Breuers Sandkastenspiel wird Realität
15.01.2009 | 21:00 Uhr 2009-01-15T21:00:00+0100
Konstantin Bikar, Geschäftsführer eines metallverarbeitenden Unternehmens in Bad Berleburg, verriet ein Geheimnis, überraschte aber nicht wirklich: Schon als Kind im Sandkasten habe Paul Breuer, der heutige Landrat, mit dem Spielzeugbagger die A 4 geschoben.
Bikar wollte auf der Tagung in Allendorf deutlich machen, wie alt die Diskussion ist - und wie lange auch heute noch eine Autofahrt von Bad Berleburg nach Siegen dauern kann. Zur gleichen Zeit erfuhr der Hilchenbacher Stadtentwicklungsausschuss durch Baudezernent Michael Kleber, dass der Landesbetrieb Straßenbau durchaus real am einstigen Sandkastenspiel arbeitet: Bis Ende 2009 werden Varianten für den Abschnitt zwischen Allenbach (L 728) und Erndtebrück untersucht, die auch als Südumgehungen Hilchenbach, Lützel und Erndtebrück gehandelt werden. Favorisiert werde derzeit eine Trassenführung von der Kronprinzeneiche nach Lützel auf der alten B 62, die durch eine Brücke „begradigt” werde. Vor der Eisenstraße soll es dann über die Bahn nach Süden auf das Muna-Gelände gehen, dann aber vor Altenteich nördlich von Bahn und B 62 nach Erndtebrück weiter. Die südliche Variante erscheine dort den Planern „nicht machbar”. Und auch die „Bündelung” von Bahn und Straße in Lützel, wie sie in der Machbarkeitsstudie empfohlen wird, lehnen die Planer ab.
So viel Konkretes hätte wohl auch Klaus Gantner von den Viessmann-Werken, Gastgeber der Tagung gern gehört: Eine Stunde von der Autobahn entfernt sei das zentrale, von der Bahn durch deren Preispolitik abgehängte Auslieferungslager: „Es besteht wirklich Handlungsbedarf.” Die Fernstraße habe für die Industrie, die sich derzeit aus den Ballungsgebieten in den ländlichen Raum verlagere, und den Tourismus „den Stellenwert einer Lebensversicherung”, fand Dr. Walter Lohmeier, Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel. Winfried Schwarz, SPD-Kreistagsmitglied und Geschäftsführer von EJOT in Bad Berleburg, ärgerte sich über Post, die er von der Ruckersfelder Bürgerinitative „Felsenfest gegen FELS” bekommen hatte - und über den Raum, den der Widerspruch gegen die Planung in der Öffentlichkeit beanspruche. „Wir brauchen Verkehrsanbindungen, um Arbeitsplätze zu erhalten”, sagte Schwarz, wir müssen aus der Defensive in die Offensive.” Schon im Nachbardorf sei das anders, warf Paul Breuer ein: „Aber Ruckersfeld und Oechelhausen sind in der Zeitung, Grund nicht.”
„Man darf keine Angst vor ihnen haben”, empfahl Bad Laasphes Bürgermeister Robert Gravemeier zum Umgang mit Bürgerinitativen und hob den bereits erzielten Konsens hervor: zwischen den Parteien, den Bundesländern, zwischen Unternehmern und Gewerkschaften - „das tut richtig gut.”
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