Bio-Studenten in Siegen sehen eine Operation per Live-Stream

Die Übertragung aus dem Operationssaal per Live-Stream auf den Haardter Berg funktioniert nach anfänglichen Schwierigkeiten ohne Probleme – trotz der Panne mit dem Dativ.
Die Übertragung aus dem Operationssaal per Live-Stream auf den Haardter Berg funktioniert nach anfänglichen Schwierigkeiten ohne Probleme – trotz der Panne mit dem Dativ.
Foto: Jens Plaum
Was wir bereits wissen
Bio-Studenten sehen in Siegen einem Chirurgen der Sportklinik am Kreisklinikum über die Schulter - und zwar per Live-Stream. Das Fach soll so begreifbarer werden.

Siegen-Weidenau.. René Burchard setzt den Bohrer an. „Das ist ein wenig wie Schreinern“, sagt er. Die Maschine jault. „Aber so ein Knochen ist halt hart.“ Der Arzt ist Gelenkexperte und Chef der Sportklinik am Kreisklinikum. Und er ist gemeinsam mit dem Hochschul-Biologen Christoph Forreiter sowie den Technikern aus dem Uni-eigenen Zentrum für Informations- und Medietechnologie (ZIMT) so etwas wie ein Pionier.

Eingriff im Kreisklinikum

Biologiestudenten verfolgen an diesem Montagmorgen zwei Operationen des Mediziners per Live-Stream. Der Arzt nimmt die Eingriffe im Kreisklinikum an der Weidenauer Straße vor. Die zukünftigen Bio-Lehrer schauen sich die Operationen auf dem Haardter Berg an – zum ersten Mal. „Heute: Arthrose des Zehengrundgelenks.“, Dr. Christoph Forreiter, der Dozent erläutert seinen Studenten, was auf dem Lehrplan steht.

Gesundheit Die Idee klingt einfach. Praxis ist mitunter besser als jede Theorie. Auch in der Humanbiologie. Die Studenten lernen Anatomie, Prozesse und Funktionsweisen des menschlichen Körpers kennen – häufig jedoch nur aus Büchern. „Wir wollen Biologie begreifbar machen“, sagt der Dozent. Für angehende Lehrer ein Gesichtspunkt, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Was geschieht, wenn Teile des menschlichen Körpers ausfallen? Welchen Einfluss hat das auf den gesamten Apparat? Wie hängt eines mit dem anderen zusammen? Aspekte, die der Praktiker René Burchard während seiner Arbeit erläutert. Auf dem Programm am Montagmorgen: eine Arthrose im Zehengrundgelenk und der Fußballer-Klassiker, ein Riss des äußeren Kreuzbands.

Die ZIMT-Experten kommen mit schlechten Nachrichten. „Möglicherweise klappt’s nicht“, sagt Matthias Brück, Mitarbeiter im ZIMT auf dem Haardter Berg. Die Bandbreite macht Probleme. Bislang bleibt der Bildschirm – und viel wichtiger – die Leinwand im zum Hörsaal umfunktionierten Studio schwarz. Eine dritte und vermutlich letzte Möglichkeit gibt es noch. Senden per Mobilfunk-Variante UMTS.

Das ist nichts für den Pixel-Ästheten, aber es gibt Bilder aus dem Operationssaal zu sehen. Und zwar fünf pro Sekunde. Im HD-Standard wären es 50 halbe oder 25 ganze, erläutert der Experte. Operateur Dr. René Burchard ist mit einer Helmkamera ausgerüstet. Unmittelbar neben dem Operationstisch filmt eine weitere Kamera. Der Mediziner erklärt jeden seiner Schritte.

Internet Vor der Tür stehen zwei Stühle. Einer zum Sitzen, der andere, um die Beine hochzulegen. Daneben ein Glas Wasser gegen den trockenen Rachen und ein offenes Fenster für frische Luft. Obwohl die Studenten vom Fach sind, hat Christoph Forreiter vorgesorgt. Diese „neue Art von Lehrveranstaltung“ braucht eine andere Art der Vorbereitung. „Man weiß nicht wie der eigene Körper auf die Eröffnung eines anderen Körpers reagiert“, sagt er. „Stehen Sie, so lange Sie können auf, und gehen vor die Tür.“

Die Stimmung ist professionell

Niemand muss das Erste-Hilfe-Angebot in Anspruch nehmen. Im Gegenteil. Die Stimmung ist professionell. Die Studenten fragen unter anderem, ob der Körper das Titan, mit dem Dr. René Burchard den großen Zeh seiner Patientin versteift, nicht abstößt. Macht er nicht. Danke. 20 Minuten Pause. Ein kaputtes Kreuzband. Und neues Werkzeug.

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