Christian Berner - Der Verteidiger des Siegerlandes

Christian Berner hat sein persönliches Märchenland gefunden: „Manchmal reibt man sich die Augen und fragt sich: Wohne ich wirklich hier?“
Christian Berner hat sein persönliches Märchenland gefunden: „Manchmal reibt man sich die Augen und fragt sich: Wohne ich wirklich hier?“
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Christian Berner kennt die heimische Mentalität gut und erklärt, was sie mit Kokosnüssen zu tun hat

Freudenberg.. Christian Berner hat das Programm für den perfekten ersten Tag im Siegerland in petto. Zuerst geht es mit den Gästen auf den Fotoblick in Freudenberg, dann wird eine Tour durch die Freudenberger Altstadt gemacht. „Dann wären die Leute erstmal geflasht“, sagt der Freudenberger und lacht.

Nächste Station ist die Siegener Oberstadt, bevor er dann seine Gäste ins Auto packt und auf den Rothaarsteig fährt, zum Forsthaus Hohenroth, um Hirsche zu beobachten und über den Kyrill-Pfad zu laufen. „Und schlussendlich gibt es ein gutes Siegerländer Krüstchen und ein leckeres Bier“, strahlt er.

Während er sein Programm beschreibt, sitzt er in der Küche seines Hauses, das mitten in einem „Märchenland“ steht, wie er selbst sagt. Damit meint er Freudenberg, genauer gesagt den Alten Flecken. Dort wohnt er, gemeinsam mit seiner Freundin Bianca, die er auf einem Urlaub in Mallorca kennengelernt und hierher entführt hat. „Touristen fragen, wohnen hier wirklich Leute? Ich sage dann: Ja und gar nicht mal so schlecht.“ Seine Freunde bezeichnen ihn als Siegerlandpatrioten. Er selbst findet, das Wort sei negativ besetzt. Trotzdem sei er sehr glücklich, in Freudenberg wohnen zu dürfen.

Siegerland bietet Möglichkeiten

Er gerät oft in Situationen, in denen er sich für seine Heimat rechtfertigen muss. „Man will ja, dass die Leute es auch schön hier finden, damit die gerne hier wohnen, auch wenn es nur für das Studium ist“, sagt er ernst. Er findet, dass das Siegerland die Möglichkeiten bietet, gerne dort zu wohnen. Mit Begeisterung zählt er Vorteile des Siegerlands auf, nicht nur schöne Ecken und Orte, sondern auch Dinge, die die Lebensqualität der Siegerländer steigern, die das Leben im Alltag komfortabler und bequemer machen, Infrastrukturen, die hier gut laufen.

Christian Berner weiß viel über seine Heimat, hat hier studiert und sogar ein Praktikum bei der Gesellschaft für Stadtmarketing gemacht. Doch während des Studiums schon begegneten ihm Kommilitonen, die einige Vorurteile gegen das Siegerland hegten. „Hier ist nichts los, die Leute sind stur, die Leute sind unfreundlich oder konservativ. Das mag ja manchmal so sein, aber ich finde, Vorurteile sind dazu da um entkräftet zu werden“, sagt er.

Der Siegerländer ist wie eine Kokosnuss

Und das tut er schon gleich im nächsten Satz, zeichnet ein genaues Bild der Siegerländer, beschreibt ihre Mentalität. Man merkt, dass er die Siegerländer ins Herz geschlossen hat, dass er sie schätzt, versteht und gern hat. „Der Rheinländer zum Beispiel ist wie eine Pflaume, der Siegerländer wie eine Kokosnuss. Der Rheinländer ist sofort per Du, da wird viel geredet, aber der Kern ist fest. Beim Siegerländer muss man sich mit der Bohrmaschine durch die harte Schale durchkämpfen und dann hat man das Herz des Siegerländers erreicht“, zitiert er einen Freund und fügt hinzu, dass einiges an dieser Metapher dran wäre. Treu ist eines der Adjektive, mit denen er die Siegerländer beschreibt. Aber auch bescheiden.

Hintergrund Im Siegerland laufe so viel Gutes, egal ob in der Wirtschaft oder im Kulturbereich, aber darüber geredet werde kaum. „Prahlerei liegt mir fern, aber um die Region und die Menschen hier für Auswärtige attraktiver zu machen, muss man mal darüber reden, was für tolle Sachen hier passieren“, sagt er. Er engagiert sich für das 4Fachwerkmuseum, unterstreicht immer wieder besonders die kulturellen Möglichkeiten, die es in Freudenberg, Siegen und in der Umgebung gebe.

Öfter über den Tellerrand schauen

Würde man Christian Berner eine „Wünsch-Dir-was“-Liste vorlegen, dann würden ihm aber trotzdem einige Dinge einfallen: „Die Siegerländer müssen noch mehr zusammenwachsen, sich manchmal trauen über den Tellerrand zu schauen.“ Auch das bezieht er auf die Kultur. Wegziehen will er nicht mehr, auch wenn er andere Orte ebenso schön findet. In Freudenberg, da passt es einfach für ihn, dort arbeitet er daran, das Siegerland im rechten Licht erscheinen zu lassen. Ein Verteidiger des Siegerlands eben.

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