Bahnfahren
Breuer will eine „Kampagne” für den Eurocity
18.03.2010 | 17:43 Uhr 2010-03-18T17:43:00+0100
Siegen-Wittgenstein. Eine „Kampagne” für die bessere Nutzung des Eurocity nach Klagenfurt hält Landrat Paul Breuer für erforderlich.
Die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Personennahverkehr (ZWS) befasste sich jetzt mit den schlechten Fahrgastzahlen.
„Da muss man was dran tun”, sagte ZWS-Geschäftsführer Günter Padt. Dass in Siegen morgens um 6.15 Uhr höchstens 30 Reisende in den Zug einstiegen, sei „etwas ernüchternd”. Anke Hoppe-Hoffmann (Grüne) regte an, das Ziel Zagreb stärker herauszustellen. „Das könnte einen größeren Nutzerkreis ansprechen.” „Das trägt nicht weiter”, berichtete Paul Breuer, Vorsitzender der Verbandsversammlung, von seinem Eindruck am Bahnhof Villach: „Ich habe mir das Abkoppeln der Kurswagen angeschaut.” Wichtiger sei es, die touristischen Regionen herauszustellen, die in Deutschland und Österreich durch den Zug erschlossen werden.
Am Anfang des Instanzenweges
„Wenn alle Ratsmitglieder, die Resolutionen für die Fernverkehrsanbindung Siegens beschlossen haben, auch mitgefahren wären, hätten wir jetzt bessere Zahlen”, sagte Breuer, der auch mehr Werbe-Engagement der Bahn verlangte: „Es stört mich, das die DB da sitzt und nichts tut.” Würde der Klagenfurter Eurocity zum Erfolg, könnte Siegen sich auch Chancen für neuen Bahn-Fernverkehr in Richtung Norden ausrechnen. Ungeteilt ist die Freude über das neue Angebot sowieso nicht. Zum einen hätten Berufspendler, die auf den Eurocity umsteigen mussten, „erhebliche Zusatzkosten” räumte Paul Breuer ein
Zum anderen belastet der „Aufstieg” Siegens zum Fernverkehrsbahnhof die Kasse des ZWS um jährlich 180 000 Euro. Das sieht das System der ohnehin umstrittenen, nach Bedeutung der Bahnhöfe gestaffelten „Stationspreise” vor, die die Bahn für jeden Zughalt verlangt. Zwar hat die Bahn in dieser Sache bereits einen Prozess gegen die Hellertalbahn verloren – allerdings erst am Anfang des Instanzenweges. „Die können das nicht stehen lassen”, glaubt der Olper Landrat und Verbandsvorsteher Frank Beckehoff, „das Leben geht weiter, auch vor Gericht.”
16:23
Die betriebswirtschaftliche Rechtfertigung für einen EC nach Siegen dürfte wohl im Pendlerverkehr Siegen-Frankfurt liegen. Denn das tägliche Verkehrsaufkommen aus Siegen in die anderen Städte wie Stuttgart dürfte nicht einmal für einen Schienenbus reichen.
Ein Blick in den Fahrplan jedoch zeigt: Auf der sehr schlecht ausgebauten Strecke nach Frankfurt fährt der EC gerade einmal 11 Minuten schneller als der Regionalexpress. Da werden sich nicht viele Fahrgäste finden, die dafür auch noch einen Zuschlag zahlen wollen. Ergo: Dieser EC mit Siegen als Endbahnhof ist ein tot geborenes Kind. Weil er für Fahrgäste Siegen-Frankfurt keine wesentlichen Vorteile gegenüber dem Nahverkehr bringt.
Der obige Kommentar Prestigeobjekt eines ehrgeizigen Landrates trifft es völlig: Erst einmal wäre es sinnvoll, den ausgesprochen schlechten Nahverkehr in Siegen zu sanieren. Hätte man sich bei der Planung des EC Gedanken gemacht, würde der Zug von Köln oder aus dem Ruhrgebiet durch Siegen fahren, um Verkehrsströme zu bündeln. Jedoch wenn die Bahn den Zug bald wieder einstellen wird, kann die Politik den schwarzen Peter weiterreichen - gemäß Wir haben alles uns Mögliche getan.
14:36
Wenn der Zug so schlecht läuft, wieso bekomme ich dann auf bahn.de NIE das 39€-Angebot nach Zagreb? Ich würd ja gerne fahren, aber wenn das Ticket nur ab 79€ zu haben ist, fliege ich eher da runter, das ist billiger und schneller.
11:34
@648 301: Die Frage ist doch nicht nur wer fährt von Siegen nach Zagreb !
Wer fährt von Siegen nach Heidelberg?
Wer fährt von Siegen nach Stuttgart?
Wer fährt von Siegen nach München?
Wer fährt von Siegen zum Chiemsee?
Wer fährt von Siegen nach Rosenheim?
Wer fährt von Siegen nach Salzburg?
Wer fährt von Siegen zum Wörthersee?
Wenn diese attraktiven Ziele nicht ziehen sollten, dann muss man halt Siegen ein für alle mal vom Fernverkehr abknapsen! Die Leute hocken halt lieber mit dem Auto im Stau !
21:34
Das hat man nun von einem Prestigeobjekt des ehrgeizigen Landrats, das niemand braucht. Mehrkosten und sonst nichts. Ein schneller, bequemer IRE auf der Ruhr-Sieg-Bahn für die Fernpendler nach Frankfurt oder Hagen wäre für die meisten Menschen dort sinnvoller, als dieser eine Zug. Aber man wollte ja unbedingt einen europäischen Fernzug, darunter ging es wohl nicht. Wer um Gottes Willen fährt von Siegen nach Zagreb???