Burnout in Stahlbetrieben nimmt zu
21.10.2011 | 19:08 Uhr 2011-10-21T19:08:00+0200
Siegen.Die Kollegen wunderten sich über den plötzlich zunehmenden Arbeitseifer von Jürgen B. (Name geändert). Er machte immer mehr, zog alles an sich, stieß an seine Grenzen – und überschritt sie. Der Meister wurde vorübergehend krank, kam dann wieder zur Arbeit. Zu früh, wie sich zeigen sollte: Er erlitt einen Nervenzusammenbruch.
Seit einem halben Jahr kommt er gar nicht mehr. Der anfängliche Übereifer ist symptomatisch für das Burnout-Syndrom. Diese Krankheit, die oft mit Arbeitsbedingungen zusammenhängt, war ein Kernthema beim 10. Betriebsräte-Tag der IG Metall.
Arbeitszeiten werden immer unregelmäßiger
„Das ist uns seit Jahren permanent wichtig, nicht erst, seit Promis damit in den Medien sind“, sagte der IG-Metall-Bevollmächtigte Hartwig Durt zu den rund 300 Betriebsräten und Betriebsratsvertretern, die in die Siegerlandhalle gekommen waren.
Die Gewerkschaft trifft mit dem Thema einen Nerv der Belegschaften. Das zeigte sich zum einen an der großen Resonanz an dem Forum „Arbeit im Büro – bis zum Umfallen?“ zum Thema Burnout. Die Siegerländer und Wittgensteiner Metaller bestätigten Gewerkschaftssekretär Andree Jorgalla tendenziell, dass der Stress nach der Krise zugenommen habe, der Gesundheitsschutz zugleich zu kurz komme und es bei psychischen Belastungen keine oder wenig Hilfen im Betrieb gebe – gerade im Bürobereich mit seinem Trend zum Großraumarbeitsplatz und der permanenten Erreichbarkeit auf allen Kanälen.
„Immer mehr Menschen, die sagen, ‚Ich kann nicht mehr‘, kommen zu mir in die Beratung“, schilderte Jorgalla seine Erfahrung. „Manche können keinen Fuß mehr in ihre alte Firma setzen.“ Der Metaller appellierte, das sensible Thema nicht weiter zu tabuisieren, und zum Beispiel in ihrer Firma das „Stress-Bürometer“ einzuführen, ein Instrument nach DIN-Norm, das psychische Fehlbelastungen am Arbeitsplatz erkennbar macht.
Eng mit dem Kernthema Burnout zusammen hing das Forum zu Arbeitszeitfragen. Arbeitszeiten würden länger und unregelmäßiger, gesundheitlich und sozial schädliche
Auswirkungen würden dabei oft vergessen, sagte Brigitte Kurzer vom Bildungszentrum der IG Metall. Sie ermunterte die Betriebsräte, den sogenannten Arbeitszeit-TÜV anzuwenden, mit dessen Hilfe Beschäftigte messen könnten, wie gesundheitsverträglich ihre Arbeitszeiten seien. Wer weiß, wie vielen Arbeitnehmern wie Jürgen B. es mit Gradmessern wie „Arbeitszeit-TÜV“ und „Stress-Bürometer“ besser ergehen würde.
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Auf jeden Fall fehlt vielen arbeitenden Menschen der Entspannungs-Ausgleich. Viele wissen gar nicht mehr, wie Entspannung funktioniert (höchstens per Alkohol). Eine Lösung sind z.B. Phantasiereisen für Erwachsene, die teilweise verschiedene effektive Methoden zusammen vereinen.