Rudolf Biermann gibt in...
Bürgermeister: "Wieder Frieden nach Kreuztal bringen"
24.09.2008 | 10:56 Uhr 2008-09-24T10:56:00+0200
Rudolf Biermann macht Schluss mit seiner „vornehmen Zurückhaltung”: Noch dieses Jahr will Kreuztals Bürgermeister den Rat in seiner Gesamtheit auffordern, dem Wunsch nach einer Namensänderung für das städtische Friedrich-Flick-Gymnasium „aus übergeordneten Gründen” zu entsprechen.
An die 2000 Petitionen haben den Kreuztaler Bürgermeister seit Beginn der Anti-Flick-Initiative im April erreicht. Und nicht unbeeindruckt gelassen hat Rudolf Biermann unlängst ein Gespräch mit dem polnischen Fernsehen: Dabei habe er festgestellt, „wie fassungslos man im Ausland ist, dass Politik und Bevölkerung an dem Namen festhalten”. Dies vor allem angesichts der inzwischen zugänglichen Erkenntnisse über die Rolle Friedrich Flicks während der Nazizeit. Rudolf Biermann will nun, „meinem Amtseid entsprechend, Schaden von der Stadt abwenden”.
Acht Monate sind vergangen, seitdem die Grünen mit ihrer Anfrage den Stein ins Rollen brachten. Vor fünf Monaten gaben der ehemalige grüne Stadtverordnete Patrick Fick und der Psychologe Dr. Oliver Hirsch - beides Abiturienten der Schule - ihre Internetseite „www.flick-ist-kein-vorbild.de” frei. Daraus entwickelte sich ein Diskussionsforum mit 1200 Einträgen und ein gewaltiges publizistisches Echo. Angesichts dieses Ausmaßes der Diskussion hält Biermann Stillhalten nicht mehr für angemessen. Fernsehteams bitten um Termine, zahllose Journalisten haben ihn seither telefonisch oder auch persönlich befragt: „Alles guckt auf Kreuztal, wir stehen im Fokus des Interesses”, weiß der Bürgermeister. Er dürfte inzwischen einer der meistinterviewten Kommunalpolitiker Deutschlands sein - zuletzt noch von „spiegel-online” und der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung” (WAZ).
Für Rudolf Biermann ist nach einem vom Thema Flick beherrschten Frühling und Sommer der Zeitpunkt gekommen, „anzusprechen, was notwendig ist”. Nur wenige Wochen, nachdem der 66-Jährige von der mehrheitlich einer Umbennung des Gymnasiums abweisend gegenüber stehenden CDU ein drittes Mal als Bürgermeisterkandidat nominiert wurde, bringt er es auf die Formel: „Wir müssen wieder Frieden nach Kreuztal bringen.”
Wenn er bislang auch selbst versucht habe, sich neutral zu verhalten, müsse nun deutlich gesagt werden, „wohin die Reise geht”. Das werde sich in der Ratssitzung im November, spätestens aber im Dezember mit einer Abstimmung über die Namensänderung niederschlagen: „Ich gehe von einer Mehrheit für die Umbenennung aus”, sagt Biermann. Dass er mit seiner Haltung bei der CDU auf Widerspruch stößt, schert ihn nicht: „Ich gebe meinen Verstand nicht bei der Parteizentrale ab.”
Erst neulich richtete er an die Vorstandsmitglieder der größten Ratsfraktion den Wunsch, „ernsthaft darüber nachzudenken, ob sie an dem Namen festhalten wollen”. Wie seine Parteifreunde reagierten, behält er für sich. Aber der Reporterin der WAZ sagte er am Morgen danach, dass ihm an solchen Tagen der Gedanke an eine unabhängige Kandidatur durch den Kopf gehe.
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