Brandstiftung: Staatsanwalt fordert fünf Jahre

Burak Y. muss sich vor Gericht in Siegen verantworten.
Burak Y. muss sich vor Gericht in Siegen verantworten.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Hat Burak Y. (24) am 22. Juli 2014 in der Hilchenbacher Wohnung Feuer gelegt, in der seine damalige Freundin und deren Mutter lebten?

Siegen..  Staatsanwalt Patrick Baron von Grotthuss ist nach vier Tagen Hauptverhandlung davon überzeugt.

Er beantragte gestern fünf Jahre Gefängnis für den Angeklagten, der seine Freundin auch zweimal körperlich angegriffen, sie genötigt, vergewaltigt und bestohlen haben soll.

Die Kammer will das Urteil am 17. Februar verkünden. Verteidiger Björn Lange sieht große Zweifel an der Schuld seines Mandanten und forderte eine „Strafe im bewährungsfähigen Bereich“.

Einigkeit herrscht über einen Vorfall vom 4. September des vergangenen Jahres. Da war Burak Y. bei einem Vernehmungstermin im Landgericht über seine „Ex“ hergefallen, hatte ihr mit der Faust ins Gesicht geschlagen und sie an den Haaren gezogen. Über die Geschehnisse am 22. Juli aber gab es bis zuletzt große Abweichungen.

Die Geschädigte gibt an, an jenem Vormittag mit Y. über die Trennung gesprochen und ihm gestanden zu haben, keine Jungfrau mehr zu sein. „In ihren kühnsten Träumen hätte sie sich die Folgen nicht vorstellen können“, fasste der Staatsanwalt die Aussagen der jungen Frau zusammen.

Der Angeklagte habe sie gewürgt und gegen ihren Willen im Park der Hilchenbacher Klinik „nachgesehen“, ob sie unberührt sei. Grotthuss ging an dieser Stelle von einer Vergewaltigung aus.

Als Klinikpersonal Hilferufe hörte und die beiden trennte, sei der Angeklagte mit ihrer Jacke und dem darin befindlichen Schlüssel in die Wohnung gelaufen, habe ein Mobiltelefon gestohlen und Feuer gelegt. Wut und verletzte Eitelkeit machten von Grotthuss und Nebenklagevertreter Edgar Schulte als Motive aus.

Die Hand des Mandanten am Hosenbund

Verteidiger Lange konnte weder das Würgen noch die sexuelle Nötigung in Abrede stellen, wollte allerdings nicht von Vergewaltigung sprechen. Die Zeugin sei bewusstlos gewesen und habe nur die Hand seines Mandanten im Hosenbund gespürt, als sie zu sich kam. Ebenso hege er Zweifel daran, dass Burak Y. den Brand gelegt habe.

Der Angeklagte bestreitet dies. Nach den Zeugenaussagen sei dieser nachweislich gegen 11.15 Uhr von der Klinik weggelaufen. Der erste Notruf bei der Feuerwehr mit der Meldung starken Rauchs sei bereits um 11.22 Uhr eingegangen. Dieses Zeitfenster sei viel zu knapp, in den fünften Stock zu gelangen, das Telefon zu stehlen, Feuer zu legen und zu fliehen. Zeugen hätten einen Flüchtigen gesehen, der über eine Hecke sprang, seinen Mandanten aber nicht erkannt.

Bereits sieben Monate in U-Haft

Y. habe ausgesagt, den Schlüssel von der Zeugin bekommen zu haben.Bezüglich des Handys glaube er der Geschädigten nicht. Y. habe den Entsperrungscode gekannt, Ladekabel und Ersatzakku dabei gehabt, als er in Siegen verhaftet wurde. Das alles spreche dafür, dass die junge Frau ihm das Gerät freiwillig überlassen habe. Sein Mandant habe inzwischen sieben Monate in U-Haft gesessen und sei davon spürbar beeindruckt.

Burak Y. brach gestern einige Male in Tränen aus. Im letzten Wort bedankte er sich bei seinem Verteidiger, sagte sonst nichts.

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