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Burbach soll Treffpunkt für Neonazis sein

09.11.2010 | 18:26 Uhr
Burbach soll Treffpunkt für Neonazis sein

Burbach.Neonazis aus drei Bundesländern haben Samstag in der ehemaligen Siegerland-Kaserne des Themas „9. November – Schicksalstag des Deutschen Volkes“ gedacht und damit im Nachhinein einen Sturm der Empörung ausgelöst.

Nicht zuletzt deshalb, weil die Neonazis gegenüber der Polizei angegeben haben, die Räume auch zukünftig für Veranstaltungen nutzen zu wollen, bestätigte der Staatsschutz auf Nachfrage. Schließlich liege das Areal verkehrsgünstig im Drei-Länder-Eck. Und die Freien Kameraden arbeiten seit Jahren an der Vernetzung der Neonazis über die Ländergrenzen hinweg. Dass der Staatsschutz im Vorfeld erneut keine Kenntnis von den Aktivitäten hatte, besorgt Landrat Paul Breuer. Er erneuerte daher seine Forderung, dass der Staatsschutz in Siegen angesiedelt werden müsse. Die Abteilung sitzt in Hagen.

NPD und „Freie Kräfte“
als Veranstalter

In Burbach gedachten die Neonazis unter anderem des (damals noch erfolglosen) Hitler-Putsches am 9. November 1923 und der „Reichskristallnacht“ vom 9. auf den 10. November 1938. Als Höhepunkt des Abends „würdigt“ die Kameradschaft Hamm die Auszeichnung eines 85-jährigen Mitstreiters, „der zunächst in Jungvolk und Hitler-Jugend volkstreu erzogen wurde, später im Russlandfeldzug für sein Vaterland treue Dienste leistete, bis heute an vorderster Front des politischen Kampfes steht und sogar noch auf Demonstrationen des Nationalen Widerstandes mitmarschiert“. Dafür habe der Kamerad viel Applaus bekommen – nicht zuletzt, weil er dem Nachwuchs für die Zukunft viel Erfolg im politischen Kampf gewünscht habe.

Veranstalter waren der NPD-Kreisvorsitzende Stephan Flug und Alexander Stangier, der wegen seines Neonazi-Devotionalien-Handels jüngst Schlagzeilen machte und vom VfB Wilden ausgeschlossen wurde. Weitere Redner waren das Siegener Ratsmitglied Sascha Maurer und der als „Hitler von Köln“ bekannt gewordene Axel Reitz. Er beschwor geschlossenes Eintreten für „unsere nationalen und sozialistischen Weltanschauungen“.

Eigentümer und
Kommune geschockt

Für Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers sind solche Veranstaltungen völlig indiskutabel: Wegen der politischen Ausrichtung, aber auch wegen der negativen Wirkung für den Gewerbepark Siegerland: Er dürfe nicht zum Neonazi-Treffpunkt verkommen: „Das könnte der Vermarktung schaden“, so Ewers. Schließlich habe man verhindert, dass sich dort das Rotlicht-Milieu habe festsetzen können.

Die Kommune werde gegensteuern. Schließlich setze der neue Eigentümer Axel Ebbecke gerade darauf, die Flächen zu vermarkten. „Er hat selbst nichts davon gewusst, ist erschrocken und hat sich distanziert“, berichtete Ewers von seinem durch die Recherchen unserer Zeitung initiierten Gespräch mit Ebbecke. Dieser habe ihm zugesichert, dass künftige Veranstaltungen unterbunden würden.

Darauf drängt auch Landrat Paul Breuer: „Der Eigentümer muss großes Interesse haben, dass diese Mieter nicht seine Mieter sind.“ Nicht zuletzt auch deshalb, weil diese Aktivitäten „erheblichen Sprengstoff“ bergen würden, so Bürgermeister Ewers. Denn einen Steinwurf weiter ist ein Veranstaltungssaal für türkische Hochzeiten. Polizisten hatten bei einer Routine-Kontrolle auf dem Gelände 50 Neonazis angetroffen. Und nebenan feierten zahlreiche Migranten.

Alexander Völkel

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