Bewährung für einen früheren Schrotthändler

63-Jähriger muss sich vor Gericht verantworten. Dort ist er nicht zum ersten Mal. Er verfügt über mehr als zwei Duzend Vorstrafen.
63-Jähriger muss sich vor Gericht verantworten. Dort ist er nicht zum ersten Mal. Er verfügt über mehr als zwei Duzend Vorstrafen.
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Was wir bereits wissen
63-Jähriger muss sich vor Gericht wegen Steuerhinterziehung verantworten. Dort ist er nicht zum ersten Mal. Erhat bereits mehr als zwei Duzend Vorstrafen.

Siegen/Kreuztal..  Wieder ging es vor der Wirtschaftskammer des Siegener Landgerichts um Schrott, wenngleich die Dimensionen andere waren als beim Nickel-Urteil vor eineinhalb Wochen. Der Angeklagte hatte diesmal „nur“ Steuern hinterzogen, respektive beim Verkürzen von Abgaben geholfen.

Rolf T. (63) betrieb seinen Kreuztaler Schrotthandel offiziell bis 2003. Dann meldete er das Gewerbe ab – und arbeitete offenbar munter weiter. Die Steuerfahnder ermittelten jedenfalls bis 2006 weitere Umsätze und eine Gesamtsumme von 12 053 Euro, die eigentlich dem Fiskus zugestanden hätte. Der Mann aus Kreuztal, inzwischen schwer krank und ohne Arbeit, gab diesen Teil der Vorwürfe unumwunden zu.

Mehr als zwei Duzend Vorstrafen

Mit dem bereits zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilten Klaus Werner B. hatte der Angeklagte ein Hilchenbacher Unternehmen „wiederbelebt“, das Paletten reparierte und damit handelte, und für das in den Jahren 2006 bis 2009 durch falsche Angaben in den Steuererklärungen insgesamt 358 203 Euro an den Behörden vorbeilaviert worden waren. „Mit dem Geld hatte ich nichts zu tun“, schüttelte Rolf T. grummelnd den Kopf. Er habe kleinere Aufträge für B. erledigt, dafür „mal 100 oder mal 50 Euro bekommen. Manchmal ist er auch mit mir essen gegangen.“ Das sorgte für Unruhe.

Hatten sich doch Kammer und Anwälte bereits vor längerer Zeit auf eine schnelle Lösung verständigt, die eine Bewährungsstrafe gegen ein umfassendes Geständnis umfasste. „Dann müssen wir eben doch Zeugen hören, das wird dann ein paar Tage dauern“, gab die Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach zu verstehen.

Nach kurzer Unterbrechung gab T. zu, geduldet zu haben, dass „ein Analphabet“ als Geschäftsführer der Paletten-Firma installiert wurde. Einmal habe er auch bei seinem Mittäter 17 000 Euro in bar abgeholt und bei der Müsener Sparkasse eingezahlt, angeblich wegen einer Stromnachzahlung. Die Hintergründe habe er nicht gekannt. „Aber das ist Ihnen doch sicher komisch vorgekommen“, sagte die Vorsitzende. T. bejahte.

Das reichte am Ende, um ihn in dieser Sache wegen Beihilfe „im unteren Bereich“ und aufgrund der eigenen Steuerhinterziehungen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr zu verurteilen.

Den längsten Teil des recht kurzen Verhandlungstages nahm die Vorstrafenliste des Kreuztalers ein. „Müssen Sie die verlesen. Oh, oh“, klagte er. Mehr als zwei Dutzend Taten standen im Auszug. Seit 1965 hatte Rolf T. immer wieder vor Gericht gestanden. Vor allem gab es unzähliges Fahren ohne Fahrerlaubnis und unter Trunkenheit, aber auch Diebstahl und Betrug, Körperverletzung, Urkundenfälschung oder Waffenbesitz. Mehrere Jahre hatte der Angeklagte in dieser Zeit in Haft verbracht. „Sie wissen ja, was Bewährung heißt“, warnte Richterin Dreisbach. „Das ist kein Problem für mich. Im Alter wird man ja ruhiger“, versicherte der Verurteilte und bedankte sich für den Ausgang der Verhandlung.