Café International nicht ohne Begleitung

Hilchenbach..  Das Café International soll Zukunft haben — welche, das hat der Sozialausschuss noch offen gelassen. Erst nach der Sommerpause will er über den Vorschlag der Verwaltung entscheiden, das künftig von den Nutzerinnen selbst zu tragende Projekt weiterhin mit sechs Wochenstunden Verwaltungsleistung zu unterstützen. „Diese Begleitung ist erforderlich“, sagte Stadtrat Udo Hoffmann. Die Politik will abwarten, ob den Ehrenamtlichen die Gründung eines Vereins gelingt, der – so glaubt Karl-Heinz Jungbluth (FDP) – leichteren Zugang zu Fördermitteln hat als die Stadtverwaltung: „Das ist die einzige Chance.“

Das Projekt

Christine Eisenberg hat die Projektleitung 2012 übernommen. Ende September geht der dreijährige Förderzeitraum zu Ende. In ihrem Bericht über das Café International erzählt sie drei Geschichten – eine wohl typische Auswahl aus Biografien der rund 70 zugereisten und einheimischen Teilnehmerinnen der beiden monatlichen Treffpunkte in den Jugendzentren Hilchenbach und Dahlbruch:
Da ist, erstens, die vor 25 Jahren nach Hilchenbach gekommene Aussiedlerin, die sich zunächst zur ehrenamtlichen Elternbegleiterin für Migrantenfamilien qualifiziert, die Kinder mit Behinderungen haben, und jetzt eine neue Berufsausbildung beginnt — das Café als Sprungbrett.
Da ist, zweitens, die Zuwanderin, die isoliert in ihrer Familie gelebt hat, die jetzt aufbricht und vieles nachholt: Sprachkurse, Ausbildung, das Knüpfen eines persönlichen Netzwerks — das Café als Ratgeber.
Und da ist, drittens, die Mutter von zwei Kindern, die sich nach vielen Jahren Fernbeziehung von Südeuropa aus aufmacht, um mit dem in Hilchenbach arbeitenden Ehemann zusammenzuleben. Sie sucht und findet Kontakt, lernt Deutsch, schließt sich der Schattenspielgruppe an, kommt mit selbst gemachten Marmeladen am Weihnachtsmarktstand des Projekts mit Einheimischen in Kontakt — das Café als Türöffner.

„Ich kenne nicht viele, die so etwas auf die Beine stellen“, sagt Marcus Braukmann (SPD). Tomas Irle (CDU) erinnert sich an das große Ausstellungsprojekt, in dem die Frauen ihre Fotografien mit den eigenen Lebensgeschichten kommentieren — „die Ausstellung ist immer noch unterwegs.“ „Hut ab vor den Frauen“, sagt Renate Becker (UWG), „das ist enorm, was die geleistet haben.“

Die Perspektive

Wie es weitergeht? Christine Eisenberg, die als Schulsozialarbeiterin im städtischen Dienst bleibt, hat Vorschläge gemacht:
Die Politik bekennt sich zur politischen Teilhabe von Migranten und formuliert den Stellenwert von Integration.
Die Verwaltung legt ein Integrationskonzept vor, besorgt Fördergelder und unterstützt das Café International. Zurückgreifen könnte sie auf Kreis-Mittel zur Förderung des Ehrenamts in der Flüchtlingshilfe, aus dem Landesprogramm „NRW hält zusammen“, auf die Unterstützung des Kommunalen Integrationszentrums beim Kreis Siegen-Wittgenstein. Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das das Café International in den ersten drei Jahren finanziert hat, hat die Stadt die Förderung des „Like-Mobil“ beantragt, das sich auf die Integration von Jugendlichen konzentrieren wird.
Die Aktiven aus dem Café International gründen einen Verein, der die Begegnung von Einheimischen und Zugewanderten fördert.

Die Politik

Die Politik fremdelt. Susanne Kues-Gertz (Grüne) zweifelt, ob die Übergabe des Projekts an einen Verein „wirklich eine Alternative ist“. Christine Eisenberg räumt ein, dass auf dem Land schon die Mobilitäts-Erfordernisse Grenzen setzen: „Es läuft nicht einfach von sich aus.“ Sozialausschussvorsitzende Katrin Fey (SPD) möchte das Bekenntnis zur „Integration als Schwerpunktthema der Kommunalpolitik“ eigentlich nicht unterschreiben: „Alles, was wir hier machen, hat eine Wichtigkeit.“ „Die Festlegung irritiert mich“, sagt Tomas Irle (CDU).

Stadtrat Udo Hoffmann wundert sich: Dass Integration zentrale Aufgabe sei, „ist doch selbstverständlich“. „Wir sollten den Ehrenamtlichen ein Signal mit auf den Weg geben“, fordert Lukas Debus (SPD). Es gehe darum, „den ausdrücklichen politischen Willen zu formulieren“, sagt Frank Luschei (Grüne). „Ruhig Farbe bekennen“, rät Renate Becker (UWG). Marcus Braukmann (SPD) kommt auf die Idee, neben die Integration den Begriff der „Inklusion“ zu stellen. Was der im Zusammenhang mit der Politik für Migranten bedeutet, bespricht der Ausschuss nicht mehr — die Einigkeit ist dahin: von den 13 Ausschussmitgliedern sagen am Ende drei Nein zu einem Integrations- und Inklusionsprogramm.