Bildungsfonds: Fürs Leben lernen im Theater

Die Apollo-Verantwortlichen nehmen ihren Bildungsauftrag ernst. Ihr entscheidender Ansatz: Anspruch mit Vergnügen ist eine ideale Kombination.
Die Apollo-Verantwortlichen nehmen ihren Bildungsauftrag ernst. Ihr entscheidender Ansatz: Anspruch mit Vergnügen ist eine ideale Kombination.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Das Apollo will noch mehr für die kulturelle Bildung tun. Geld dafür gibt es dank des Bildungsfonds – und gute Ideen gibt es dank der kreativen Köpfe für lau.

Siegen..  Das Apollo-Theater will seine Aktivitäten zur kulturellen Bildung weiter intensivieren. Möglich wird das durch den im Februar 2014 gegründeten Apollo-Bildungsfonds. Dessen Einrichtung befreite das Theater „aus einem Dilemma“, erklärte Intendant Magnus Reitschuster gestern bei der Programmvorstellung: Gutes Kinder- und Jugendtheater kostet nämlich deutlich mehr, als es einspielt.

Warum ist kulturelle Bildung überhaupt wichtig?

Kinder- und Jugendtheater ist fundamentaler Bestandteil der Apollo-Konzeption. „Lustvolle Erkenntnis, ernste Späße, intensive Welterfahrung“, soll das Programm dem jungen Publikum vermitteln, sagt Reitschuster – „ohne erigierten Zeigefinger, aber auch jenseits der gängigen Bespaßungs-Ödnis.“ Wie alle Kunstformen vermittelt Theater eine spezielle Sicht auf die Welt, gibt Anstöße zur Reflexion, lässt den Zuschauer nachdenken. Nur: Dafür muss er erst einmal hingehen, und dafür braucht es manchmal besondere Angebote.

Was bringt der Bildungsfonds?

Bedingt durch die sozialverträglich gestalteten Eintrittspreise ist das Kinder- und Jugendtheater im Apollo ein Zuschussgeschäft. Die Einnahmen spielen maximal 40 Prozent der Kosten ein, rechnet Reitschuster vor. Der Fonds füllt diese Lücke. Rund 126 000 Euro kamen seit Februar 2014 dank Spenden und Sponsoring zusammen. Fast 97 000 Euro gab das Theater bis Ende Juni 2015 für Veranstaltungen aus. Gerade Kindergarten- und Schulvorstellungen sind dabei wichtig: Denn dabei kommen auch Kinder aus Familien, in denen Theater kein Thema ist.

Wo kommt das Geld her?

Der Apollo-Förderkreis akquiriert Spenden und Unterstützung. Im vergangenen August gab es das dritte Apollo Benefiz-Golfturnier beim Golfclub Siegen-Olpe, bei dem 22 000 Euro zusammenkamen. Im Mai stand das „Diner en blanc“ im Theater auf dem Plan. Bei der kulinarischen Veranstaltung, zu der die Gäste in weißer Kleidung erschienen, spendeten die 125 Besucher insgesamt 6800 Euro. Diese Summe ist für ein neues Projekt vorgesehen: „Azubis ins Theater“.

Warum sollen gerade Auszubildende ins Theater gehen?

Weil die Verantwortlichen viele und neue Zielgruppen ansprechen wollen. Azubis würden „vielleicht seltener den Weg ins Theater finden“, erklärt Dr. Antonia Barten, Mitglied im Vorstand des Apollo-Trägervereins. Am 8. Januar steht für diese jungen Menschen die Erfolgsproduktion „Ziemlich beste Freunde“ auf dem Programm. Barten: „Für viele wird das ein ganz neues Erlebnis sein. Einige werden danach sicher noch öfter den Weg ins Apollo finden.“ Die Karten können Arbeitgeber für sechs Euro pro Stück kaufen und an ihre Azubis weitergeben. Für diese ist der Besuch kostenlos.

Sind solche kostspieligen Kulturprojekte nicht wie Orchideen: Schön, aber eigentlich verzichtbar?

Der im Siegerländer Pragmatismus verankerte „Bruche mir ned!“-Ansatz für alles nicht unmittelbar Nützliche läuft an den Realitäten einer modernen Gesellschaft vorbei. „Heute ist Kultur ein weicher Standortfaktor“, sagt Klaus Gräbener, IHK-Hauptgeschäftsführer und stellvertretender Vorsitzender des Apollo-Förderkreises. Ein gutes kulturelles Angebot bedeute Lebensqualität und Freizeitwert, sei „wichtig, wenn Sie Fachkräfte in die Region ziehen und halten wollen“. Je mehr die industrielle Produktion zudem von digitalen Prozessen durchdrungen werde, umso mehr brauche ein Standort Anreize für Menschen, die in IT-, Kommunikations- und Medienbereichen arbeiten. Ein gutes Theater sei da ein „Klebefaktor“ und aus rein ökonomischer Sicht wertvoll.

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