Bürger pflegen ihre Stiftung

Elfrun Bernshausen bedankt sich bei Anette Fath, die am Weihnachtsmarkt spontan 5000 Euro zugestiftet hat.
Elfrun Bernshausen bedankt sich bei Anette Fath, die am Weihnachtsmarkt spontan 5000 Euro zugestiftet hat.
Foto: hn

Kreuztal..  Die Kreuztaler Bürgerstiftung wächst und wächst. Seit ihrer Gründung im Jahr 2009 hat sich das Stiftungskapital mehr als verdoppelt. Das wurde ermöglicht durch zahlreiche Zustiftungen, die von Kreuztaler Bürgerinnen und Bürgern geleistet werden. Jüngstes Beispiel: Beim Weihnachtsmarkt im Dezember sagte Anette Fath spontan einen Betrag von 5000 Euro zu, wofür Kuratoriumsvorsitzende Elfrun Bernshausen ihr am Freitag beim Jahresgespräch in der Weißen Villa dankte.

Allein der Erlös des Karten- und Losverkaufs beim Weihnachtsmarkt kann sich sehen lassen: Waren es 2013 noch 3400 Euro, so kamen zuletzt bereits 4300 Euro zusammen, die in die zahlreichen von der Stiftung finanzierten Projekte fließen. Aus den Zinserlösen des langfristig angelegten Kapitals wurde bereits eine fünfstellige Summe ausgeschüttet. Elfrun Bernshausen hofft, dass der Grundstock weiter zunimmt: „555 000 Euro wäre eine schöne Zahl im fünften Jahr des Bestehens.“

Frauen ein Heimatgefühl geben

Laufend unterstützt wird beispielsweise der seit 2001 bestehende Sprachintegrationskursus „Mama lernt Deutsch“. Gestartet wurde seinerzeit an der Grundschule Buschhütten, inzwischen wird seit vier Jahren auch an der Gemeinschaftsgrundschule an Dreslers Park ein Angebot gemacht. Denn 80 Prozent der 256 derzeit dort unterrichteten Kinder haben laut Schulleiter Peter Sziburies einen Migrationshintergrund. Nur: Zu den Elternabenden erschienen Väter und Mütter nicht. Über den Sprachkurs für die Mütter bekamen auch diese den Zugang zu den schulischen Veranstaltungen.

Stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende Eva Lindenschmidt betonte den hohen Bedarf an diesen Sprachkursen, die seit 2009 komplett von der Bürgerstiftung finanziert werden. Nachdem sie auch an der Hauptschule Eichen stattfinden, soll es demnächst im Stadtteilbüro in der Fritz-Erler-Siedlung ein weiteres Angebot geben. Vordergründig gehe es natürlich darum, den Müttern den Zugang zur deutschen Sprache zu ermöglichen. Doch nicht unerheblich ist es, diesen Frauen ein Heimatgefühl zu geben, ihnen deutlich zu machen, dass sie und ihre Familien willkommen seien.

So wird über die reinen Sprachkurse hinaus auch viel daran gearbeitet, alltägliche Situationen wie Arzt- oder Behördenbesuche zu bewältigen. Besuche des Wochenmarktes oder eines Theaterstücks sind Teil der Projektarbeit. Eva Lindenschmidt: „Das ist eine direkte Unterstützung vor Ort, die dauerhaft und zukunftsweisend ist, weil sie die Gesellschaft zusammenwachsen lässt.“

Kulturamtsleiter Holger Glasmachers, der im Stiftungsvorstand über den Weihnachtsmarkt berichtete, bot den Organisatoren der Bürgerstiftung an, künftig auch Räume in der neuen Stadtbibliothek im Stadtzentrum zu nutzen. Sein Dank ging an die rund 60 Firmen und Händler, die mit ihren Sachspenden für die Gewinne gesorgt hatten, sodass der Weihnachtsmarkt für alle beteiligten Initiativen, Privatpersonen und Vereine mit einem Kompletterlös von 32 000 Euro endete: Geld, das wiederum an soziale Einrichtungen in der Stadt weitergegeben wird.

Stiftungskapital mehr als verdoppelt

Durch Zustiftungen ist das Stiftungskapital von ursprünglich 150 000 Euro auf inzwischen 372 482 Euro gewachsen.

Aus den Zinserträgen wurden bislang 45 000 Euro für 21 Projekte ausgegeben: Davon sind 17 Maßnahmen – wie die Unterstützung des Heimatmuseums Ferndorf, des Stadtarchivs oder des Mittagstisches – abgeschlossen. Vier Projekte werden laufend gefördert: Mama lernt Deutsch, Zeit stiften für junge Mütter, Gemeinsam stark gegen Mobber und der Bürgerfunk des Seniorenbeirats.