Blutspende ist nichts für Pappnasen

Rosenmontag in Stift Keppel: Die Zwillinge Tobias und Julia Roth spenden an ihrer alten Schule Blut.
Rosenmontag in Stift Keppel: Die Zwillinge Tobias und Julia Roth spenden an ihrer alten Schule Blut.
Foto: WP
Rosenmontag ist die Karnevals-Diaspora für das DRK eine ergiebige Adresse. Allzu viele Ziele bieten sich den insgesamt zwölf Blutspende-Teams an diesem Tag nicht.

Allenbach..  „Das war gar nicht so schlimm, wie ich mir das vorgestellt habe.“ Felix Foesch ist zufrieden. Der Pieks mit der Nadel war auszuhalten. Lucas Klüppel, der ihm am Frühstückstisch im alten Internats-Speisesaal Gesellschaft leistet, ist erst 17, darf erst nächstes Jahr Blut spenden — und wird das dann auch tun: „Ich wollte mir mal angucken, wie das so abläuft.“

Sieben Männer und Frauen vom DRK-Blutspendedienst sowie ein Arzt sind aus Hagen nach Stift Keppel gekommen. Allzu viele Ziele bieten sich den insgesamt zwölf Teams am Rosenmontag nicht. Alkohol und dann einen halben Liter Blut weniger — „die Belastung wäre für den Kreislauf zu groß“, weiß Teamleiterin Roswitha Wigger. Hier kommt keiner mit Pappnase in die Aula. Auch nicht Tobias Roth, der hier 2013 Abi gemacht hat und jetzt eine Ausbildung bei der Stadtsparkasse absolviert. „Die Lehrer wieder mal treffen“ will Tobias, und auch seine Zwillingsschwester Julia, die in ein paar Wochen nach Marburg geht, ist ­interessiert an dem, was sich an der alten Schule tut. „Schulkleidung gab’s bei uns noch nicht, und eine Schülerzeitung haben sie auch wieder.“

Geselliger Aderlass in der Stifts-Aula

Für den Austausch mit den Lehrern müssen die jungen Leute keinen Schritt laufen. Die werden gleich auf den Liegen gegenüber zur Ader gelassen. Sebastian Funk zum Beispiel, der Leiter der Science Show AG, der hinterher auch noch eine Urkunde für seine 10. Blutspende bekommt. „Man könnte das ja mal an Halloween machen“, überlegt der Physiker, der natürlich weiß, warum Blut schneller fließt und weiter spritzt: „Blut ist keine Newtonsche Flüssigkeit.“ Ketchup auch nicht. Alles klar?

Roswitha Wigger komplimentiert den einen oder anderen zu den Ruhesesseln, damit die Zapfstellen wieder frei werden. Gleich kommen die Q2ler, die jetzt noch in den letzten Leistungskurs-Stunden vor der Abi-Vorklausur brüten. 30 bis 35 Schüler werden mitmachen — „wir haben ja nur noch um die 60, die überhaupt spenden dürfen“, sagt Alexandra Würtz — in Zeiten von G 8 haben viele mit 18 das Abitur längst in der Tasche. Viel Überzeugungsarbeit muss die Lehrerin nicht leisten: „Das läuft fast von selbst.“ So mancher lernt trotzdem dazu: Dass seine Blutspende zum Beispiel nicht nur von Unfallopfern, sondern vor allem bei Krebstherapien gebraucht wird.

Die, die kommen, werden umhegt und gepflegt. Nach der Auflösung des Allenbacher DRK bewirten nun Vera Voigts, Wera Siebel und Erna Legler vom benachbarten Hilchenbacher Ortsverein die Blutspender. „Erstspender sind nach wie vor sehr gefragt“, weiß Vera Voigts — auch wenn der Blutspendedienst sich künftig auf Hilchenbach konzentriert und nach Lützel, Vormwald und Helberhausen nun auch die Termine in Allenbach aufgibt. Bis auf den am Rosenmontag im Stift. In der Aula bekommt Sebastian Funk einen Schuss Bacardi in die Cola danach. „Ein bisschen jeck muss sein.“

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