird wichtig ist. Kinder sollten sich verstanden und ernst genommen fühlen, die Eltern als guten, fähigen Ratgeber fürs Leben schätzen sollten und das Gefühl haben: Meine Eltern sind immer für mich da.

Mit Anforderungen zurecht kommen

„Wenn dem verwöhnten Kind alle Wünsche gleich erfüllt werden, ohne dass es eigene Aktivitäten und Phantasie entwickeln kann, ohne dass es Mühe und Anstrengung aufbringen muss und ohne dass es Triebaufschub und Triebverzicht übt, dann nimmt man ihm die Möglichkeit zu wachsen, man nimmt ihm die Möglichkeit, eine starke Persönlichkeit zu werden, die mit dem Leben und seinen Anforderungen selbstständig zurechtkommt. Ganz wichtig ist das eigene Vorbild, wir können noch so reflektiert und wohlüberlegt reden, wenn es im Gegensatz zu dem Vorgelebten ist, wird es keine Wirkung zeigen“, ergänzte Peter Ginsberg.

Den Teilnehmern wurde unter anderem vermittelt, dass ein Kind unbedingt lernen sollte, „Nein“ zu sagen, und dieses Nein muss auch akzeptiert werden. Persönliche Grenzen müssen auch beim Kind geachtet werden, zum Beispiel beim Besuch der Tante, wenn sie immer solche nassen Küsse geben will – muss das Kind sagen dürfen: „Das möchte ich nicht“ und dies muss akzeptiert werden. Hat das Kind eingeübt wahrzunehmen was es nicht möchte und dies auch äußern darf. Durfte es erfahren, dass dies auch akzeptiert wird, dann ist dies eine gute Voraussetzung mit schwierigen Situationen umzugehen – zum Beispiel wenn das Kind von Fremden angesprochen wird oder Missbrauch ins Spiel kommt.

Hellhörig werden

„Statistiken besagen, dass Kinder zwölf Mal etwas sagen müssen, bevor sie gehört werden. Genau hinhören und genau hinschauen ist ganz wichtig, gerade bei Missbrauch. Wenn Sätze kommen, wie: „Onkel Horst hat aber komische Hände“ dann sollte man nachhaken, hellhörig werden. Gerade sensible Kinder bringen solche Botschaften sehr versteckt und nehmen oft keine zwölf Anläufe bis sie gehört werden, sondern verstummen schon viel früher. Wenn sich fröhliche Kinder plötzlich verändern, traurig, in sich gekehrt verhalten, dann sollte man genau hinschauen und nachhören, was los ist. „

Bei Vereinen wie Zartbitter in Köln könne man sich über Prävention gegen Übergriffe und Missbrauch genau erkundigen, betonte Peter Ginsberg.