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Gebrüder-Busch-Theater

Dahlbruch als Opernstadt

20.03.2012 | 10:00 Uhr
Dahlbruch als Opernstadt
Großes Ensemble gegen Ende des ersten Aktes

Hilchenbach-Dahlbruch. Eine Oper im Gebrüder-Busch-Theater – schon das ist als Ereignis zu vermelden. Nun gar noch ein Werk, das nach fast 250-jährigem Schlaf wieder zum Leben erweckt worden war – und ausgerechnet durch Einheimische und Nachbarn: die Musikakademie Siegerland/Südwestfalen (bekannt unter dem Kürzel MAKSi) in Kooperation mit dem Gebrüder-Busch-Kreis. Spiritus rector dieser zweiten Uraufführung war Maurizio Quaremba.

Der Komponist Niccolo Piccinni (1728-1800) galt zu seiner Zeit etwas; kurz nach Fertigstellung der hier gezeigten Oper (1774) wurde er nach Paris berufen. „Gli amanti mascherati“ (Die maskierten Liebhaber) ist allerdings eine eher harmlose Oper, die in der Musikwelt keine besonderen Spuren hinterließ – und trotzdem wieder entdeckt wurde.

Musikalische Ausdrucksstärke

Den Inhalt könnte man kurz als Verwechslungskomödie mit mehreren Beteiligten kennzeichnen, vielleicht auch als Partnersuche, die durch Verkennung der Umstände zu misslingen scheint. Man könnte das Motiv auch Unsicherheit gegenüber dem eigenen Gefühl nennen. Aber dann wäre man schon zu sehr in der Nähe Mozarts, ohne dessen musikalisches Genie ein solches Thema für unser Verständnis verfehlt würde.

Immerhin: einige Stellen in den Ensembles lagen nicht ganz weit davon weg. Die Arien allerdings hatten zu Mozart-Arien doch einen etwas größeren Abstand. (Die zeitliche Nähe der beiden Komponisten fordert diesen Vergleich heraus.) Piccinnis Musik wirkt sehr gefällig, ist für die verschiedenen Figuren vielleicht nicht gerade maßgeschneidert, doch als gute Konfektionsware passend. In der Ouvertüre gab es einige Passagen, die aufmerksamen Hörern etwas rätselhaft erschienen.

Im übrigen darf man sich wundern über die Sicherheit und die musikalische Ausdrucksstärke, mit der das Sängerensemble agierte, das von der Regisseurin Ronka Nickel mit kluger Zurückhaltung auf der kleinen Bühne geschickt geführt wurde. Publikumslieblinge wurden in dieser Aufführung zweifellos Rosa Bove als neapolitanische Tigerin und Marco Severin als reisender Arzt – beide Vollblutsänger.

Auch ihre Kolleginnen und Kollegen (unter ihnen die Mit-Entdeckerin der verschollenen Partitur, Valentina Bilancione) kamen bei Fachleuten und beim Publikum gut an – keine Fehlbesetzung dabei. Das MAKSi-Orchester wurde seiner Aufgabe mit bemerkenswerter Sicherheit und erstaunlicher Frische gerecht. Sicher in erster Linie das Verdienst von Maurizio Quaremba, der dieses Projekt mit starkem Engagement initiiert und bis zum glücklichen Erfolg getragen hat.

Kommentator war Fehlbesetzung

Nur eine Fehlbesetzung gab es: Es war eine gute Idee, die verzwickte Handlung durch einen Kommentator begleiten zu lassen. Was Hans Schwab mit Tuntenalbernheit daraus machte, erleichterte aber nicht den Zugang zur Oper, sondern bediente bestimmte Spaßbedürfnisse. Das war schade. Gleichwohl feierte das Publikum das gesamte Ensemble.

Knut Lohmann

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Dahlbruch als Opernstadt
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2012-03-20 10:00
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