Bewegendes im südlichen Afrika

Bepackt mit Bodenbelägen schreiten Jana Gamp (links) und Maite Hundt in Sambia zur Tat. Die beiden jungen Frauen verlegten Böden in einem Internat, das Utho Ngathi für Kinder mit Behinderungen gebaut hat. Ein wesentliches Ziel des Vereins ist es, Betroffene durch Bildung und Arbeit aktiv an der Gesellschaft teilhaben zu lassen.
Bepackt mit Bodenbelägen schreiten Jana Gamp (links) und Maite Hundt in Sambia zur Tat. Die beiden jungen Frauen verlegten Böden in einem Internat, das Utho Ngathi für Kinder mit Behinderungen gebaut hat. Ein wesentliches Ziel des Vereins ist es, Betroffene durch Bildung und Arbeit aktiv an der Gesellschaft teilhaben zu lassen.
Foto: Jana Gamp und Maite Hundt
Was wir bereits wissen
Mit anderen Augen sehen Maite Hundt und Jana Gamp ihr Leben in Deutschland. Die 20-jährigen Siegenerinnen arbeiteten drei Monate in Südafrika.

Siegen/Johannesburg..  Fast fünf Jahre lang konnte der Mann sein Haus in einem südafrikanischen Dorf kaum verlassen, lag die meiste Zeit auf einer Matratze auf dem Fußboden in seinem Zimmer. Jana Gamp und Maite Hundt sind dabei, als Andreas Wörster vom Verein Utho Ngathi dem Endvierziger einen Rollstuhl bringt und damit sein Leben verändert. Die beiden 20-jährigen Siegenerinnen werden dieses Erlebnis sicher nicht vergessen. „Seine Freude zu sehen, das war unbeschreiblich“, sagt Jana Gamp.

Drei Monate waren die jungen Frauen, die im Sommer an der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule Abitur gemacht haben, für Utho Ngathi vor Ort. Der Verein, den der Siegener Andreas Wörster gründete, kümmert sich um Menschen mit Behinderung im südlichen Afrika. Die Betroffenen haben ein hartes Los: In weiten Teilen der Bevölkerung ist der Umgang mit dem Thema problematisch.

„Menschen mit Behinderung werden oft von ihren Familien versteckt, weil es als Schande angesehen wird“, sagt Jana Gamp. Aberglauben präge das Bild, lässt viele Familien denken, die Behinderung des Angehörigen sei Ergebnis eines Fluchs oder eine Strafe für Verfehlungen. Aufklärung ist eines der obersten Gebote. Es gibt aber noch ein anderes Problem: Armut.

Die Siegenerinnen sind während ihres dreimonatigen Aufenthalts mit von der Partie, wenn Wörster und sein Partner Masauso Phiri Menschen in den Dörfern besuchen. „Besuchen“, bedeutet immer auch: nach dem Rechten sehen, helfen, sich Lösungen einfallen lassen. Rollstühle und Krücken sind auch in Südafrika teuer, für viele Betroffene unerschwinglich und daher nur durch das Engagement des Vereins verfügbar. Als ausgebildeter Physiotherapeut zeigt Wörster den Familien zudem Übungen für die Betroffenen. Und er hat ein offenes Ohr für Sorgen.

Pendeln zwischen den Gegensätzen

„Wir konnten unsere Ideen einbringen“, erzählt Maite Hundt. „Oft ging es darum: Wie können wir Dinge von Deutschland aus regeln?“ Schon seit Jahren engagieren die Siegenerinnen sich von ihrer Heimat aus für den Verein, sammeln Spenden, verkaufen afrikanische Waren. Das Volontariat war der nächste Schritt.

Maite Hundt kannte Südafrika bereits von einem Urlaub. „Da habe ich es aber ganz anders kennengelernt. Jetzt wollte ich persönlich die andere Seite sehen.“ Der Kontrast habe sie interessiert; zwischen „dieser Luftblasenwelt“, wie sie das Südafrika nennt, das Touristen erleben – und den Bereichen, die in keinem Reisekatalog auftauchen.

Leicht fiel ihr das Pendeln zwischen den Welten, die nebeneinanderliegen und doch himmelweit auseinanderklaffen, nicht. „Die Unterschiede, wenn man aus den Dörfern nach Johannesburg kommt – da fühlt man sich unwohl“, sagt sie. Der Gegensatz, wie gut es manchen Menschen gehe und wie schlecht anderen, mache nachdenklich. „Und wir hatten diesen Kontrast zwischen Erster und Dritter Welt dauernd, allein schon in Johannesburg“ – einer Metropole, „in der man jeden Tag durch Viertel mit Blechhütten und wenig später durch wohlhabende Gegenden fährt“, wie Jana Gamp ergänzt.

Konstruktiv sein – nicht verzweifelt

Die Schicksale, mit denen sie konfrontiert wurden, waren oft erschütternd. Werden Kinder mit körperlichen Behinderungen über Jahre abgeschottet, können sie auch ihre geistigen Fähigkeiten nicht entwickeln. „Man darf sich nicht unbedingt fragen, wie die Menschen bei uns in Deutschland behandelt worden wären“, erklärt Jana Gamp, wieso sie angesichts der Geschichten nicht verzweifelte. „Wichtig ist, sich zu überlegen, was man im Rahmen der Möglichkeiten vor Ort tun kann.“

Auch nach der Rückkehr haben die jungen Frauen viel vor – denn Utho Ngathi braucht für die Arbeit Geld. „Wir sind mega-motiviert, uns was einfallen zu lassen, was wir von hier aus tun können“, sagt Maite Hundt.

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