Billigmentalität ist ein Problem

Siegen/Berlin..  Das Kaufen im Internet hat nicht nur Auswirkungen auf den stationären Einzelhandel. Auch in der Logistikbranche haben sich die Bedingungen geändert. Verdi spricht von mehr Aufwand bei zeitgleich schlechteren Arbeitsbedingungen für Paketfahrer. Laut Bundesverband Paket und Express Logistik reagieren die Unternehmen aber entsprechend darauf und stellen mehr Mitarbeiter ein.

„Es gibt gute und unseriöse Anbieter in der Branche“, sagt Norbert Weidlich von Verdi Siegen-Olpe. „Am besten sind die, die ohne Subunternehmen auskommen.“ Bei denen seien Fahrer teilweise gezwungen, möglichst wenige Pakete zurückzubringen, gearbeitet werde, bis der Wagen leer sei. „Einige müssen ein Paket zum Beispiel bis 10 Uhr zustellen“, fährt Weidlich fort. „Schafft ein Fahrer es erst um 10 Uhr 30, hat er ein Problem.“ Generell gebe es eine größere Arbeitsverdichtung.

Bei Unternehmen, die vorwiegend eigene Fahrer beschäftigen, seien die Bedingungen besser. Dabei komme es auch auf den Auftraggeber an und ob der sein Image bewahren wolle. Betriebsräte gebe es bei Subunternehmen kaum. „Das Problem ist der Wettbewerb“, so Weidlich. „Der Profit steht über allem.“ Anton Hirtreiter von Verdi Bayern bestätigt das. „Die Unternehmen sagen, ihre Gewinnmarge sei zu klein“, so Hirtreiter. „Deshalb drücken sie den Lohn.“ Dazu wollten auch die Subunternehmer etwas verdienen. „Viele zahlen derzeit weniger als 8,50 Euro Mindestlohn“, so Hirtreiter. Dazu müsse ein Fahrer in diesem Bereich oftmals länger als 10 Stunden arbeiten, was gesetzlich verboten sei.

Nicht zwingend Ausbeutung

Marten Bosselmann, Geschäftsführer des Bundesverbands Paket und Express Logistik in Berlin, sieht bei Subunternehmen kein Problem. „Die können auf Spitzen ganz anders reagieren“, sagt er. Generell sei die Arbeit mit kleineren Einheiten oft einfacher für global agierende Unternehmen. „Das muss nicht direkt mit Ausbeutung zu tun haben“, betont Bosselmann. „Wir haben ein Interesse daran, dass Fahrer anständiges Geld für anständige Arbeit bekommen.“ Natürlich gebe es schwarze Schafe, der Mindestlohn werde diese aber eliminieren. „Es kann nicht sein, dass ein Geschäftsmodell darauf beruht, dass jemand von seiner Arbeit nicht leben kann.“

Zwar lege der Onlinehandel grundlegend zu, so Bosselmann weiter. „Derzeit flaut das Wachstum aber leicht ab.“ Der Einzelhandel erlebe eine Renaissance. Dienstleister versuchten beide Seiten zufriedenzustellen, Online- und Einzelhandel. „Die Paketmengen nehmen zu, die Unternehmen stellen aber auch mehr Fahrer ein“, sagt er.

Dennoch gibt er zu , dass ein starker Wettbewerb unter den Konzernen mitunter problematisch sei. „Wir tun uns schwer mit der Nullversandkostenmentalität einiger Anbieter“, verrät Bosselmann. „Manche Onlinehändler wollen wenig für Pakete zahlen, aber Logistik kostet.“

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